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Der Stammbaum der Familie Lenz in Livland, nach einem neuen System : dazu als Pendant ein Goethe-Stammbaum nach demselben System
Entstehung
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Verflossen waren 1894 seit der ersten Verheiratung des Stammvaters im Jahre 1744 ge-rade 150 Jahre und der Stammbaum wies nach genauer Zählung für diese lange Zeit nur 150Lenz-Söhne und Töchter auf; d. h. im Durchschnitt ist nur ein Zuwachs von einem Lenz-Gliedepro anno zu nennen, fällt auf. Man sollte nun glauben, dass in diesen 10 Jahren bis 1904 die 7verheirateten lebenden Lenz-Söhne, den Stamm wenigstens in derselben Progression weiter fort-gepflanzt hätten; das ist aber nicht der Fall. Die Vermehrung weist nur einen Sprössling inVera v. Lenz (geb. 1901) in der sechsten Generation in 10 Jahren auf. Der Stamm hat somitetwas Greisenhaftes angenommen, d. h. ist dem Aussterben näher als dem Weiterblühen. Solltedie Fortpflanzung des Geschlechts in derselben fruchtlosen Vermehrung weiblicher tauben Blütenaufgehen, so wird man bald diesen Stammbaum zu einer vollständigen Insel umformen können,wie die letzten 10 Ausläufer andeuten, welche noch nicht die von den Wellen des Todes gezogeneKonturen zeigen.

Alle Nachkommen des General-Superintendenten Cbr. David Lenz treten in diesem Stamm-baum übersichtlich in ihren Verwandtschaftsgraden zu einander in Erscheinung. In der erstenGeneration als Geschwister und Kinder des General-Superintendenten. In der zweiten als Ge-schwisterkinder, Neffen und Nichten und Grosskinder des General-Superintendenten u. s. w.

Die sechs Generationen scheiden sich so übersichtlich scharf von einander, um Onkel oderTante, Neffe oder Nichte, Grossvater und Grossmutter, Urgrossvater etc. leicht zu erkennen, d. h.die im gleichen Verwandtschaftsgrade zu dem Stammvater Stehenden, befinden sich alle im gleichenGenerationskreise. Zu welchen interessanten genealogisch-statistischen Berechnungen dieser Stamm-baum Veranlassung gibt, werden wir im zweiten Abschnitt, bei der Betrachtung der vier Tabellender verheirateten und unverheirateten Lenz-Söhne und Lenz-Töchter Gelegenheit haben zu zeigen.

Hier haben wir nur die Lenz-Mitglieder einer kurzen historischen Betrachtung zu unter-werfen, welche dem livländischen Zweige einen besonderen Charakter geben. Dazu gehören dieStammhalter der drei Linien.

Die Dorpater Linie hat zum Stammhalter Friedrich David Lenz, geb. den 9. (20.)Septbr. 1745 auf dem Pastorat Serben in Livland. Er besuchte mit dem 12. Jahre das CollegiumFridricanum in Königsberg, dann die Universität daselbst, um Theologie zu studieren. Als Kan-didat kam er 1764 zur Heimat zurück, wurde Hauslehrer in Reval, 1767 Pfarrer zu Tarwastund heiratete am 24. Januar 1768 Frl. Christine Margarethe Kellner, Tochter des Stadt-Supe-rintendenten zu St. Olai in Reval, die ihm im Verlauf der Ehe 9 Kinder schenkte- Im Jahre1779 wurde er Nachfolger seines Vaters in Dorpat, d. h. zum Oberpastor der St. Johannis-Ge-meinde erwählt und 1781 zum Assessor des Dorpater Stadt-Konsistoriums und zum Inspektor derStadtschulen ernannt. Als am 21. April 1802 die neugegründete Universität Dorpat eröffnetwurde, hielt er die geistliche Weihrede und wurde 1803 erster Lektor der estnischen und finni-schen Sprache bei der Universität. Er hat viele, besonders theologische, Schriften drucken lassen,die zu seiner Zeit viele Leser fanden und starb den 4. (16.) Dezember 1809 in Dorpat. (Vgl.über ihn Reeke und Napierskys balt. Schriftsteller-Lexikon III, 43 ff.)

Der Stammhalter der Rigaer Linie ist Johann Christian Lenz, geb. den 28. August(8. Septbr.) 1752 auf dem Pastorat Sesswegen in Livland. Er besuchte die lateinische Schule inDorpat, dann die Universität Königsberg seit 1768, um die Rechte zu studieren, kam 1771 alsKandidat jur. zur Heimat zurück, wurde Hauslehrer bei einer Familie von Sivers zu Euseküllin Livland, dann 1772 Stadt-Sekretär in Arensburg auf Oesel, 1774 Notar in Pernau. Daselbstverheirate er sich am 28. August 1774 mit Frl. Auguste v. Harmens, Tochter eines Obrist, dieihm im Verlauf der Jahre 16 Kinder schenkte. Im Jahre 1784 wurde er zum Sekretär der liv-ländischen Gouvernements-Regierung ernannt und stieg während der Rigaer Statthalterschaft im