Druckschrift 
Der Stammbaum der Familie Lenz in Livland, nach einem neuen System : dazu als Pendant ein Goethe-Stammbaum nach demselben System
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6

Rang von Stufe zu Stufe, erwarb sich am 20. Januar 1798 den Dienstadel als Coli. Ass und starbden 80. März (11. April) 1831 in Riga als livländischer Regierungsrat und hoher Orden Ritter.(Vgl. Dr. K. L. Garve: Joh. Christian v. Lenz. Ein Familienblatt. Riga 1831. 15 S. 8°. und

Rigaer Stadtblätter 1831 S. 149 f., wieder abgedruckt in J. FrobensRigasche Biographien.Riga 1883 II, 16 f.)

Der Stammhalter der Reval er Linie endlich ist Benjamin Gottfried Lenz, geb. den 14.(25.) August 1761 in Dorpat. Er besuchte die lateinische Schule daselbst und zeigte grosse Fä-higkeiten für Musik, die leider als brotlos unterdrückt wurden und musste sich auf Wunsch desVaters dem Handelsstande widmen. So kam er 1778 nach Reval in die Lehre des KaufmannsJoh. Fr. Jürgens und eröffnete schliesslich 1785 selbst ein kleines Geschäft. Als solcher heirateteer am 5. (16.) Februar 1787 in Reval Frl. Johanna Dorothea Krug, Tochter eines Stabsarztes,die ihm 4 Kinder im Verlauf der Ehe schenkte. Im Jahre 1797 gab er seine Handlung auf undstarb am 13. (25.) Oktober 1809 als Inspektor des Stadt-Siechenhauses und Kirchenältester derSt. Nikolaikirche in Reval. (Vgl. über ihn C. Gadebusch, Livl. Bibi. 1777, II, 178 und Dr.A. Buchholtz: Genealogie balt. Familien. Mskpt. der Rigaer Stadtbibliothek etc.)

Es ist nun merkwürdig, dass mehr oder weniger deren Kinder und Kindeskinder etc. indemselben Geiste wie ihre Stammhalter sich bewegen. Denn die meisten Theologen weist dieDorpater Linie, wie die meisten Juristen die Rigar Linie und die meisten Kaufleute die Re-valer Linie auf. Dabei weist die Dorpater Linie die scheinbar schwächlichsten Gestalten aberzähesten Naturen auf, wie schon die Fruchtbarkeit bei 74 Mitgliedern 32 Verheiratete zeigt. Da-gegen weist die Rigaer Linie wohl die kräftigsten und schönsten Gestalten auf, doch was dieFruchtbarkeit anbelangt, trotz grossartigen Anlaufs, eine auffallende Schwäche bei 36 Mitgliedernnur 14 Verheiratete. Zwischen 1 beiden Linien nach Gestalt und Fruchtbarkeit steht die Re-valer Linie, welche bei 34 Mitgliedern 16 Verheiratete aufweist, d. h. die beiden letzten Linienzusammen, sind noch nicht so stark wie die erste. (74 gegen 70 Mitglieder und 32 gegen 30Verheiratete.)

Als vierten Stammhalter hätten wir hier noch kurz Karl Heinrich Gottlob Lenz zu nennen,obgleich er seine Deszendenz selbst überlebte. Derselbe wurde den 11. (22.) Septbr. 1759 aufdem Pastorat Sesswegen geboren, besuchte die lateinische Schule in Dorpat, dann die Hochschulenvon Helmstädt und Jena 177779, wo er die Rechte studierte. Von Jena reiste er über Weimar,Emmendingen, Strassburg nach Hertingen bei Basel, von wo er im Juni 1777 mit seinem er-krankten älteren Bruder, dem Dichter Jakob Michael Reinhold die Heimreise über Lübeck nachRiga antrat. (Sein für die Biographie des Dichters wertvoller Bericht über diese Reise wurde inderBaltischen Monatsschrift erst 1899 S. 276 ff. abgedruckt.) In der Heimat wurde er zuerstHauslehrer und trat 1783 in den Staatsdienst, wo er von Stufe zu Stufe stieg und sich 1793 wiesein Bruder Christian den Dienstadel als Coli. Ass. erwarb. Im Jahre 1797 wurde er zum Ober-fiskal ernannt und nahm 1826 als Kollegienrat seinen Abschied, wurde pensioniert und heirateteseine langjährige Hauswirtin Frau Julie Walter, geb. Lange den 2. Febr. 1830 im 73. Lebens-jahre, die ihm ein Kind (Karl, geb. und gest. 1830) schenkte. Darauf zog er mit seiner Fraunach St. Petersburg, wo er 79 Jahre alt am 20. Oktober (1. Novbr.) 1836 starb. (Vgl. über ihnC. Gadebusch, Livl. Bibliothek 1777, II, 178 und Rigaer Stadtblätter 1826 S. 52 etc.)

In dieser Art Hessen sich mit Leichtigkeit noch viele kurze Lebensbeschreibungen deslivländischen Zweiges der Familie Lenz wiedergeben, um schliesslich in die Monotonie des lachendenPhilosophen C. J. Weber auszuklingen:Der Mensch hat nur drei merkwürdige Tage, so merk-würdig, dass die Mehrzahl nichts Merkwürdigeres aufzuweisen hat, als: Geburt, Hochzeit undTod. Am Geburts- und Todestag wissen wir am wenigsten von uns, desto mehr am Hochzeits-