26
Beilage. Vgl. No. 20 im Stammbaum.
Johann Reinold v. Lenz,
genannt „Lenz-Kühne“ als Schauspieler und Dichter.
Unter den 16 Geschwistern des nachmaligen livländischen Regierungsrats Joh. Christianv. Lenz und seiner Ehegattin Auguste Helene, geb. v. Harmens, war Johann Reinhold der dritteSohn, der am 14. (25.) Novbr. 1778 in Pernau (Livland) geboren wurde. Seine Bildung erhielt erim Lyzeum zu Riga und im Collegium Fridericanum zu Königsberg in Preussen. Wie sein ältesterBruder Liborius (gefallen in der Schlacht bei" Preussisch-Eylau 1807 als russ. Major) trat auchReinhold auf Wunsch der Eltern 1794 mit 16 Jahren in russ. Militärdienste und wurde im Jahredarauf bereits Offizier der Chevalier-Garde. — Doch nach dem Tode der Kaiserin Katharina II.(1796) trat Lenz aus dem Militärdienst, um eine ihm angebotene vorteilhafte Stellung als Privat-sekretär bei dem vielvermögenden, neu ernannten Generaldirektor der Kanal- und Wegebautenim Reiche, dem Wirkl. Geh. Rat Grafen Joh. Jakob v. Sievers anzunehmen. Mit diesem führteL. verschiedene Amtsreisen zur Revision der Flussverbindungen in Russland aus. Unter demKaiser Paul aber zu dienen wurde immer gefährlicher und so nahm denn auch Graf Sievers wieviele andere die erste beste Gelegenheit wahr, um sich aus dem öffentlichen Leben zurückzu-ziehen. Damit verlor auch L. seinen Posten und hatte jetzt mit so manchen Wechselfällen desLebens zu kämpfen.
Auf den Liebhabertheatern hatte L. in den lustigen Offizierskreisen und auch später mit Er-folg debütiert. Von kompetenter Seite hatte man ihm schon häufig geraten, sein ausgesprochenesSchauspielertalent nicht verkümmern zu lassen und zur Bühne überzugehen. Dabei hatte er selbstvon Jugend auf eine unbezwingliche Neigung, ein Jünger Thalias zu werden. Allein der Aus-führung dieses Planes stellten sich verschiedene Hindernisse entgegen, die erst überwunden werdenmussten, denn der Schauspielerstand war damals ein wenig geachteter.
Endlich gab er dem Zuge seines Herzens nach und betrat im September 1801 unter demNamen „Kühne“ die St. Petersburger deutsche Hofbühne und zwar als Ferdinand von Walterin Schillers „Kabale und Liebe“. Direktor Mire engagierte ihn sofort, denn Publikum und Kritikwar für ihn. Fiel doch sein feines in den höheren Gesellschaftskreisen gebildetes Benehmen, seinekörperliche Gewandtheit und seine heroisch schöne Gestalt für Rollen vornehmer Personen undMilitär, die selten gute Repräsentanten finden auf und sprach für ihn.
Im Dezember 1803 verliess „Herr Kühne“ die St. Petersburger Hof bühne und reiste überRiga nach Königsberg in Pr., wo er sich von der Schuh-Steinbergschen Direktion engagierenHess. Zu den beliebten und gefeierten Mitgliedern dieser damals einer der ersten deutschenBühnen gehörte Fräulein Louise Cassini. Dieselbe war (nach Ed. Devrient) eine „der grösstenSchauspielerinnen des Lustspiels, welche die deutsche Bühne jemals besessen hat“' Mit dieser Kol-legin spielte er häufig zusammen und vermählte sich am 4. Juli 1805 in Königsberg mit ihr.
Aus dieser Ehe entspross nach zwei Jahren nur ein Sohn: Christian Alexander, der kaumzwei Monate alt wurde.
Als aber im Juni 1808 das Königsberger Theater abbrannte, löste sich die Gesellschaft aufund begab sich das Künstler-Ehepaar „Herr Kühne nebst Frau“ nach Berlin, dann Braunschweigund Lübeck, wo sie überall mit Beifall gastierten. Auf diese Weise gelangten sie 1809 nach