Druckschrift 
Bericht über die Verwaltung der Stadt Berlin in den Jahren 1829 bis incl. 1840
Entstehung
Seite
306
Einzelbild herunterladen
 

ZW

diener nebst Kellcrräumen, und 2 durch einen Zaun getrennte Schulhöse für die Kna-ben und Mädchen,

Ihrem Lehr-Einrichtungsplane gemäß, sollte die Schuleden Charakter einer vcr-einigten Elementar- und mittleren Bürgerschule, und in diesen beiden Bil-dungsstufen 4 Klassen für Knaben und 4 Klassen für Mädchen erhalten. Als Lehrgegen-stände wurden außer Religion, Muttersprache und den Kunstfertigkeiten, Schönschreiben,Gesang und Zeichnen, in den Lehrplan der Schule aufgenommen Mathematik und Na-turwissenschasten, Geographie und Geschichte. Der Unterricht in den fremden Sprachenwurde zwar anfänglich ganz ausgeschlossen, bei der späteren Entwickelung der Schulezeigte sich jedoch das Bcdürfniß, auch einen vorbereitenden Unterricht im Lateinischenund Französischen in dieser Schule zu ertheilen, theils weil viele Eltern diese Anstaltals eine Vorschule für höhere Lehranstalten, denen sie später ihre Kinder zu übergebenbeabsichtigten, zu benutzen wünschten, theils weil für die künftigen Lebensverhältnissevieler Kinder, die in dieser Schule ihre Schulbildung abschließen, einige Kenntniß die-ser Sprachen unentbehrlich zu sein schien.

Mit Genehmigung des Königl. Schul-Collegii vom 17. August 1837 wurde daherein vorbereitender Unterricht im Französischen und demnächst auch im Lateinischen in derIsten und 2ten Knabenklasse mit je 3 Stunden, in der 2ten Mädchenklasse der französischeUnterricht in 3 Stunden in der Art eingeführt, daß die Thcilnahme an demselben vondem Wunsche der Eltern abhängig gemacht, und zu dem Ende die Unterrichtsstundenin diesen Gegenständen in die Tagesstunden von 11 bis 12, oder von 4 bis 5 Uhrverlegt wurden. Die Mädchen erhalten zugleich in den Nachmittagsstunden von 2 Leh-rerinnen Unterricht in weiblichen Handarbeiten; auch hat eine achtbare Dame, diein jenem Stadttheile wohnt, die Aufsicht über diesen Unterricht übernommen. Dasanfänglich auf 1 Rthlr. monatlich in den unteren Klassen festgesetzte Schulgeld wurdespäterhin, in Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse, ermäßigt, und beträgt jetzt inder unteren oder 4ten Knaben- und Mädchenklasse 20 Sgr. monatlich, in der 3ten25 Sgr., in der 2ten 1 Rthlr. 5 Sgr., in der Isten 1 Rthlr. 10 Sgr, und außerdemvierteljährlich 10 Sgr. Nebenabgaben für Klasscnbcdürfnisse.

Die Schule, deren Leitung interimistisch der frühere Privat-Schulvorstcher Na u-mann übernahm, wurde am 7. Oktober 1833 mit 4 Klassen, 2 Knaben- und 2 Mäd-chenklasseu und 34 Kindern eröffnet, konnte sich jedoch wegen mehrerer ungünstigenUmstände nicht zu einer bedeutenden Frequenz erheben. Erst als die Schule zu Osterneinige höhere Klassen mit einem erweiterten Lehrplane, und nach dem Ausscheiden desbisherigen Hauptlehrers, in der Person des Rektors Merzet einen eben so thätigcnals einsichtsvollen und geschickten Vorsteher erhielt, hob sich die Schule sowohl in Be-ziehung auf die Frequenz, als auf ihre Leistungen, und ist seitdem, auch nachdem derRektor Merzet einen Ruf als Lehrer an dem hiesigen Königl. Seminar und derSeminarschule angenommen hatte, und der Rektor Judae am 1. Juli 1838 an seineStelle getreten war, in stetem erfreulichen Fortschreiten geblieben.

Die Schule erhielt zu Michaelis 1830 ihre 2te Knabenklassc, am 1. April 1837die 2te Mädchen- und am 1. April 1839 die Iste Knabenklassc, und zählt jetzt 124Schüler und 84 Schülerinnen, zusammen 208 Zöglinge in 7 Klassen.

e. Die Dorotheenstädtische Stadtschule. Die Dorotheenstadt, welche frü-her in dem Hause an der Ecke der Friedrichs- und Dorotheenstraße ihre eigene Stadt-schule gehabt, auch vom Jahre 1794 ab, nach dem Brande des ehemaligen WerderschenRathhauses, das Friedrichs-Werdersche Gymnasium in seinem Bezirke (in einem Neben-gebäude des Gasthofs zur Stadt Rom, in der Charlottenstraße) aufgenommen hatte, besaß,