Druckschrift 
2 (1831)
Entstehung
Seite
289
Einzelbild herunterladen
 

289

zeugen, daß, wo nur einfarbiges Licht auffällt, auch hier die Er-scheinung andrer Farben wcgfällt.

Fraunhofer hat über diese Erscheinung eine eigne und ge-naue Reihe von Versuchen angcstellt. Wenn man das Sonnen-licht durch eine schmale Oeffnung, etwa von ein Hunderttel Zolleinfallcn laßt, und das Fernrohr so stellt, daß man diese Oeffnungscharf sieht, dann aber ein aus parallelen nach einer einzigen Rich-tung gezogenen Linien bestehendes Gitter vor das Objcctivglasbringt; so steht man erstlich jenen schmalen Spalt deutlich und ohneFarben, daran zweitens an jeder Seite einen dunkeln Raum, anwelchen ein zweites Bild grenzt, das sein Violett gegen die Mitteder ganzen Erscheinung oder gegen jenes erste Bild wendet, daranstößt drittens an beiden Seiten symmetrisch ein dunkler Raum unddann ein neues doppelt so breites Farbenbild, worin wieder dasViolett dem vorigen Bilde zugewandt ist und das Roth sich an derandern Seite zeigt; viertens grenzt hieran ein neues Farbcnbild,das aber schon sein Violett mit dem Roth des vorigen mischt, undso folgen noch mehr Bilder, bei denen die Mischung noch starkereintritt. Diese Farbcnbilder werden am breitesten und haben diereinsten Farben, wenn die Linien, welche das Gitter bikdcn, rechtfein und eng an einander sind; sie fordern, um schön zu erscheinen,eine ganz genaue Gleichförmigkeit. Sind die Zwischenräume zwi-schen den Linien und ist die Dicke der Linien selbst ungleich, so zeigtsich ein nicht mehr farbiger Schweif an beiden Seiten des HellenRaumes und ebenso an beiden Seiten einer Lichtflamme; denn daden weiter von einander abstehenden Linien eine enger an einandergereihctc Folge von Bildern entspricht, den nähern Linien weiterentfernte Bilder, so fallen die den ungleichen Abständen entspre-chenden Bilder aufeinander, und zeigen den Hellen Streifen, denwir auf einer unreinen Glastafel zu sehen gewohnt sind, wenn wirauf dieser parallele Züge, etwa mit dem Finger oder einem Tuchegemacht haben und dann eine Lichtflammc durch sie ansehen. UmGitter, die vermöge vollkommener Parallcllinien recht schöne Far-bcnbilder zeigten, zu > erhalten, wandte Fraunhofer thcils mitDiamant in Glas eingcritzte mit Hülfe einer genau theilendcn Ma-schine in gleichen Abständen gezogene Linien an, theils belegte er dieGläser mit Gold und radirte hierauf Parallcllinien, die dann freieII. T

i