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Satiren damals ungedruckt; statt dessen erschien, da viele Zeitgenossen das Manuskript „dieWolken“ gelesen hatten, seine „Vertheidigung Wielands gegen die Wolken, vom Verfasser derWolken“ (Lemgo 1776, von Neuem abgedruckt, Berlin 1902 von Erich Schmidt) womit Lenz dieStreitaxt niederlegte und mit Wieland wenigstens durch Goethes Vermittelung Frieden schloss.
Fast fieberhaft ist Lenzens schriftstellerische Tätigkeit in dieser Zeit zu nennen, denn ausserdiesen Satiren entstanden noch zwei andere: „Matz Höcker“ (Zürich 1776) und „Nielk“ (d. h.Klein); sodann die Dramen: „Die Soldaten“ (Leipzig 1776 durch Herder), „Die Freunde“ (Lemgo1776 durch Boie), „Die beiden Alten“ (Zürich 1776 durch Kayser, Vorbild von Schillers „Räuber“der alte Moor und Hermann), „Der Engländer“ (Leipzig 1777 durch Zimmermann).
Man kann sagen: die Jahre 1774/75 waren die produktivsten im Leben des Dichters, be-sonders das letztere Jahr, wo er durch seine Freundin Luise König das bildschöne EdelfräuleinHenriette v. Waldner kennen lernte. Ohne den Abstand ihres Reichtums und seiner Armut zubedenken und ohne zu ahnen, dass sie die stillverlobte Braut des von Lenz bereits in Leipzigkennen gelernten Barons Siegfried von Oberkirch war, entbrannte in ihm die Liebesschwärmereizu dieser Feengestalt, ohne selbstredend auf Gegenliebe stossen zu können. Die schliessliche Ent-deckung, dass sie die Verlobte eines reichen Flachkopfs war, zerrüttete das Nerensystem des armenDichters gewaltig. Indessen verdanken wir dieser Liebesschwärmerei, wegen ihrer Reinheit, diefast platonisch zu nennen ist, die edelsten Blüte nseiner lyrischen Muse. Es war eben eine Schwär-merei, wie sie nur in der Jugend möglich ist. (Vgl. das Nähere darüber bei J. Froitzheim: „Lenzund Goethe“, Stuttgart 1891, wo auch das Portrait der Waldner zu finden ist.)
Mit welchem Hochdruck der arme Dichter damals arbeitete, davon legen eine Unmassevon Entwürfen und vollendete Arbeiten redendes Zeugnis ab. Wir erwähnen hier nur die Dramen:„Die Algier oder Seeräuber“ (nach Plautus’ Captivi, welche Götter erhielt und herausgeben wollte),dann den „Coriolen“ (nach Shakespeare, welchen Herder erhielt). Ferner erhielt Boie seine No-velle: „Zerbin“ (abgedruckt in dessen „Deutschen Museum“ 1776); Schlosser, Goethes Schwager,seine „Selbstrezension des Neuen Menoze“ und „Ueber Herders Philosophie der Geschichte“ (beideabgedruckt in den „Frankf. geh Anz.“ 1776) und dabei fand er noch Zeit, in der StrassburgerSozietät Reden „Ueber die Natur des Geistes“, „Ueber das erste Principium der Moral“, „Ueberdas Studium der Theologie“ u. s. w. zu halten. Noch mehr, er gründete eine neue Vereinigungunter dem Namen „Deutsche Gesellschaft“ im Oktober 1775 in Strassburg, in der er als Sekretärderselben seine Vorträge: „Ueber die Vorzüge der deutschen Sprache“, „Ueber die Bearbeitungder deutschen Sprache im Eisass“, und vor allem seinen Vortrag „Ueber die Veränderung desTheaters im Shakespeare“ hielt. (Vgl. über diese Zeit J. Froitzheim: „Zur Sturm- und Drang-periode Strassburgs“. Strassburg 1888.)
Als Lenz im März 1776 Strassburg verliess, war fiir sein überarbeitetes Hirn und seinezerrütteten Nerven Ruhe und Erholung die einzige Möglichkeit, um seinen Geist vor dem sicherenUntergange zu retten, statt dessen wollte es sein Schicksal, dass er gewaltigen Aufregungen ent-gegen gehen sollte. In Mannheim im Antiken Kabinet mit seinem Freunde, Maler und DichterFr. Müller schwärmend, wie er von dort an Goethe schrieb, begab er sich nach Darmstadt, woihn sein Freund Merck mit Freuden aufnahm und es sich nicht nehmen liess, ihn nach Frank-furt a/M. zu begleiten. Vor der Stadt, von Klinger und Schleiermacher in der Werther-Uniformhoch zu Rosse eingeholt, zog Lenz im Triumph in die alte Reichstadt ein und stieg in GoethesElternhause ab. Doch kaum hatte er die Stadt verlassen, da erhielt er „einige Stunden hinterFrankfurt“ die Nachricht, weiche ihn zermalmte: Henriette von Waldners Verheiratung mit demFlachkopf Oberkirch wäre eine vollendete Tatsache geworden, was er fiir unmöglich hielt. Ereilte, nachdem er einen verzweifelten Brief wegen der Waldner an Lavater schickte, nach Dessau,
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