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Der Stammbaum der Familie Lenz in Livland, nach einem neuen System : dazu als Pendant ein Goethe-Stammbaum nach demselben System
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tungen sind Künsteleien! Beethoven ist der erste freie Mensch unter den Musikern; er kenntkeine Künsteleien! Er ist ein Souverain! Mit Sklavenseelen hat er keine Gemeinschaft. In seinerMusik der Sphären gibt es keine Formenbalgereien, sondern nur Ideenschlachten. Kein militäri-scher Gedanke regiert sie, sondern ein philosophischer, und doch trotz aller Freiheit kehrendie Ideen zur ursprünglichen Idee in logischer Eloquenz zurück. Beethoven ist der poetischePhilosoph unter den Musikern, der seine musikalischen Gedanken von Motiv zu Motiv zu immerhöheren Ideen-Regionen führt.

Man kann bemerkt Karl Alt (in derRigaschen Ztg 1853 Nr. 100123) in seinerausführlichen Kritik dieser grossartigen Beethoven-Arbeit Benzensnicht mit grösserer Glut füreinen grossen Genius fühlen, als Herr v. Lenz für Beethoven, und er ist so glücklich, diese Ge-fühle auf den Leser übertragen zu können, mit einer Darstellungskunst, deren Geistesreichtum derHöhe und Ausdehnung seiner Empfindungen gleich kommt. Seine Sprache glänzt und erwärmt,seine Bilder sind neu und überraschend, seine Vorstellungen überzeugen, wo er überzeugen will,und er trägt seine Gedanken so fesselnd und eindringlich vor, dass die unbefangenen Laien siemit Vergnügen lesen, die wahren Musiker ihm von vornherein für Alles, was er über Beethovensagt, zustimmend und dankend die Hand drücken müssen.Aber fügt Alt hinzuerist wenig systematisch; aphoristisch in der Form der Gruppierung. Mit anderen Worten:

Lenz ist modern, rein naturalistisch in seiner Schreibweise, was damals, in den 50er Jah-ren, den meisten Menschen nochurfremder als heute vorkam. Mit einem Wort: Lenz ist keinSchablonenmensch, der seine Gedanken nach der Schachtelordnung gruppiert und dann systema-tisch an einem Faden aneinander reiht. Bei Lenz ist die Idee Alles; die Ausarbeitung steht nurim Dienste derselben, ist nur Mittel, die Ideen triumphieren zu lassen.

Wenn wir uns nun fragen: was versteht Lenz unter den drei Stylen Beethovens, so drückter sich am kürzesten darüber in seinem grossen deutschen Beethoven-Werk, Bd. HI, T. 2, S. ffaus. An den Symphonien erkennt man am deutlichsten Beethovens drei Style:Was von diesenSymphonien Beethovens abbröckelt, wird bei Beethoven zur Sonate, zum Quartett, zur Ouvertüre,diese aber nie wieder zur Symphonie, welchen Total begriff geistiger Abstufungen, diese Splitterandeuten, wie verschieden, abgeschlossen und vollkommen, ein verkleinerter, kein kleinererStyl, sie sich auch gestalten mögen. Demnach teilt Lenz die Beethovenschen SymphoniendemGeiste nach, der sie belebt, inkl. der traditionellen Autoritätsform, die diesendrei Stylenvorangeht, in folgende vier Erkennungsformen:

1) In traditionelle Symphonien der Form (1. und 2. Symphonie). Es ist die Autori-tätsperiode; er ist noch im Banne der alten musikalischen Schnürleibform.

2) In eine traditionelle Symphoniemit einer unendlichen Schwenkung in die Freiheitder Idee (4. Symphonie op. 60); d. h. das Genie tritt in den Gegensatz zum Althergebrach-ten und Geheiligten. Er durchbricht die alte Form und gelangt in die Freiheit der Idee, die ihnzu regieren anfängt. Damit gelangte Beethoven zu seinem ersten Styl; in die Periode derFreiheit der Idee!

3) ln ur freie Symphonien der Gedankenfreiheit (3., 5. bis 8. Symphonie). Mit der Not-wendigkeit der logischen Eloquenz gelangt Beethoven hier zu seinem zweiten Styl, den er mitNiemanden als sich gemein hat, da nur solche musikalische Ideen-Entwickelungen annähernd inder 4. Symphonie (vgl. 2) zu finden sind. Dieser zweite Styl ist seine Periode der Notwen-digkeit in der Folgerung der musikalischen Ideen!

4) In eine Symphonie, wo das Instrumental-Geschlecht dem Vokal-Geschlecht sich ver-mählt. Hier in seinem dritten Styl hat er sich abermals Ubertroffen. Er ist in der Periode sei-ner Selbstautorität.