zurückgewiesen. Es half ihm nichts, dass der bekannte Buchhändler Hartknoch sich seineswegenan Herder wandte, um die Rigenser umzustimmen, noch dass Lenzens Vater seit dem September1779 als livländischer Generalsuperintendent in Riga wohnte und der Genenalgouverneur von Liv-und Estland, Feldmarschall Graf Browne, für den Dichter eintrat, die Vorurteile waren zu mächtig:Lenz erhielt weder die Rektorstelle am Lyzeum, noch einen anderen Posten in Riga. (Vgl. dasNähere bei Arend Buchholz: „J. H. Voss und J. M. R. Lenz auf der Wahl zum Rektor derRigaschen Domsehule“, in der Rigaschen Zeitung 1888 Nr. 93 ff.)
Nach Deutschland sich zurücksehnend, setzte Lenz auch sein aufreibend nervöses Wan-derleben in Russland fort. Von der Unruhe geplagt, man könnte auch in Petersburg, wo ihmdurch den Grafen Browne eine Anstellung als Lehrer am Kadettenkorps in Aussicht gestellt war,Vorurteile wie in Riga gefasst haben, eilte er bereits Mitte Januar 1780 nach Petersburg, verdarbsich aber durch diese Voreiligkeit gerade die Karriere. Indessen von den Akademikern Gülden-stube, Pallas und Georgi, wie vom Bibliothekar und Dichter H. L. v. Nicolay auf das freund-lichste aufgenommen, lernte er durch sie eine Menge einflussreicher Herren kennen und liess sichmit Hoffnungen trösten. So finden wir ihn im Mai 1780 in Kronstadt, um als Lehrer beimMarinekorps anzukommen, was ihm ebenfalls missglückte.
Da es Lenz an Mitteln gebrach, noch länger ohne Anstellung in der Residenz zu leben,so kehrte er im Juni aus Petersburg nach Dorpat zu seinem älteren Bruder Friedrich D. Lenz,dem Oberpastor zurück. In Dorpat sah er seine Jugendgeliebte Julie von Albedyll (geb. 1758-j- 1821) wieder, die aber von ihm nichts wissen wollte und nahm darauf eine Hauslehrerstelle beidem Kammerjunker H. v. Liphart zu Aya an, wo er bis zum September 1780 aushielt, obgleichihm diese Stelle durchaus nicht zusagte. Er eilte nach Riga, wo er seinem Freunde Hartknocheinen Teil seiner überarbeiteten Dramen und Gedichte übergab, da dieser die „GesammeltenWerke“ von Lenz herausgeben wollte. Durch Hartknoch lernte Lenz auch Heinrich Fr. Möller,Herausgeber des Journals „Für Leser und Leserinnen“ (Mitau, bei Steffenhagen) kennen. Inrascher Aufeinanderfolge wurden in diesem Journal folgende Arbeiten von Lenz gedruckt, diewenig bekannt geworden sind: „Entwurf einiger Grundsätze für die Erziehung überhaupt, beson-ders für die Erziehung des Adels“ (Dezember 1780); ferner: „Charon und Menippus oder DerArme kommt zuletzt doch ebenso weit,“ ein Dialog nach dem Lucian (Februar 1781); „Der Toddes Dido,“ ein Melodrama (April 1781); „Fragment über die Mode“ (August 1781); „Uxoremnunquam irritamini, sed monete,“ ein Roman (Juni 1781); „Merkur und Mistriss Modesh,“ einGespräch; „Elysium,“ ein Dramolet und „Die Akademie der Thiere,“ eine Fabel (November1781) etc.
Nachdem sich Lenz seit dem November 1780 bis zum Februar 1781 in Riga bei seinemVater und in Ohlershof bei seinem Freunde Joh. Fr. v. Engelhardt aufhielt und scharf an derRevision seiner Werke für Hartknoch arbeitete, erhielt er durch die Vermittelung des livländischenGeneralgouverneurs Grafen Browne die Stellung eines Privatsekretärs beim General v. Bauer inPetersburg.
Diese freudige Nachricht teilte Lenz aus Riga sofort Frau v. Stein, Goethe und Wielandmit und reiste nach Petersburg, wo er am 1. April 1781 seine neue Stellung antrat. Was dieUrsache war, warum Lenz diese Stellung wieder im August aufgab, worauf August v. Kotzebue,der Dichter von „Menschenhass und Reue“ sein unmittelbarer Nachfolger wurde, hat sich bis jetztnicht ergründen lassen.
Wir wissen nur soviel, dass er Ende August 1781 mit zwei russischen Edelleuten nachMoskau reiste und dort in den höchsten Kreisen der Gesellschaft, der Fürsten Gagarin und Wä-semski, der Grafen Scheremetjeff und von Anhalt eingeführt wurde. Ferner lernte Lenz in Moskau