I. Der genealogisch-historische Teil nebst Stammbaum nach einem neuen System.
Wenn wir den beiliegenden Stammbaum des livländischen Zweiges der Familie Lenz be-trachten, der sich vom Zentrum aus fächerförmig erweitert, so werden die Ausläufer, nichtwie bei anderen Stammbäumen schliesslich schnell an Raum zu kurz kommen, sondern der Bogenkann sich höchstens bei noch grösseren, fruchtbaren Familien, im Umfang um Einiges erweitern,ohne an Raum und Uebersichtlichkeit der Zusammengehörigkeit irgend etwas zil verlieren. Dieenorme Raumersparnis bei diesem neuen System wird sofort begreiflich, wenn man dieselben Namenund Zahlen der 4 Tabellen im zweiten Abschnitt nebenbei hält und findet: dass hier auf einemBlatte alle 227 Namen und über 538 Zahlen bequem Raum fanden und für noch einmal sovielNamen und Zahlen Raum freilassen.
Der Stammvater dieses livländischen Zweiges der Familie Lenz ist der aus Pommern nachLivland eingewanderte Hauslehrer Christian David Lenz (geb. den 26. (15.) XII. 1720 in Köslin,gest. den 14. (25.) VIII. 1796 in Riga als General-Superintendent von Livland). Er war zweimalverheiratet. Die erste Ehe, wie der Stammbaum im Zentrum zeigt, war fruchtbar, die zweiteEhe kinderlos. Von seinen acht Kindern der ersten Ehe (5 Söhne und 3 Töchter) waren dreiSöhne von der Vorsehung auserwählt, das Geschlecht weiter zu verpflanzen. Diese drei bildendie drei Verzweigungen des Stammbaumes, 1) nach Norden im Stammbaum die Dorpater Linieim ältesten Friedrich David Lenz, der als Oberpastor und Lektor der estnischen Sprache ander Universität zu Dorpat 1809 starb; 2) nach Süden im Stammbaum die Rigaer Linie im drittenSohne: Johann Christian v. Lenz, der als livländischer Regierungsrat 1831 starb und für seineNachkommen 1793 den Dienstadel erwarb; 3) nach Westen im Stammbaum im jüngsten Sohne:B enj am in Gottfried Lenz, gestorben als Inspektor des Siechenhauses 1809 in Reval, die Reval erLinie. Von diesen drei Linien ist die Dorpater die fruchtbarste, die Rigaer, die dem Aussterbenam nächsten stehende, während die Revaler Linie zwischen beiden die Mitte hält, und zu einergrösseren Fortpflanzungsfähigkeit die Hoffnung gibt.
Vom Stammvater im Mittelpunkt bilden seine acht Kinder bis zum nächsten Kreise, dieerste Generation. Wo sie sich verheirateten (wie die kleinen doppelten Kreise anzeigen undNachkommen haben), in ihren Kindern die zweite Generation u. s. w. bis zur sechsten Generation.Die einfachen kleinen Kreise zeigen die Verheiratung der Lenz-Töchter an, deren Deszendenz,weil fremden Stämmen angehörig, nicht hierher gehört.
Im Jahre 1894 erschien dieser Stammbaum zum ersten Male in der „Vierteljahrsschriftfür Wappen-, Siegel- und Familienkunde“ des Berliner Vereins „Herold“ (Berlin, 1894, Bd. 22.S. 30 f. herausgegeben von Prof. Dr. A. W. Hildebrandt) leider so photographisch verkleinert,dass der Stammbaum für genealogische Zwecke wissenschaftlich wertlos wurde, d. h. nur unterdem Vergrösserungsglase zu entziffern ist.
In Folge dessen habe ich hier die Arbeit von Neuem machen müssen und den Stamm-baum mit den neu hinzugekommenen genealogischen Daten ergänzt.