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Wahnsinn verfiel. Statt sich nun des Kranken in dieser Einsamkeit anzunehmen, kümmerte sichder Vater wenig um ihn und entschloss sich, die langjährige Freundin seines Hauses, die verwit-wete Frau Pastor Christine Margarethe Rulkovius geb. Eichler (1718 f 1796) zu heiraten. DieDoppelhochzeit fand präzise nach Ablauf des Traueijahrs am 4. Juni 1779 statt, wo Vater undTochter mit ihren Erwählten am Traualtar in Dorpat standen.
Bald darauf wurde David Lenz am 18. Juni 1779 zum General-Superintendenten vonLivland ernannt. Am 15. Septbr. 1779 traf er mit seiner neuen Gemahlin in Riga ein und wurdedrei Tage darauf zum General-Superintendenten von Livland in der St. Jakobi-Kirche introduziert.In dieser geistlich höchsten Stellung des Landes und als Vorsitzer des Konsistoriums ergriff er mitfester Hand seine Amtsgewalt und erliess schon im nächsten Jahre sein „Sendschreiben an diesämtlichen evangelischen Lehrer und Hirten des Herzogtums Livland“ (Riga 1780). Er verlangteunbedingten Gehorsam und es gelang ihm nach kurzem Kampfe das Feld zu behaupten. Auch führteer seinen Schwiegersohn Joh. Chr. Fr. Moritz 1780 als Rektor des Rigaer Lyzeums mit derRede: „Die Weisheit und Vorsichtigkeit eines Schullehrers, in seinem Amte zwischen zwei ver-schiedenen Abwegen die richtige Mittelstrasse zu halten“ (Riga 1780) ein, und im Jahre daraufliess er sein „Textbüchlein für Kinder und junge Leute“ (Riga 1781) erscheinen.
Am Tage der Einführung und Einweihung der neuen Rigaschen Statthalterschaft, Sonntag,den 29. Oktober 1784 hielt er in der St. Jakobi-Kirche seine Rede: „Das Wesentliche des wahrenChristentums“ (abgedruckt in Dingelstädts Nord. Causalbibl. I, 831 ff.) und besorgte selbst dieHerausgabe des lettischen Kirchen- und Schulen-Gesetzbuches (Riga 1787), fand aber wieder nichtZeit, sich um sein „Kreuz“, seinen wieder krank gewordenen Sohn Jakob zu kümmern, bis der-selbe am 23. Mai 1792 in Moskau starb und auf fremde Unkosten beerdigt wurde.
Da3 hielt ihn aber nicht ab, am 24. Juni 1792 mit grossem Pomp sein 50jähriges Jubiläumals Prediger zu feiern, wobei ihm zu Ehren eine Medaille geschlagen wurde.
Erst im späten Alter, nach dem Tode seiner zweiten Frau am 27. Februar 1796 wurdeer in seinen Gesinnungen milder und ein grosser Wohltäter der Armen, indem er fast die Hälfteseiner Einnahmen zu deren Unterstützung hergab, bis er am 14. (25.) August 1798 inRiga starb.
Er war „der hervorragendste Vertreter des Pietismus“ — um mit Julius Eckardt 1. c.zu reden — „und vielleicht der einflussreichste Theologe des alten Livland, ein von hoher undreiner Begeisterung für sein Amt und seine Lehre beseelter, bis in sein höchstes Alter uner-müdlicher Kanzelredner und höchst talentvoller theologischer Schriftsteller.“ (Vgl. über ihnC. Gadebusch, Livl. Bibi. II S. 171 ff., Reeke & Napierskys balt. Schriftsteller-Lexikon III, 39 ff.und J. Girgensohn in der Allg. Dtsch. Biographie. Leipz. 1883 S. 270 ff.)
Beilage 2. Vgl. Stammbaum Nr. 5.
Jacob Michael Reinhold
bekannt als „Shakespeare-Lenz“ und „Jugendfreund Goethes“.
Dieser Dichter und Schriftsteller der berühmten deutschen „Sturm- und Drangperiode“wurde zu Sesswegen (nicht Sesswigen) in Livland am 12. (23.) Januar 1751 (nicht 1750) als derSohn des Pfarrers daselbst geboren. Jakob (nicht Reinhold) war sein Rufname, besuchte die