Druckschrift 
Der Stammbaum der Familie Lenz in Livland, nach einem neuen System : dazu als Pendant ein Goethe-Stammbaum nach demselben System
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

29

Die genannten Dramen wurden zu seiner Zeit auf verschiedenen Bühnen Deutschlandsund selbst in Riga mehrfach mit Beifall aufgeführt:, sind aber jetzt, wie so viele andere Dramenanderer Schriftsteller, vollständig vom Repertoir verschwunden. Warum? Ja, das ist mir nie klargeworden, denn viele von diesen Dramen sind Goldes wert, während die neue Flut der Dramenviel Spreu enthält.

Während dieser Zeit verheiratete sich Lenz-Kühne mit der Witwe Dr. Luise Unger geb.Fleck im Dezember 1823 in Hamburg, die ihm aber bereits am 6. November 1824 starb undwelche Ehe kinderlos blieb, dann am 25. November 1827 mit Frl. Caroline Schäfer, Tochter sei-nes Freundes und Kollegen in Hamburg. Mit Caroline Schäfer lebte Lenz-Kühne 20 Jahre inglücklicher Ehe. Sie schenkte ihm vier Kinder (zwei Söhne und zwei Töchter).

Von Hamburg aus liess sich Lenz-Kühne, während dieser Zeit, fast jährlich für Gastrollengewinnen und so haben fast alle grösseren Theater Deutschlands das Glück gehabt, sein Spiel zubewundern. Selbst in Riga war er 1819, 21, 22, 29, wo auch seine dritte Frau seine Verwandtenkennen lernte. Auf diese Weise kam Lenz-Kühne 1833 auch nach Dresden, wo damals der be-rühmte Dichter und sehr gefürchtete Kritiker Ludwig Tieek lebte. Es ist daher von Bedeutung,Tiecks Urteil über Lenz-Kühne kennen zu lernen, der ihn als Oberförster in IfflandsJäger be-wundern lernte und zu nachstehendem Brief elektrisierte:

Wäre ich gestern nicht in Gesellschaft einer Dame gewesen, die ich nach Hause be-gleiten musste, so hätte mich nichts abgehalten, Ihnen noch gestern auf dem Theater meinen herz-lichsten, aufrichtigsten Dank für Ihr Meisterspiel zu sagen. Empfangen Sie jetzt die Versiche-rung meiner vollkommensten Hochachtung. So war die Darstellung jener ächten deutschenSchule [Schröders!]. Sie haben mich gerührt und erschüttert, dass ich eine schlaflose Nachthatte und ich in tiefer Bewegung Sie immer noch sah und hörte. Aber Sie haben auch, ausserIhrer Kunst, diese Rolle aus vollem Herzen gegeben, Alles so wahr, rein, charakteristisch, mitHumor, und der letzte Akt gross! Ich umarme Sie dankend, Ihr wahrer, verehrender FreundLudwig Tieck.

So rauschten die Jahre dahin, doch mit den Jahren geht die Jugend und kommt das Al-ter, geht die Gesundheit und kommt die Krankheit. So war es auch hier. Eine zunehmendeSchwäche seines Sehvermögens mahnte ihn, vom Schauplatz seiner Tätigkeit abzutreten. Zwarkämpfte er seit 1842 gegen seinen Feind, den grauen Staar und als ihn endlich eine geschickteOperation des Dr. Schön in Hamburg von diesem Uebel befreite, so war er doch gezwungen, einesog.Staarbrille zu tragen. Da damit der Ausdruck des Auges und der ganze Charakter desGesichtes als Schauspieler verloren geht, so sah sich Lenz-Kühne nach 43jähriger Tätigkeit ge-nötigt, in der Rolle des Zimmermeisters Klarenbach in IfflandsAdvokaten auf immer von derBühne im April 1844 Abschied zu nehmen.

Nachdem der Vorhang am Schluss des Stückes gefallen war erzählt Meyer, seinerster Biographward der würdige Veteran von der versammelten Menge wiederholt hervor-gerufen, um ihm durch Ueberreichung einer Menge von Lorbeerkränzen zum letzten Mal einenur zu gerechte Anerkennung seiner Verdienste darzubringen. Als Stille eingetreten war, dankteLenz tief ergriffen mit herzlichen Worten für die mannichfaltigen Beweise von Nachsicht undLiebe, die ihm in Hamburg in den vielen (30) Jahren seines Wirkens so oft zu Teil geworden,und schloss mit der Bitte, dieses Wohlwollen für die Folge auch seiner Gattin zu erhalten.Darauf setzte sein Schwiegervater, der Opern-Regisseur Schäfer, ihm im Namen der Kollegen dievon ihnen geweihte Lorbeerkrone aufs Haupt und drückte ihm einen wertvollen mit passendenEmblemen und Inschriften geschmückten silbernen Pokal in die Hand. Gerührt sprach der Ge-