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feierte jetzt noch einige Worte des innigsten Dankes, und sank dann halb ohnmächtig in die Armeseiner ihn ganz mit Blumen umhüllenden Umgebung. — Wäre Lenz jetzt vom Schlage gerührt,gestorben, so wäre er auf dem Felde seines Ruhmes wie ein Held geblieben, so aber war ihmnoch ein Lebensabschnitt vom Schicksal Vorbehalten.
Pensioniert auf Lebenszeit vom Hamburger Stadttheater als eines der verdienstvollstenMitglieder, liess er sich in dem besten Einvernehmen und in der edelsten Absicht — so seltsamdas auch klingen mag — 1844 in aller Form von seiner Frau scheiden! Scheiden aus Liebe?!Ich weiss nicht, ob so etwas dagewesen ist; und dennoch ist es Tatsache! Er liess, wenn ichrecht unterrichtet bin, seiner Frau und seinen vier Kindern sein ganzes Vermögen und die Hälfteseiner Pension zurück. „Nur lasst auf heimatlichem Boden meine letzten Tage mich verbringen,“erklärte er. „Dort seid Ihr fremde Gewächse, wie ich hier, trotz alledem und alledem, je blinderich werde! Lasst den lebendig Toten und vermählt Euch mit dem Leben, so lange Euch nochdas Sonnenlicht scheint.“
Seine Gattin willigte nicht nur in seinen Vorschlag ein, sondern blieb 1845 noch Schau-spielerin und heiratete 1846 einen Gutsbesitzer Hartig auf Gross-Kussewitz (Bezirk Rostock).Dieser adoptierte ihren jüngsten Sohn Reinhold (geb. 7. Januar 1839 in Hamburg), der seitdemden Doppelnamen „von Lenz-Hartig“ führt. Seine beiden älteren Schwestern Therese und Juliewurden 1853 an zwei Kaufleute Ludwig Otto und Theodor Gayen verheiratet und der ältesteBruder Wilhelm war als Kaufmann nach Amerika gegangen, wo er 1853 in New-Orleans unver-heiratet starb.
Das Alles erlebte nicht nur der Vater, der 1844 nach Riga zu seinen Geschwistern ge-zogen war, sondern er blieb noch mit seiner geschiedenen Frau, als sie Gutsbesitzerin gewordenwar, im besten Einvernehmen und Briefwechsel. „Diese Tatsache macht alle Romane zu Schanden,die uns so was Unwahrscheinliches nicht bieten dürfen.“ Und dennoch ist es Tatsache und zeigtuns die Wahrheit, dass das Leben viel romanhafter ist als es die Dichtung uns je wahrscheinlichmachen kann.
In Riga und Dorpat hielt Lenz von Zeit zu Zeit noch zu wohltätigen Zwecken Vorträgeund starb hochbetagt, 76 Jahre alt, am 7. (19.) Februar 1854 daselbst. Die Trauer um ihn wareine allgemeine. Publikum, Presse beteiligten sich stark bei seiner am 13. (25.) Februar 1854vollzogenen Beerdigung. Ein einfaches weisses Marmorkreuz ziert seit Jahren sein Grab mit demZusatz: „seinem Vater der dankbare Sohn.“ (Es ist Herr Reinhold v. Lenz-Hartig zu Gross-Kussewitz bei Rostock.)
(Vgl. über ihn Marie Belli-Gontard: „Biographie eines berühmten Schauspielers Joh. Rein-hold von Lenz, gen. Kühne.“ Frankfurt a. M. 1879. C. G. v. Bröcker: „Joh. Reinh. v. Lenz“im Dorpater Inland 1850 No. 2. H. Meyer: „Joh. Reinh. v. Lenz-Kühne“ im „Deutschen Bühnen-Almanach“ 1846 S. 136 ff. und in „Wolffs Album fiir Freunde der Schauspielkunst 1855, J. Gir-gensohn: J. R. v. Lenz“ in der Allgemeinen Deutschen Biographie, Leipz. 1884 und P. Falck:„Joh. Reinhold v. Lenz-Kühne“ in Ersch u. Grubers Allg. Enzykl. der Wissenschaften. Leipz.1886 Bd. 43 und im Rigaer Tageblatt, Feuilleton-Beilage No. 255 u. 266 v. 1896, wieder abge-druckt in Joh. v. Eckardt: „Dekamerone des Rigaer Stadttheaters“, Riga 1897 und im Auszugevon H. Kyplce in seiner „Lenz-Chronik“, Leipzig 1904 und Joh. v. Eckardts Studie: „JohannReinhold v. Lenz, gen. Kühne in der „Düna-Zeitung“ No. 93 v. 1906.)