Druckschrift 
2 (1835) Beschreibende Astronomie oder Topographie des Himmels : mit der Darstellung von Sternbildern auf drei Stahlstichen, einer Sternkarte, einer Mondkarte und 23 astronomischen Figuren auf 3 Tafeln
Entstehung
Seite
327
Einzelbild herunterladen
 

Doppelsterne.

527

Es ist kein Zweifel, daß wir bald noch mehrere Doppelsteruekeimen lernen werden, deren I'mlaufszeit wir nickt angehen können,da es erst St) Jahre ist, seitdem die Astronomen mit ihnen be-sonders beschäftiget haben, so daß dieser interessante Gegenstandnoch zu den neuen gezählt werden muß, deren weitere Ausbildungerst erwartet wird.

§. 211. (Bedeckungen der Fixsterne unter einander.) Wir be-merken öfter, daß der Mond vor der Sonne oder vor den Fix-sternen vorüdergeht und uns dadurch den Anblick dieser Gestirneauf einige Zeit raubt. Diese Sonnenfinsternisse und Stern-bedeckungen (I. 175) beobachten die Astronomen mit besonderemFleiße, weil sie die besten Mittel zur Bestimmung der geographi-schen Längen der Beobachlungsorie auf der Oberfläche der Erdedarbieten. Auch sieht man zuweilen diese Sterne durch die Pla-neten, oder selbst, obwohl selten genug, einen Planeten durch denandern bedecken; aber daß auch die Fixsterne sich unter einanderbedecken sollten, dieß würde man noch vor wenig Jahren für un-möglich gehalten haben.

Wenn aber die Ebene der Bahn des Doppelsterns so schiefgegen unsere Gesichtslinie liegt, daß uns dieselbe nur mehr nahewie eine gerade Linie erscheint, und solcher Bahnen gibt es, wiewir oben gesehen haben, mehrere, so wird uns eine solche Erschei-nung nicht mehr wunderbar vorkommen können. In diesem Fallscheint nämlick der Begleiter um seinen Centralstern eine gerade,durch diese» Stern gehende Linie zu beschreiben, und wenn erdemselben auf diesem Wege nahe genug kömmt, so wird er ihnentweder bedecken oder von ihm bedeckt werden, je nachdem er, inBeziehung auf uns, vor oder hinter seinem Centralkvrper vorüber-geht. Dieß ist z. B. der Fall mit dem Doppelstern r im Schlan-genträger (e^bl17li', Pold. 98° 10'). Der ältere Herschelsah ihn i. I. 1781 noch als einen, obschon bereits sehr nahenDoppelstern. Sein Sohn und Struve sahen ihn i. I. 18,28 nurmehr einfach, aber doch noch in einer länglichen Gestalt. Jehtaber erscheint er, selbst durch die besten Fernröhre, als ein voll-kommen einfacher, runder Stern. Nach einigen Jahren werdenwir ihn ohne Zweifel wieder doppelt sehen.