zu tadeln, bleibt es doch Lenzens grösstes Verdienst, das man ihm nicht absprechen kann —wenn man nicht ungerecht sein will — Beethoven zuerst richtig verstanden zu haben!“ —
(Die vorliegende Skizze habe ich hauptsächlich meinen Arbeiten über „W. v. Lenz“ inder „Musik. Beilage des Rigaer Tageblatts“ 1894 Nr. 2—6 und „Das Gesetz der Genialität unddessen Entdecker Wilhelm v. Lenz.“ (Zürich 1894) entnommen.)
Beilage. Vgl. Nr. 96 im Stammbaum.
Robert von Len«,
bekannt als Physiker und Naturforscher.
Das Licht dieser Welt erblickte Robert v. Lenz am 16. (28.) November 1833 in St. Pe-tersburg, als der zweite Sohn des auf elektro-magnetischen Gebiete hoch bedeutsamen PhysikersH. Fr. Emil Lenz und seiner Ehegattin Anna, geb. v. Helmersen. Er erhielt seine erste Bildungin der Reformierten Kirchen-Schule der Residenz, dann in dem leider 1892 durch die Russitizie-rung eingegangenen deutschen Landes-Gymnasium in Birkenruh bei Wenden (Livland.) Dersog. Mangel kein Nationalrusse mit russischen Geist (Nihilismus) zu sein, verhinderte ihndurchaus nicht, nach Absolvierung seines Abiturienten-Examens die Universität der Newa-Stadtzu beziehen, um daselbst die Naturwissenschaft zu studieren, und bereits mit 22 Jahren Docent am„Technologischen Institut“ daselbst zu werden 1 ).
Zwei Jahre darauf, 1857, wurde Lenz als Physiker zur Erforschung von Charassan,Beludschistan, Afganistan und Persien erwählt, um die magnetischen und astronomischen Beobach-tungen zu leiten. Vgl. darüber seine „Ortsbestimmungen und magnetische Messungen in Charas-san“ (russ. in den „Sapiski“ der St. P. Akademie 1868 Bd. VIII.)
Kaum war der junge Forscher mit der Expedition 1859 zur Heimat zurückgekehrt, sowurde er schon im Jahre darauf von der Akademie der Wissenschaften in die Skären Finnlandsgeschickt, um dort die für die Schifffahrt so merkwürdigen Schwankungen der Magnetnadel inmagnetischen Messungen festzustellen. Die Frucht dieser Studien legte er 1862 in seiner Magister-Dissertation : „Untersuchungen einer unregelmässigen Verteilung des Erdmagnetismus im nördlichenTeile des Finnischen Meerbusens“ nieder (deutsch in den St. P. Memoires 1862 Bd. V. und russ.im „Morskoi sbomik“ 1862 abgedruckt.) Dieser Arbeit folgten als Ergänzung seine „Magne-tischen Beobachtungen an einigen Punkten der tinnischen Küste“ (St. P. Bulletin 1862 Bd. IX.)und 1864 seine mit dem Akademiker Ssawitsch zusammen gemachten „Beobachtungen der Schwin-gungen eines konstanten Pendels“; (russ. in den „Sapiski“ 1864.)
Im Jahre darauf schrieb er seine Doktor-Dissertation: „Wärmeleitung der Metalle“ und
wurde sofort zum Professor der physikalischen Geographie an der Universität ernannt. Nachdemer über die „Dichtigkeit und den Salzgehalt des Seewassers“ (St. P. Memoires 1868 Bd. XI), dann„Ueber einige Eigenschaften des auf galvanischem Wege reduzierten Eisens“ (St. P. Bulletin 1869Bd. VIII) von der Wissenschaft beachtete wertvolle Arbeiten veröffentlicht hatte, sollte sein vielAufsehen erregendes Werk: „Unsere Kenntnisse über den früheren Lauf des Amur-Daija“ (St.
1) Anm. Die Früchte dieses russ. Geistes zeitigten die russ. Revolution 1905, worauf die Regierungauf die Russifizierung ihrer 108 verschiedenen Völkerschaften verzichtete und ihnen gestattete in ihrer Spracheund Moral ihre Kinder zu unterrichten. So ist demi seit 1906 wieder das deutsche Landes-Gymnasium in Bir-kenruh bei Wenden eröffnet worden.