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Der Stammbaum der Familie Lenz in Livland, nach einem neuen System : dazu als Pendant ein Goethe-Stammbaum nach demselben System
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die er für die deutscheSt. Petersburger Zeitung schrieb, sind ein Konzertbericht über FrauSophie Menter im Jahre 1880.

Mit Mühe erzählt P. v. Kügelgen 1. c.hatte sich der bereits schwer bewegliche,leidend alte Mann in den Saal der Adelsversammlung geschleppt, mit unsäglicher Anstrengung inkaum leserlichen Schriftzügen brachte er seine Eindrücke zu Papier. Seit dieser Zeit war seinLeben ein langsames, schweres Sterben. Der einst so rege Geist war getrübt, der Körper, dersich bis ins hohe Alter eine seltene Genussfähigkeit erhalten, gelähmt. Tief traurig, erschütterndwar unser letztes persönliches Zusammensein mit der gebrochenen Menschenruine, die kaum nocheinen Begriff von dem ursprünglichen Wesen Lenzens geben konnte. Das Traurigste aber war,dass er im Juli 1882 als Kranker ins Asyl für Unheilbare, ins Siechenhaus zu St. Olga gebrachtwerden musste, weil er seiner gesunden Sinne nicht mehr mächtig war. Die Aerzte konsta-tiertenParalysis, aber erst am 19. (31.) Januar 1883 rief ihn ein erneuter Schlagfluss aus diesemLeben. Und am 22. Januar beerdigte man auf dem Wolkowa-Friedhof, fast mit Verheimlichungseines Todes, in allergrösster Stille einen weit über die Grenzen seines grossen Vaterlandes be-kannten Mann!

Merkwürdig! In dieser Beziehung gleicht das Schicksal desBeethoven-Lenz dem desShakespeare-Lenz, der auch fast verstohlen auf dem Friedhofe Marina Roschtscha bei Moskau1792 begraben wurde. Auf tragische Weise starben so Grossonkel und Grossneffe, weitab vonder Heimat, in den beiden Residenzen des Riesenreiches und nicht einer ihrer Angehörigen oderFreunde kennt den Ort, wo sie begraben liegen, noch wusste man 1792 in Moskau und 1883 inPetersburg, wie alt sie wurden! Merkwürdiges Zusammentreffen! Wie beimShakespeare-Lenzwar beimBeethoven-Lenz der Morgen und Mittag glänzend, vielversprechend, der Abend desLebens entsetzlich, ein tausendfacher Tod, verlassen und verkannt. Beide hatten das Glück, mitden berühmtesten Männern ihrer Zeit im persönlichen oder brieflichen Verkehr zu stehen. Beidenwurde das schöne Geschlecht überaus verhängnisvoll. Beide gehörten nicht zu den Durchschnitts-menschen, die in der Pappelallee des Althergebrachten sich am wohlsten fühlen, sondern die kühnneue Gefilde betraten, von wo aus sie originelle Schlaglichter auf Shakespeare und Beethovenwarfen, die aussergewöhnliches Aufsehen erregten.

Doch es ist hohe Zeit, dass wir unsere Skizze scliliessen. Nur sei uns noch vergönnt, dasüber Lenzens Beethoven-Werk abgegebene Urteil des berühmten Franz Liszt als den schönstenLorbeerkranz weil unvergänglich auf sein unbekanntes Grab zu legen. Franz Liszt urteiltals Komponist und Schriftsteller wie folgt:

Künstler und Kunstfreunde, Professoren und Schüler, Kritiker und Virtuosen, Kompo-nisten und Theoretiker werden alle aus dem Lenzschen Beethoven-Werk einen Gewinn ziehenund sich beteiligen an diesem Festgeschenk anziehender Anweisung, welches Herr v. Lenz ihnenbereitet hat. Wie viele sinnreiche Züge, lebhafte Eindrücke, wohlgefuhrte Seitenhiebe, neue undverständliche Ideen würde ich nicht aufzuzählen haben? Wie viel Nachdruck ohne Schwer-fälligkeit, gedrängte Kürze ohne Steifheit, scharfe und gesunde Kritik ohne Pedanterie findet manin Lenzens Aufführung der Gründe, die ihn zu seinen inneren und äusseren Beweisen führten?In diesen schneidigen, glänzenden, überlegten und abgebrochenen Styl gehen zuweilen die Be-griffe wechselweise ineinander über, wo die Gelehrsamkeit eben anfängt, die Gedankenblitzeeiner lebhaften und reichen Phantasie festzustellen. Mit der Findigkeit der scharfsinnigen Divina-tion, die dem slavischen Genie eigen ist, verbindet Lenz die Geduld eines Forschers in der gelehrtenGenauigkeit, welche den germanischen Pfadfinder, charakterisiert, und Alles gelingt ihm wunder-bar! Und was man auch sagen könnte über diese oder jene Lücke im Werke, und welchenBeethoven-Kenner man sich auch erwählt, um Herrn v. Lenz über die Verteilung des Materials