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Der Stammbaum der Familie Lenz in Livland, nach einem neuen System : dazu als Pendant ein Goethe-Stammbaum nach demselben System
Entstehung
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Beilage. Vgl. Nr. 47 im Stammbaum.

Robert Lens,

bekannt als Sanskritianer und Sprachforscher.

In Dorpat wurde dem Obersekretär des Rats Christian H. Fr. Lenz und seiner Ehe-gattin Luise Elisabeth, geb. Wolff als zweiter Sohn Robert am 23. Januar (4. Februar) 1808 ge-boren. Nach Absolvierung des Gymnasiums in seiner Vaterstadt, liess er sich 1824 als Studiosusder Theologie an der Universität daselbst immatrikulieren; das hielt ihn aber nicht ab, der flottenKorporationLivonia beizutreten, zu der bereits sein Bruder Emil gehörte, der ebenfalls anfangsmit heissem Bemühen, wie so viele Lenz-Söhne Theologie studierte. Aus dieser Zeit stammtsein zum Stiftungstage der Livonia am 20. September 1826 gedichtetes Burschenlied:Schon ver-kündet feierlich dem vereinten Bunde, der Pokale Glockenklang, die geweihte Stunde. DasLeben in der Korporation aber verhinderte ihn nicht, das Angenehme mit dem Nützlichen zu ver-binden, sondern er absolvierte bereits nach drei Jahren 1828 sein Studium und erhielt für seineProbepredigt:Die versöhnende Kraft des christlichen Glaubens in Ansehung der Leiden desLebens über Hebr. XII, 5, 11 (abgedruckt in der Sammlung homil. Probearbeiten des theolo-gischen Seminars. Dorpat, 1829) die silberne Medaille der Fakultät.

In demselben Jahre hatte er das Glück als Lehrer und Pensionsinspektor an der sehralten und berühmten deutschenRitter- und Domschule in Reval angestellt zu werden. Im Jahredarauf machte man ihn zum Oberlehrer. Die Schrift, die er zu diesem Zwecke den theologischenHerren zur Begutachtung einreichen musste, fanden dieselbensehr geistvoll und philosophisch,aber weil sie zuviel Hegelsche Philosophie atme, wäre sie unchristlich und müsse ihm geratenwerden, daher eine andere zu verfassen. Dieses Salomonische Urteil teilte Robert seinem BruderEmil mit, der dazu nur lächeln konnte und einem Freunde am 30. November 1829 darüber Fol-gendes schrieb:

Roberts Freunde wollen durchaus, er solle die Arbeit ins Ausland zur Beurteilung undzum Druck schicken und sich daraufhin den Doctortitel erwerben. Dumm ist die Arbeit gewiss

nicht. Robert ist an Scharfsinn unter mir, aber an Tiefsinn weit über mir . . . Darum ist

auch Robert ein viel schlechterer Mathematiker, aber ein viel besserer Philosoph als ich; ersteht überhaupt eigentlich geistig über mir, obgleich er der jüngere Bruder ist. Dieses Ur-teil des bereits berühmt gewordenen Bruders über Robert Lenz ist von hohem Wert, zeigt aberzugleich klar, wie wertlos ein auf Dogmen sich gründendes Urteil ist. Da sich nun Robert Lenzzu einer dogmatischen Arbeit ohne Ueberzeugung nicht verstand, sah er sich veranlasst, seineLehrerstelle zu Ostern 1830 aufzugeben.

Er reiste darauf zu seinen Bruder Emil nach St. Petersburg, der ihn bestärkte, ganz diesog. Wissenschaften, die auf Dogmen beharren, zu werfen, und ganz seiner Neigung alsSprachforscher nachzugehen, wo er frei forschen und dadurch auch Wertvolles zu Tage för-dern könne.

Im Frühling 1831 reiste darauf Robert Lenz nach Berlin, wo er unter des berühmten

Bopps Leitung Sanskrit studierte und in seinen Studien so gefördert wurde, dass er bereits 1832

daselbst zum Dr. promovieren konnte. Diese Doctor-Schrift:Bericht über eine im AsiatischenMuseum der k. Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg deponierte Sammlung Sanskrit-Manuskripte (St. Petersburg und Leipzig bei Voss 1833) machte sogar einiges Aufsehen. Denn