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tage.“ Darin liegt eine tiefe Wahrheit und lehrt uns nicht in den Fehler der Chronisten zu ver-fallen, sondern Mass zu halten. Obgleich hierher auch die Biographie des General-Superinten-denten Chr. David Lenz und des letzten Theologen dieses Stammes Johannes Woldemar Lenzgehört, haben wir sie doch in den dritten biographisch-kritischen Abschnitt dieser Arbeit aufge-nommen, damit auch der Laie den grossen Unterschied erkennen lerne: was nur von provinzial-lokalem und allgemein literar-historischem Werte ist.
Zu diesen historischen Persönlichkeiten gehört die Biographie des „Shakespeare-Lenz“ und„Jugendfreundes Goethes“ Jakob Michael Reinhold Lenz und des als „Lenz-Kühne“ bekanntenSchauspielers und Dichters Johann Reinhold v. Lenz, wie des Entdeckers des Induktionsgesetzes“und Weltumseglers Heinrich Friedrich Emil Lenz und des Sanskritforschers Robert Lenz, wiedes als „Beethoven-Lenz“ und Kritiker bekannten Christian Wilhelm v. Lenz und des als Phy-siker und Forscher bekannten Robert v. Lenz. Sie geben dem livländischen Zweige der FamilieLenz den seltenen Glorienschein zu sechs weit über die Grenzen ihrer engen Heimat bekanntenTrägem ihres Namens mit Stolz empor zu blicken.
Zu sechs mit Lorbeer bedeckten Namen eines Geschlechts emporblicken zu dürfen, istjedoch sehr wenigen Familien vergönnt, wo — wie das nun einmal Regel ist — Mittelgut, wenn’sGlück gut ist, das bessere Los der meisten Geschlechter ist. Auch dazu gibt der livländischeZweig der Familie Lenz in der Revaler Linie den Beleg. Sie waren alle gute Menschen, dieihren Platz ehrlich und arbeitsam ausfüllten, aber Hervorragendes hat keiner von ihnen wie diegenannten sechs geleistet.
Andererseits aber tritt an die noch lebenden ledigen 7 Lenz-Söhne dieses livländischenZweiges die ernste genealogisch-historische Frage heran: ob sie durch Vermählung die historischmögliche Geschlechtsdauer noch weiter aufrecht erhalten wollen oder nicht? Denn erst mit derVermählung lernt man erkennen, warum man lebt, und warum man nicht, wenn man Nach-kommen besitzt, für die man zu sorgen hat, durch einen anderen Menschen leicht ersetzt werdenkann. Ersetzbar aber ist jeder alte Junggesell wie alte Jungfrau, ein Vater oder eine Mutterjedoch nicht. Ja, die Existenzberechtigung dieser Ledigen wird sogar zum Verbrechen an ihremGeschlecht, wenn sie aus Wohlhabenheit oder Reichtum die Ehe verschmähen, von denen derDichter Fr. Halm bemerkt:
„Kein Haus, keine Heimat, kein Weib und kein Kind,
So wirble ich, ein Strohhalm in Wetter und Wind!
Well’ auf und Well’ nieder, bald dort und bald hier;
Welt fragst du nach mir nicht, was frag’ ich nach dir!“
Genealogisch aber kümmert sich die Welt nur um die, welche das Geschlecht fort-pflanzen und historisch nur um die Menschen, welche der Welt durch ihre Werke Nutzen schaffen;d. h. die in ihren Werken noch unter uns leben, obgleich sie tot sind. Da der livländische Zweigder Familie Lenz die Ehre hat, zu sechs weit über die Grenzen ihrer engen Heimat bekanntenMännern emporzublicken, so wird der biographisch-kritische dritte Teil dieser Arbeit allgemeinesInteresse beanspruchen dürfen, und nur ihnen zu Liebe, habe ich mich zu dieser vorliegendenArbeit verstanden, und viel Zeit und Geld, Mühe und Arbeit geopfert.