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Eine zweite Erscheinung, die sich eben so einfach zu erklärenscheint, ist ein zuweilen sichtbarer horizontaler Heller Kreis, derdurch die Sonne geht. Man sieht ihn fast immer in Verbindungmit Nebensonnen. Ein solcher Kreis muß sich zeigen, wenn verti-kale Schnecnadcln in der Luft schweben; denn wenn man einenvectical gehaltenen Spiegel in allerlei Richtungen, allemal aber sohalt, daß er ein Sonnenbild zeigt bei beständig vertikaler Lage, soerscheint dieses Sonnenbild ebenso hoch über dem Horizonte, als dieSonne selbst; unzählige solche Spiegel in der Luft schwebendkönnen überall ein reflectirtes Sonnenlicht und zwar immer in derscheinbaren Höhe der Sonne geben, also einen Hellen Horizontalkreis.Sind die Nadeln nicht vertikal, aber schweben zahlreich in parallelenund etwas geneigten Richtungen, so muß dieser Kreis etwas vonder horizontalen Lage abweichen; aber da er immer durch dieSonne geht, so schließt sich in der Nahe der Sonne der aus denetwas geneigten Nadeln hecvorgchende Kreis an den Horizontalkreisan und verstärkt ihn, und hierin liegt ein Grund, warum der HelleKreis in der Nähe der Sonne sich lebhafter zeigt. Eine genauereUntersuchung beweiset, daß bei etwas höherem Stande der Sonneselbst ziemlich geneigt schwebende Nadeln bis zu erheblichen Entfer-nungen von der Sonne zu Verstärkung des aus den vertikalenNadeln hervorgehendcn Horizontalkrcises beitragen, und vielleichtist das ein Grund, warum man ihn im Winter öfter beim Monde(wenn ich nicht irre,) gesehen hat, als bei der Sonne, weil nämlichder Mond in der Zeit seines besten Lichtes im Winter hoch steht,die Sonne aber niedrig.
Dieser horizontale Kreis hat sich nicht selten theilwcisc mitdem vertikalen Streif zugleich gezeigt, und dann entweder einKreutz dargestcllt, in dessen Durchschnittspuncte die Sonne oder derMond stand, oder ein Kreutz diesen Gestirnen gegenüber. Dieeben angegebene Erklärung ist aus diese Erscheinung anwendbar,nur steht ihr das im Wege, daß wir bei der Erscheinung desKreutzcs horizontalschwcbcnde und vcrticalschwcbcnde Nadeln zu-gleich annchmen müssen. Ohne diese Schwierigkeit ableugnen zuwollen, glaube ich doch, daß das so sehr Genügende jener Erklärunguns berechtigt, ihr getreu zu bleiben, und daß wir die Vermuthung,cs möge in einer Luftschichte die eine Lage der Nadeln, in einer