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den berühmten russischen Historiker Nikolai M. Karamsin und den Reichsarchivar G. F. Müllerkennen. Durch diesen erhielt Lenz im Oktober 1782 bei dessen Schwester Frau Exter, geb.Müller, eine Stellung als Lehrer in ihrer Pensionsanstalt und wurde durch Prof. Heinrich Schwarzin die Moskauer Freimaurer-Loge „Zur Freundschaft“ aufgenommen. Eine Zeitlang wohnte Lenzmit Karamsin zusammen im Hause des berühmten russischen Schriftstellers Nekrassow, dann beidem Fürsten Jengalytschew, als er hülfloser wurde. In dem aus Ostpreussen stammenden deutschenPastor Dr. Joh. Mich. Jerzembsky gewann aber Lenz seinen besten Moskauer Freund. DurchHartknoch war Jerzembsky gebeten, mit dem Dichter die noch fehlenden „Lenziana“ für die Ge-samtausgabe durchzusehen. Das musste sehr langsam und vorsichtig geschehen, da Lenz, beson-ders von 1786 an, nicht mehr andauernd arbeiten konnte. Indessen, wäre das nicht geschehen,so hätten wir Vieles nicht, was Lenz im besseren Lichte erscheinen lässt, als z. B. der Papier-korbkram, den K. Weinhold in Lenzens „Dramatischer Nachlass“ (Frankfurt a/M. 1884) in vielenwertlosen Entwürfen an die Oeffentlichkeit zerrte. Neues hat Lenz in Moskau nur Weniges ge-schaffen, wie z. B. sein didaktisches Gedicht: „Was ist Satyre“ oder „Die neue Schätzung“ einDivertissement zum Nachspiel: „Die Christen in Abyssinien“, oder seine Studie „Ueber die Deli-katesse der Empfindungen“ (welche L. Tieck 1828 in Lenzens „Gesammelten Schriften“ veröffent-lichte), die indessen den Geist seiner früheren Jahre nicht verraten.
Man kann sagen: mit dem Jahre 1786 nahmen die geistigen Kräfte Lenzens sichtbar ab;er wurde „schwachsinnig“. Wohl hatte er von Zeit zu Zeit noch Augenblicke, wo sein alterGeist in Schlaglichtern zum Durchbruch kam, wie in dem Liede: „Ach, wäre die Moskwa dochder Rhein mit seinen Ufern voller Wein,“ doch wurden die Sonnenblicke seines Geistes von Jahrzu Jahr geringer. Zu verwundern ist es, dass er in dieser letzten Zeit noch PleschtschejewsWerk: „Uebersicht des russischen Reichs“ (Moskau und Leipzig 1787, 2. Aufl. 1790) übersetzenkonnte und dieses wertloseste Werk Lenzens ist das einzige, welches während seines Lebens zweiAuflagen nötig machte. Seine letzte Arbeit war die Uebersetzung der „Russiade“ von Chwaskow,welches Epos er seinem Freunde Boie fürs „Deutsche Museum“^ einschicken wollte. Da wurdees plötzlich Nacht in ihm und er redete irre; dennoch liess man ihn frei umhergehen, denn er tatkeinem Menschen etwas zu Leide. So irrte er „den ganzen Sommer 1789 hindurch in der Um-gebung Moskaus herum“, wie Petrow an Karamsin berichtet, um schliesslich „in einem verwil-derten Garten einzuschlafen, wo er bis aufs Hemd bestohlen wurde.“
Mit Güte konnte man Lenz leicht lenken und Hunger und Durst, ‘wie viele seiner Bio-graphen berichten, hat Lenz in Moskau nie gelitten, denn er lebte in dieser Zeit, wie seinerster Biograph Joh. Mich. Jerzembsky berichtet, „von Almosen, aber er nahm nicht von jedemWohltaten an — und wurde beleidigt, wenn man ihm unaufgefordert,,Geld oder Unterstützunganbot.“ Diese seine Moskauer Wohltäter waren Karamsin, Petrow, Fürst Jengalyschew, GrafScheremetjew und Dr. Joh. Mich. Jerzembsky, bei denen er abwechselnd wohnte.
In einer Nacht, es war in der letzten Stunde des 23. Mai (5. Juni) 1792, traf ihn aufdem Heimwege von Jerzembsky zu Scheremetjew auf offener Strasse der Schlag. Er wurde aufKosten seines Wohltäters Scheremetjew in aller Stille in Marina Roschtscha bei Moskau — wie ergewünscht hatte — beerdigt. Kein Kreuz, kein Stein gibt Kunde, wo der Dichter begraben liegt,nur die Nachtigallen kehren in jedem Frühling nach Marina Roschtscha wieder und singen demDichter „ihre alten doch ewig neuen schönen Lieder“. So ist denn auch seitdem kein Jahr bisheute vergangen, wo nicht wenigstens eine Arbeit über J. M. R. Lenz erschienen ist, da ich mitLeichtigkeit über 150 Schriftsteller namhaft machen kann, die sich mit ihm seitdem beschäftigthaben.