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Hamburg, wo sie so gefielen, dass die Direktion: Eule, Stegemann und Herzfeld, sie für dasHamburger Stadttheater engagierten. Hier verblieben sie kaum zwei Jahre, da die wankendeGesundheit der „Frau Kühne“ das Künstlerpaar zwang, ein südlicheres Klima aufzusuchen. DieHamburger sahen das Künstlerpaar ungern aus ihrer Mitte scheiden; und Ludwig Schröder, der1811 neuernannte Direktor, der das Hamburger Stadttheater zu einer Bühne allerersten Rangesbringen sollte, nahm Beiden das Versprechen ab, wieder zu kommen.
Von der gesunden Luft der schlesiger Berge Heilung hoffend, folgte das Ehepaar einemRuf nach Breslau, wo sie nach einer Reihe von Gastspielen übereinkamen, auf drei Jahre sichbinden zu lassen. Das schlesische Klima bekam der „Frau Kühne“ viel besser, doch Schröderin Hamburg mahnte nach Ablauf des Kontrakts an das gegebene Versprechen und so entschlossensie sich denn im April 1814, nach Hamburg zurückzukehren. Nach beifallreichen Gastspielen inLeipzig, Mannheim, Karlsruhe etc. trafen sie endlich im November 1814 in Hamburg ein, welchesdie zweite Heimat unseres Künstlers werden sollte. Doch der „Frau Kühne“ bekam das Ham-burger Klima durchaus nicht und die Folge war, dass sie sich am 8. Oktober 1815 auf immervon dieser Erde verabschiedete.
Seit dieser Zeit schloss sich unser Künstler intimer an L. Schröder an, dessen besterSchüler er werden sollte. Bekanntlich steht in der Theatergeschichte die berühmte „Hamburger-Schule“ im direkten Gegensatz zur „Weimarer-Schule“. Schröder als Schauspieler und Dichterging von der Natur, Goethe als Dichter und Nicht-Schauspieler von der Kunst aus. Die Naturkann man überall nur studieren, die Kunst aber überall nur erlernen. Das Erlernte wird abernicht zur Natur, sondern artet meist in Manier und Virtuosentum aus. Bei Goethe war die dar-stellende Kunst nur Dienerin der Poesie und Musik. Bei Schröder dagegen die Verkörpe-rung der Natur; ein vollständiges Aufgehen im Darzustellenden bis zur Täuschung des Erschautenund Gehörten, und diese „zweite Natur“ hat man auf alle Mitspielenden und Publikum suggeriertzu übertragen. Infolge dessen artete die „Weimarer-Schule“ in Virtuosentum aus, während die„Hamburger-Schule“ an den genialen Traditionen eines Garrick und Talma festhielt.
Da nun unser Lenz ein solcher „geborener Schauspieler“ war, so wurde nun bei ihmdieses Selbststudium der Natur zur Hauptsache. So verlangte Schröder nicht nur die Rolle züstudieren, sondern erst das ganze Drama, um die daselbst verborgenen Feinheiten zu erfassen, undso den dichterischen Geist bis zur Täuschung verkörpern zu können. Um das ganz in seinerVollendung erfassen zu können, ist es erwünscht, dass der Schauspieler zugleich Dichter ist.
Aufs Dichten aber hatte sich „Herr Kühne“ noch nicht gelegt, um jedoch zu wissen, obPoesie auch zu seiner Natur gehört, befolgte er Schröders Rat und übersetzte zuerst Sheridans„Knowles“ (Die Bücklingen), dann „Paoli“, oder Korsika und Genua. Ein romantischesSchauspiel in 3 Akten nach dem Französischen (zuerst aufgeführt in Hamburg den 18. Dezember1823); dann „Ruy Blas“, ein Schauspiel und „Stella“, oder kindliche Liebe; ein Schauspiel in5 Akten mit einem Vorspiel. Es war nach der „Stella“ v. St. Georges für die deutsche Bühnevon R. v. Lenz bearbeitet und machte mit der Musik von Louis Maurer den Weg über diedeutschen Bühnen.
Nach dieser Schulung in dem Geiste Anderer durch Uebersetzungen und Bearbeitungeneinzudringen, kam auch sein eigener poetischer Geist zum Durchbruch, z. B. in den „Schrei-wirkungen“, ein Lustpiel in einem Akt; im „Schulheiss von Brügge“, ein Schauspiel undin seiner preisgekrönten Arbeit: „Die Tochter des Gefangenen“, ein Schauspiel.
Leider wurde L. dem befruchtenden Einfluss Schröders bald entzogen, weil dessen Tod1816 ihn von dieser Erde riss, aber dennoch war dieser befruchtende Einfluss Schröders auf Lenzvon so nachhaltiger segensreicher Wirkung, dass die damaligen Hamburger Kritiker wie Töpfer,
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