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Matthieu Wielhorski, den gefeiertsten Mäcenen der Tonkunst daselbst näher bekannt zu werden,und er wurde von ihnen in ihren gastlichen Räumen gerne gesehen. Ebenso standen ihm dieHäuser der Fürsten Wolchonski, Galizyn, Lobanow nnd Sotykow zu jeder Zeit offen, wie derGrafen Nesselrode und Sölogub. Zu seinen Petersburger Freunden gehörte u. A. mich der DichterPuschkin, der Komponist Serow und der bekannte Tonkünstler der russischen NationalhymneAlexander Lwoff, denen er in seinen Essays: „Der russische Musikschriftsteller und KomponistAlex. Serow“ (in der „N. Berliner Musik-Ztg.“ 25. Jahrg. S. 161 ff.) und „La societe des con-certs fondee par Mr. le general Alex. Lwoff“ (St. P. 1854) ein schönes Blatt der Erinnerungweihte. Ueber 20 Jahre war ihm dieser Umgang eine hohe, ja die höchste Schule, in der seinHauptwerk über Beethoven vielseitig auswuchs; denn bei Wielhorskis lernte Lenz fast alle musi-kalischen Notabilitäteu kennen, die in die Residenz aus allen Weltgegendan kamen, und so wurdeLenz durch seine geistreiche und Achtung gebietende Feder in der deutschen, russischen undfranzösischen „St. Petersburger Ztg.“ bald zu einer weit über die Grenzen Russlands hinaus be-kannten Persönlichkeit.
Lenz hat uns in seinen geistreich geschriebenen „Schicksalen eines Livländers inSt. Petersburg von 1833—77,“ welche 1878 im Feuilleton der deutschen und russischen „St. Pe-tersburger Ztg.“ zugleich erschienen, das musikalische Leben und Treiben an der Newa in leb-haften Farben gezeichnet, welche Arbeit neben seinem Werke: „Die grossen Pianoforte-Virtuosenunserer Zeit: Liszt, Chopin, Tausig und Henselt aus persönlicher Bekanntschaft.“ (Berlin, 1872)und seinen Essays in der „Neuen Berliner Musik-Zeitung“ a. d. J. 1870—75 einen vorzüglichenBeitrag zur Geschichte der Musik bilden und wohl verdienten, gesammelt zu werden. Selbst vonseinen Augenblicksbildern für die St. Petersburger Tagespresse, den hingeworfenen Konzert-, Opern-und Theater-Berichten, sind einige wahre Kabinetstücke, obgleich von vielen dieser flüchtigenAugenblicks-Arbeiten das Wort gilt: „geboren, um kaum gelesen wieder zu sterben!“ — Dennochfindet man in allen seinen Berichten „mehr Geist und Esprit, als ein Dutzend Durchschnittsfeuille-tonisten zusammengenommen haben,“ bemerkt ein Kenner, der Chefredakter Paul v. Kügelgen (ins. Biographie Lenzens in der St. Petersburger Ztg. 1883 Nr. 36). Denn in „fast jedem seinermusikalischen Referate, und in jeder seiner Theaterkritiken konnte man ein neues geistvollesStreiflicht, eine originelle, selbständige Bemerkung, ein significantes, gewisse geistige Beziehunghell beleuchtendes Beispiel entnehmen: aber so ganz leicht war es nicht, diese Rosen zu pflücken.Man musste sich erst durcharbeiten durch die Domen eines Styls, der in seiner barocken Willküroft mehr an lateinische und französische Konstruktionen anklang, als dass er seine Freiheit, jaWillkür den Regeln der deutschen Syntax aufgeopfert hätte.“ Und das gilt auch zum Teil vonseiner Beethoven-Biographie, wo er französich dachte und deutsch schrieb, weil ihm sein franzö-sisch zuerst gedrucktes Beethoven-Werk vorlag.
„Nicht schreiben“ — bemerkt Lenz in seinem Werke: „Die grossen Pianoforte-Virtuosen“S. 15 — „kann man schon für ein ganz annehmbares Glück halten! Schreiben ist schwer, weilman nicht nur sprechen, sondern auch etwas sagen muss (was des Lesens und Behaltens wert ist)!Schreiben macht immer mehr Feinde als Freunde und der Erwerb dabei ist nur ein Symbol!“ —Und was die Regeln der Syntax anbelangt, so mögen sie für gewöhnliche Menschen, wie die Re-geln der Dramatik, der Musik, der Taktik u. s. w. ganz am Platze sein, für die Genies aber sinddiese Regeln sinnlos. Würden sie nach diesen Regeln gehandelt haben, hätten wir keine genialenWerke, welche eben diese Regeln mit ihrer Freiheit, resp. Willkür durchbrechen. Es gibt keinebedeutende Schriftsteller, die stylistisch gleich schreiben; selbst bis auf die Orthographie undInterpunktion herab setzen sich die Unterscheidungen fort.
Im Jahre 1842 besuchte Lenz Tirol, um sich in der Alpenwelt zu kräftigen, dann Wien