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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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Das römische Ncich unter den Imperatoren.

jedoch die Geschichte. Unter Hadrian schrieb Suetonins Tranquilluseine Geschichte der zwölf ersten Imperatoren von Julius Cäsar an ge-rechnet, ohne Eindringen in den Geist der Zeit, aber mit angemessenerVerwendung der einzelnen biographischen Denkwürdigkeiten. Groß da-gegen steht Tacitns, der Schwiegersohn Agricola's, als Geschichtschreiberda. Er schrieb, als Trajan'S glückliche Negierung den Gcmüthcrn Ruheverschafft hatte, über die Ereignisse und Verhältnisse seit dem Tode desAugnstns. Tief ergriffen von den Greueln unter Domitian, legt erin die gedrungene, von aller Breite sich fernhaltendc Darstellung seinenSchmerz und drängt in ihr zugleich die Ergebnisse einer scharfen Beobach-tung und einer reichen Erfahrung zusammen. Er sieht das Sinkenrömischer Herrlichkeit und findet keinen Trost und keine Hoffnung. MitBesorgnis' blickt er ans die Germanen und ihm bangt vor der Zeit,wo das römische Ncich keinen Trajan mehr haben und mit seiner ent-nervten Bevölkerung einen Angriff der rohen, aber unverdorbenen Völkerzu bestehen haben wird. Doch in die tiefste Tiefe, daß er in dem Hei-denthume und seiner unvermeidlichen Entwicklung die Quelle des Nebelssähe, vermag sr nicht zu dringen. Von Jndenthum und Christenthnmbesitzt er nur die äußerlichste Kunde, und es fehlt jede Ahnung von derBedeutung, die beide für die Geschichte der Menschheit haben. In ähn-licher Weise wie Tacitns, wie er voll Unmuth und wie er ohne Trost,steht Juvcnal mit seinen unter Hadrian geschriebenen Satiren der Zeitgegenüber. Die Beredtsamkeit, einst der Gipfel der römischen Litera-tur, hatte im monarchischen Nom ihren eigentlichen Boden, die Ver-handlungen der Gesetzgebung und des öffentlichen Rechtes eingebüßt,und hatte ihre Anwendung vorzugsweise in den Berathungen des Se-nates und dem Geschäfte der Sachwalter. Ihre einzigen Werke vonöffentlicher Bedeutung sind die panegyrischen Reden zum Lobe der Herr-scher, wie eine auf Trajan von dein jüngeren Plinius, dem Neffen undAdoptivsöhne des älteren, verfaßt ist. Eine sehr große Ausbreitung ge-wann aber die Bemühung für rednerische Ausbildung, und es entstandunter den Händen der damit beschäftigten Rhetoren eine Literatur derRhetorik, die aus Unterweisungen und aus Mustern und Uebungöstückcnbestand. Quintilianus ans Calagurris in Spanien, mit seinem Wirkender Zeit der Flavischen Imperatoren angehörig, und Annäus Seneca,der Vater des gleichnamigen Philosophen, sind Vertreter dieser beidenGattungen. Eigentliche Unterrichtsanstalten mit besoldeten Lehrern inNom, wo eine den Namen Athenäum führte, sowie in den bedeutendstenStädten Italiens und der Provinzen gestiftet, Pflegten diese Kunst undwurden die Träger einer Bildung, welche eine Ausgleichung zwischenItalien und den Provinzen bewirkte und so an der Auflösung des ge-schlossenen Nömerthums mitarbeitetc.