richtung ihrer Schulen zu geben, beschlossen die Commnnal--Behörden im Jahre 1837eine städtische höhere Töchterschule in dem Spandauer Stadtviertel zu errichten. Zndem Ende wurden, um sowohl die bereits bestehenden Privatschulcn nicht zu benach-Heiligen, als auch der Schule bei ihrer Errichtung sogleich einen Stamm von Schü-lerinnen zu gewähren, die beiden Schulen des Professors Hcinsius und des Fräuleinsvon Pape mit der neuen städtischen Schule verbunden, indem mit dem ProfessorHeinsius, der schon früher seine Schule aufzugeben beabsichtigte, ein billiges Abkom-men getroffen, dem Fräulein von Pape aber die Stelle einer ersten Lehrerin an derneuen Schule verliehen wurde. Ein passendes Lokal für die Schule wurde in demHause, Oranicnburgerstraße Nr. 69., in welchem sich dieselbe noch jetzt befindet, gefun-den und für den Schulzweck in der Art eingerichtet, daß in dem 2tcn und 3ten Stock-werke 9 Klassenzimmer, mit Einschluß eines größeren Hörsaals, und in dem Seiten-gebäude die Wohnung für die erste Lehrerin und die sonst erforderlichen Räumlichkeitenbeschafft wurden. Das Lokal war bisher nur gemiethet. Indessen haben die Communal-Behördcn, weil die Lage und Beschaffenheit des Hauses sich für diese Schule vorzüg-lich eignet, und um die Schule nicht der Gefahr auszusetzen, dies schwer zu ersetzendeLokal zu verlieren, das Haus am 1. April 1819 für 29,999 Rthlr. erkauft, jedoch das-selbe nicht der Schule als Eigenthum übergeben, sondern ihr nur das Schul-lokal in dem Hause gegen Zahlung einer angemessenen Micthe zugesichert.
Die Schule selbst stellt sich, wie die gleichartigen Schulen, die Aufgabe, Töchteraus den gebildeten Ständen durch einen methodischen Unterricht geistig zu bilden, siemit denjenigen Kenntnissen und Geschicklichkeiten auszustatten, welche der Beruf unddie künftigen Lebensverhältnisse des weiblichen Geschlechts in den gebildeten Ständenerfordern, und sie durch Erwcckung und Belebung eines christlich frommen Sinnes zuerziehen. Religion, Anschauungs-, Sprach- und Leseübungen, deutsche Sprache undLiteratur, Französisch und Italienisch (letzteres nur in der ersten Klasse), Geographieund Geschichte, Naturwissenschaften und Rechnen, so wie die Kunstfertigkeiten, Schön-schreiben, Gesang und Zeichnen, und weibliche Handarbeiten bilden den Kreis der Lehr-gcgenstände, deren Ziel für die ganze Schule und für jede Klasse in dem Fundamcntal-Lchrplan der Schule festgesetzt ist, nach welchem die halbjährlichen Lcktionspläne ent-worfen und von dem Königlichen Schul-Collcgio festgestellt und bestätigt worden.Die Leitung der Schule ist dem Rektor vi. Mätzner, die nähere Aufsicht über dieSchülerinnen, besonders in sittlicher Beziehung, der ersten Lehrerin, Fräulein vonPape, unter dem Beistände der übrigen, stets in der Anstalt und den Klassen anwe-senden Lehrerinnen übertragen. Das Schulgeld ist auf 2 Rthlr. nebst 5 Sgr. Neben-abgabcn für Schulbedürfnissc monatlich festgesetzt. Freistellen werden in dieser Schulenicht crtheilt.
Die Schule wurde am 1- Oktober 1838 mit 181 Schülerinnen in 6 Klasseneröffnet, und hob sich bald zu einer bedeutenden Frequenz, deren Zunahme die Lo-kalität der Schule, so wie die Rücksicht auf deren Zweck jetzt nicht weiter ge-statten. Die Schule zählt gegenwärtig 218 Schülerinnen, welche in 9 Klassen vono ordentlichen Lehrern, 3 Lehrerinnen und 8 Hülfslehrcrn unterrichtet werden. Umden Wünschen mehrerer Eltern entgegen zu kommen, wurde vem Juli 1839 ab auchein Unterricht im Fortepianospiel eingeführt, an welchem mehrere Kinder zu gleicherZeit gegen ein mäßiges Honorar an den Nachmittagen Mittwochs und SonnabendsTheil nehmen können. Dieser Unterricht ist zwar nur ein Privat-Unternehmen desMusiklehrerö der Anstalt, jedoch führt der Dirigent der Schule die Aufsicht über denUnterricht.