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seiner Auslegung Goldes wert sei. In diesem Sinne wenigstens wollte er seine „EvangelischeBuss- und Gnadenstimme in 13 erwecklichen Busspredigten“ (Königsberg und Leipzig1756) aufgefasst wissen. Diese, wie sein „Amor meus crueifixus. Kurze Betrachtungen und Ge-bete über das Leiden und Sterben Jesu Christi“ (Königsberg 1756) „atmen“ nach seinem Urgross-enkel Julius Eckardt (Livland im 18. Jahrhundert I, 819) „dasselbe leidenschaftliche Feuer,welches auch durch die Werke des Dichters geht.“ — Der Pfarrer wurde 1757 Propst des zweitenWendenschen Kreises.
Nach Höherem strebend kam ihm seine Berufung als deutscher Prediger an der St. Jo-hannis-Gemeinde in Dorpat 1758 sehr gelegen. Nachdem er seinen Nachfolger Pastor Kleinhempelaus Sunzeln am 14. Febr. 1759 in Sesswegen introduziert hatte, trat er mit seiner bereits 5Kinder starken Familie die Reise nach Dorpat an, wo er am 25. Februar 1759 eintraf.
Es sollten ihm aber in Dorpat keine Lorbeeren blühen, denn bald verwickelte sich DavidLenz in Streitigkeiten mit seinen Amtsbrüdem Lange und Reichenberg, welche sich gegenseitigmit „lieblosen Katechismuspredigten“ von der Kanzel herab angriffen. Das tat aber trotzdemseinem Ruf als Kanzelredner und Schriftsteller keinen Abbruch. Seine neue Stellung brachte esferner mit sich, zugleich Beisitzer des Stadtkonsistoriums und Inspektor der Stadtschulen zu sein.Als solcher geriet er wieder mit dem bekannten baltischen Historiker, dem Bürgermeister ConradGadebusch und verschiedenen Ratsherren Dorpats in Fehde. Trotzdem hielt David Lenz nichtnur 20 Jahre in Dorpat aus, sondern verlebte hier auch recht angenehme Tage. Auch predigte erin der ersten Zeit an jedem Mittwoch bei der Witwe des Oberhofmeisters und Geh. Rats AnnaElisabeth Freiherrin Münnich, geb. v. Witzendorf in Lunia bei Dorpat und hielt ihr, als sie am25. Oktbr. 1761 in Dorpat starb, auch die Trauerrede, welche er in Riga 1761 (32 Seiten stark)drucken Hess.
In Dorpat erzog David Lenz alle seine Kinder, bis auf den ältesten Friedrich, der aufKosten des Generalmajors v. Berg, von Sesswegen aus, in das Königsberger Collegium Fridricanumkam. In Dorpat verheiratete der Oberpastor Lenz nicht nur seine drei Töchter, sondern begingauch feierlich seine silberne Hochzeit 1769. Auch erlebte er hier, dass sein 16jähriger SohnJacob als Dichter 1766 und 1767 gefeiert wurde und sogar von dem Pastor Theodor Oldekopin den „Rigaer Gelehrten Anzeigen“ als ein „seltenes Genie“ gekennzeichnet wurde. Freilich,ein Genie sollte Jacob später werden, aber ein Genie der Aufklärung, welche Genies sein Vatersein Leben lang bekämpfte und so ist es nicht zu verwundern, dass er des Vaters „Crux“ wurde,namentlich als im Juni 1778 in Dorpat des Dichters Mutter starb.
In dieser Dorpater Zeit Hess der Oberpastor David Lenz noch viele seiner Werke drucken.So eine Karfreitagspredigt (Königsberg 1763); dann eine „Rede, in der umständliche Nachrichtvon der Allerhöchsten Reise der Kaiserin Katharina II. in Livland“ (Riga 1764) gegeben wirddie damals auch Dorpat besuchte. Selbst sein Lettisch hatte er in diesem estnischen Teil Liv-lands nicht vergessen und Hess ein lettisches Erbauungsbuch „Spreddiku Grahmata“ (Riga 1764)in 2 starken Bänden von 3882 Seiten erscheinen. Dann ein „Kurzer Inbegriff der christlichenGlaubenslehre für Kinder und junge Leute“ (Königsberg 1769), welche die Konfirmation besuchen,wie eine „Standrede bei der Leiche des Bürgermeisters Joh. Heinrich Paucker“ (Reval 1775) undendlich eine Predigt „Die überschwengliche Erkenntnis der Herrlichkeit Jesu Christi unseres Herrn“(Königsberg 1777).
Nach dem Tode seiner ersten Frau, mit der er 34 Jahre Freud und Leid geteilt hatte,fühlte er sich vereinsamt, besonders als seine jüngste Tochter Eleonore sich im Dezember 1778mit dem jungen Pastor Karl Emanuel Pegau zu Sissegal (einem Studiengenossen ihres BrudersJakob in Königsberg 1768—71) verlobte. Das war um dieselbe Zeit als ihr Bruder Jakob in