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lateinische Schule in Dorpat von 1759—68, wohin sein Vater Christian David, der nachmaligelivländische General - Superintendent als Pastor primarius der St. Johannis - Gemeinde berufenworden war. Der aufgeweckte Jüngling dichtete bereits als Primaner 1766 seine Epen: „DerVersöhnungstod Jesu“ und „Das Begräbnis Christi“ nach dem Muster Klopstocks, wie seine „Land-plagen“ nach Youngs, „Nachtgedanken“, sowie das Schauspiel „Der verwundete Bräutigam“ imLessingschen Sinne, welche sich erhalten haben und gedruckt vorhanden sind. (Vgl. Uber dieseJugendperiode P. Falck, „Lenz in Livland“. Winterthur 1878.)
Im September 1768 bezog Lenz mit seinem jüngeren Bruder Christian die UniversitätKönigsberg in Pr., wo er bis Anfang 1771 weniger Theologie — das ihm vom Vater bestimmteStudienfach — als Poetik und Philosophie studierte. Hier gab er seine „Landplagen“ (Königsberg1769) mit der „Ode auf die Kaiserin Katharina II.“ heraus und liess seine „Ode auf ImanuelKant“, als derselbe die Professur erlangte (Königsberg 1770), drucken. Auch übersetzte er jetztviel aus dem Englischen, namentlich Shakespeare, dessen Geist ihn bereits in Livland erfasst hatte.Hier entstanden auch — seit seiner Bekanntschaft mit Hamann, dem Philosophen der Sturm- undDrangperiode — seine Ideen zu einer Dramaturgie Shakespeares. Auch vollendete er in Königs-berg seine Uebersetzung von Shakespeares „Love’s labour’s lost“ (Liebes Leid u. Lust) und dichteteim Shakespeareschen Sinne sein Drama „Der Hofmeister“ (Leipzig 1774 in der 8. Bearbeitunggedruckt.) (Vgl. über diese Studienzeit R. Reike: „Lenz in Königsberg und sein Gedicht aufKant“. Königsberg 1867.)
Mit diesen Manuskripten begab sich Lenz statt zur Heimat über Berlin als Gesellschafter undDolmetscher (nicht Mentor oder Hofmeister) seiner Studiengenossen Friedrich und Ernst von Kleist(wo er Ramler und Fr. Nicolai) und Leipzig (wo er Baron Siegfried v. Oberkirch und seinenLandsmann Baron Otto Ernst v. Vietinghoff-Scheel, die in seinem Leben eine Rolle spielen,kennen lernte) nach Strassburg. Hier langten sie Ende März 1771 an und wurde Lenz als Mit-tagsgast der Jungfrau Lauth durch Joh. Mich. Ott (den nachmaligen Sekretär im auswärtigenMinisterium in St. Petersburg) mit Goethe, Salzmann, Jung-Stilling und den übrigen Mitgliedernder Strassburger Sozietät bekannt. Vor diesem Auditorium hielt Lenz nun im April 1771 seine„Vier Vorträge gegen die Trinitätslehre Aristoteles, als Beiträge zur Dramaturgie Shakespeares’,welche leider total verstümmelt als „Anmerkungen übers Theater“ (Leipzig 1774) im Druck er-schienen. Durch diese Vorträge wurde Lenz der gefeiertste Mann in der Sozietät, denn er hatteeine neue Welt— eine Dramaturgie Shakespares (wie nach ihm Chamberlain eine DramaturgieRieh. Wagners) entdeckt, welche den alten Codex des Aristoteles, auf den noch ein Lessingschwur, über den Haufen warf. (Hielt jedoch Lessing de facto an der Einheit des Orts, der Zeit,der Handlung und der Mitwirkung des Chors fest?) Nach dieser revolutionären, aber zugleichreformatorischen Tat redete man erst von den „Kraftgenies Strassburgs“, ward erst die Sturm-und Drangperiode der deutschen Litteratur geboren und erwartete man „Wunderdinge“ von Lenz,wie Fr. Nicolai („Archiv der Zeit und ihres Geschmacks“ 1796 S. 270) berichtet. Auch liessdie Strassburger Sozietät es sich nicht nehmen, dafür Lenz zu ihrem ersten „Ehrenmitglied“ zuerheben. Selbst Goethe pries Lenz als den besten Kenner Shakespeares unter den Strassburgemund lobte sein, schönes Rednertalent in seiner Autobiographie.
Bald nach Goethes Abgänge aus Strassburg im August 1771 verliess auch Lenz die Stadt,um als Dolmetscher dem jüngeren Kleist zur Seite zu stehen, der eine Offizierstelle in einem fran-zösischen Regimente erhalten hatte, welches in der Rheinfestung Fort-Louis stationiert wurde. Vonhier aus machte Lenz um Ostern 1772 die Bekanntschaft des Pfarrers Brion im benachbartenSesenheim. Leider wurde für Lenz dieser Verkehr im Sesenheimer Pfarrhause verhängnisvoll.Er erfuhr nämlich von Friederike, des Pfarrers Tochter, eine ihm unglaubliche Geschichte seines
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