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Der Stammbaum der Familie Lenz in Livland, nach einem neuen System : dazu als Pendant ein Goethe-Stammbaum nach demselben System
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wo Prof. Simon sich die grösste Mühe gab, ihn als Lehrer für das Philantropin zu gewinnen, abervergebens, darauf begab er sich über Gotha (wo er Götter besuchte) nach Weimar, woselbst eram 1. April 1776 ein traf.

In Weimar traf er seinen Freund Goethe nicht an, der mit dem Herzog nach Leipziggefahren war, aber auf der Strasse begegnete ihm Wieland, mit dem er sich nun völlig durch denpersönlichen Umgang versöhnte. Als Goethe mit dem Herzog aus Leipzig zurückkam und vonLenzens erwarteter Ankunft hörte, verlangte auch der Herzog, dass man ihm Lenz vorstelle. Dasgeschah am 4. durch Goethe, aber unglücklicher Weise verlangte auch Frau Charlotte v. Steinvon Goethe, ihr Lenz zuzuführen, was am 5. geschah, nachdem er ihr bereits eifersüchtig verletztschreiben konnte:Sie sollen was Sie wollen und wollen was Sie werden Lenz kennen lernen;d. h. Lenz hatte zum zweiten Male das Unglück, die Liebe Goethes ohne es zu wollen zukreuzen. Obgleich ihm, bei seiner verzweifelten Stimmung wegen der Waldner, nichts ferner lag,als sich zu verlieben, so wurde er doch als Mittel zum Zweck, um die eifersüchtige Liebe Goethesaufrecht zu erhalten, von der Stein missbraucht. Von Tag zu Tag stieg diese Eifersucht Goethes,besonders als Lenz im September und Oktober in Kochberg bei der Stein wohnen musste, um ihrpro forma englischen Sprachunterricht zu erteilen. Bei der Stein erfuhr nun Lenz verschiedeneHofgeschichten, die Lenz besonders in seinen SatirenTantalus undOlympias Götter (d. h.die Götter Weimars) geistreich beleuchtete. Die letztere Satire war etwas pasquillartig und wurdevon Goethe am 26. November alsEselei bezeichnet. Indessen ist auf diese Bezeichnung keingrosser Wert zu legen, da Goethe am 21. Mai in Tiefurt dieselbe Bezeichnung gebrauchte, alsLenz das Feuerwerk zu früh abbrannte. Allein Lenzens Mass war bei Goethe voll und es kamam 28. Novbr. zum unheilbaren Bruch. Lenz musste Weimar verlassen, obgleich der ganze Hoffür Lenz war, doch Goethe setzte sein ausschlaggebendesentweder Lenz oder ich ein und da-mit war die Sache zu Ungunsten Lenzens erledigt. Nachzutragen ist nur, dass aus dieser Wei-marer-Berka-Kochberger Zeit Lenzens, sein merkwürdiger RomanDer Waldbruder stammt,welcher mit der Forderung Rothes (Goethe) an Herz (Lenz) endet, wobei der letztere fällt. (Eswurde zuerst nach Lenzens Tode von Goethe 1797 in SchillersHoren abgedruckt, doch ohneden Schluss.) Zu nennen ist ausserdem aus dieser Zeit Lenzens SchauspielDie Laube und dasTrauerspielKatharina von Siena, welches Schlosser erhielt, aber sich nur fragmentarisch erhaltenhat. Von Wert sind aus dieser Zeit Lenzens Gedichte auf die Stein und Goethe, weniger gut,die auf die Herzogin Anna Amalie, Herzogin Louise und deren Schwester, die Grossfürstin NatalieAlexiewna und Wieland.

Mit diesem Bruche vom 28. Novbr. 1776 in Weimar aber geht nicht nur durch Lenzens,sondern auch durch Goethes Leben ein tiefer Riss; beginnt für beide Dichter, die hier aufhörenFreunde zu sein, ein ganz neues Leben, welches Lenz auf der Stufenleiter des Dichterruhmesrapid abwärts trieb, Goethe dagegen, namentlich durch die spätere Schillerfreundschaft, als Dichteremporhob. Trotzdem liegt der Schwerpunkt Goethes seit 1777 mehr auf seiner Bedeutungals Naturforscher wie als Dichter, wie er selbst zu Eckermann nach Schillers Tode 1805 wieder-holt sagte:Auf Alles, was ich als Dichter geleistet, bilde ich mir gar nichts ein. Es habentreffliche Dichter (wie Schiller) mit mir gelebt. Es lebten noch trefflichere (wie Shakespeare) vormir. Es werden ihr er noch nach mir sein. Dass ich aber in meinem Jahrhundert in der schwie-rigen Wissenschaft der Farbenlehre der Einzige bin, der das Rechte weiss (das Licht kommtnicht von aussen, sondern von innen zu uns, denn was hilft den Farbenblinden das Licht vonaussen, wenn er das wahre innere Licht nicht hat?), darauf tue ich mir etwas zu Gute, undich habe hier das Bewusstsein der Superiorität über Viele! (Vgl. das Nähere über diesevielfach bestrittene Farbenlehre Goethes in Joh. Karl BährsVorträge über Newtons und Goethes