Druckschrift 
2 (1831)
Entstehung
Seite
226
Einzelbild herunterladen
 

226

noch lebhaft gerührt werden, erhalten jene durch eben solche Licht-strahlen eine schwächere Empfindung und die Flächcntheile, derenBild auf die mehr gereihte Stelle fallt, erscheinen uns dunkel. ImGegentheil, die Theile der Netzhaut, die sich bei dem Blicke aufdas Schwarz ausgeruht haben, werden lebhafter von den Strahlendes Weiß oder Grau gereiht, und geben uns die Empfindung eineslebhafteren Eindrucks, eines glänzenderen Weißes, eines hellerenGrau. Daß wir, nachdem wir in die untergehcnde Sonne gesehenhaben, runde Schattenbilder vor unserm Auge schweben sehen, istbekannt und hat eben den Grund; der dunkeln runden Bilder sindgewöhnlich viele, ohne Zweifel weil wir die Sonne nicht gut mitder Stetigkeit ansehen können, daß nur ein immer gleicher Thcilder Netzhaut gerührt würde.

Hiemit verwandt sind manche Farben - Erscheinungen. Wennman eine Stange recht schön rothes Siegellack auf ein von derSonne hell erleuchtetes weißes Papier legt, so zeigt sich, wenn mandas Siegellack unverwandt ansieht und dann das Auge auf das um-gebende Weiß des Papicrcs wirft, dieses nahe am Siegellack sehrschön blaßgrün. Dieselbe Erscheinung zeigt sich als eine blaue Um-gebung, wenn der Gegenstand gelb oder orange war, als eine blaß-rothe, wenn er grün war, oder allgemein, es zeigt sich dem Augeauf dem umgebenden Weiß die Ergänzungsfarbe jenes farbigen Kör-pers. Die Erklärung ist zwar etwas schwieriger, als bei demSchwarz und Weiß, aber doch.dieser sehr nahe verwandt. Wirsehen nämlich, daß das Auge abgestumpft wird für den Eindruckder rothen Strahlen, wenn diese anhaltend und mit lebhaftemGlanze einen bestimmten Theil der Netzhaut treffen; fällt nun aufeben den Theil der Netzhaut ein Bild eines weißen Körpers, somachen die aus dem Weiß hervorgehenden blauen, grünen, gelbenStrahlen den gewöhnlichen, die rothen Strahlen einen schwächernEindruck, und das Grün, welches aus der Mischung der erstementspringt, zeigt sich überwiegend in dem Bilde, welches eigentlichweiß sein sollte; ein sehr Helles Grün aber muß sich zeigen, weiles sich nur in dem Maaße mit dem Weiß gemischt zeigt, als derschwächere Eindruck des Roth das Grün vorherrschend macht, indemja der Eindruck des Roth keinesweges ganz fehlt. Bon Göthehat dies etwas anders erklärt, indem er eine Gegenwirkung des