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Beilage. Vgl. Stammbum Nr. 103.
Johannes Woldemar ben«,
bekannt als theologischer Schriftsteller.
Auf dem Pastorate Saara in Livland wurde dem Propst Christian H. Fr. Lenz auserster Ehe mit Luise geb. Behse als zweiter Sohn Johannes Woldemar am 1. (13.) August 1855geboren. Mit 20 Jahren, nach beendetem Schulunterricht, bezog er 1875 die Universität Dorpat,um daselbst Theologie zu studieren. Nachdem er am 23. Februar 1880 die Würde eines gra-duierten Studenten erlangt hatte, wurde er am 12. März 1881 nach Einreichung seiner Kandi-datenschrift: „Zur Lehrdifferenz zwischen Paulus und Jacobus“ (abgedr. in den Mitteilungen undNachrichten über die evangel. Kirche in Russland 1884) in dem Kandidatengrade bestätigt. Balddarauf wurde er als Pastor-Diaconus an der Laurentiuskirche in Arensburg auf Oesel und als Ober-lehrer der Religion am Gymnasium daselbst angestellt. „Bereits in dieser Stadt kamen seine her-vorragenden Anlagen fürs geistliche Amt zu durchschlagender Geltung und er errang sich dortin hohem Masse die Anerkennung Vieler.“ Hier war es auch, wo er Frl. Agnes v. Rehren ken-nen und lieben lernte, mit der er sich am 8. Mai 1881 vermählte. Im Jahre darauf wurde Lenzals Prediger der deutschen und estnischen Gemeinde nach Baltisehport (Estland) berufen, was erannahm. Obgleich er sich in Baltischport am Finnischen Meerbusen körperlich verhältnismässigam wohlsten fühlte, überkam ihm doch daselbst das Gefühl der Vereinsamung und er schätzte sichglücklich, als er 1885 als zweiter Prediger an die St. Nikolaikirche nach Reval berufen wurde.
In Reval wurde er bald der beliebteste Prediger der Stadt, denn wenn er predigte, wardie grosse Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Er verstand es eben: zu erbauen, von Herzenzum Herzen zu reden, was den meisten Predigern abgeht. „Trotzdem dass er wegen seiner Kränk-lichkeit vom ersten Jahre an seine amtliche Tätigkeit nur mit monatlangen Unterbrechungen hatausüben können“, so hat er doch tiefe Spuren als Prediger und Schriftsteller hinterlassen. So inseiner kleinen Schrift: „War’s recht? Ein Beitrag zur Beurteilung der Schrift Prof. Dr. Volcks:„In wie weit ist der heiligen Schrift Irrtumslosigkeit zuzuschreiben?“ und der Schrift Pastor N.v. Nolckens „Zur Inspirationstheorie“ (Reval, 1885) und darauf „Ein Wort zum Frieden. Bei-trag zum Verständnis des neuesten theologischen Streites gerichtet an die Laien (Reval, 1885).Auch war Lenz, der letzte Lehrer der Religion an der bekannten alten deutschen Ritter- und Dom-Schule in Reval, welche Zweitälteste deutsche Schule (nach Schulpforte) leider 1892 aus Russifizie-rungsgründen geschlossen wurde*). Wie in dieser Schule, so auch im Konfirmandenunterricht schlugenihm die jungen Herzen entgegen, denn „er zog sie ebenso sehr durch sein liebevolles Eingehen inden jugendlichen Vorstellungs- und Interessenkreis an, wie durch jenen idealen Zug, der ihm eigenwar.“ — Seine Bedeutung als Schriftsteller aber erlangte er durch seine apologetischen Vorträge,die er in Reval vor einem erwählten Kreis gebildeter Zuhörer zu wohltätigen Zwecken hielt. Essind das besonders die drei Vorträge: „Lässt sich das Dasein Gottes aus der Natur be-weisen?“ (Reval, 1888); g„Der Widerspruch des Weltelendes zur Liebe Gottes imLichte der heiligen Schrift (Reval, 1889) und „Das biblische Wunder und sein Ver-hältnis zum Naturgesetz“ (Reval, 1892), welche seinen Namen in weiten Kreisen bekanntmachten. Sie legen von seinem klar denkenden Geiste redendes Zeugnis ab und wurden daher
*) Anm. Diese alte Schule ist 1906 wieder mit deutscher Unterrichtssprache eröffnet worden.
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