hing nun den Gartentopf mittelst einer Schnur an einer Latte dergestalt auf, daß er seinegewöhnliche Lage hatte, wodurch aber die Pstanze eine ihrer Natur nach verkehrte Lageerhielt. Der Wurzclstock befand sich nämlich beynahe in der Oeffnung des VovenS; dieWurzel erstreckte sich von da aus senkrecht hinauf in die Erde, nämlich in das Gefäßhinein, und die Blätter erstreckte» sich vom Boden des Gefäßes aus unter demselben her-ab in die Luft. Zu gleicher Zeit hatte ich eine andere crebris rubra von derselbenWachsthumsperiods in einem andern Gartenlopfe, auf die gewöhnliche Weife gepflanztdarneben gestellt. Ich ließ beyde Pflanzen, welche sich in einem Glashaufe befanden, undtäglich ordentlich begossen wurden, ganz durch dieselben äußern Umstände beherrschen, undwar nun sehr neugierig zu sehen, was denn aus der verkehrten Pflanze entstehen und wiesie sich in ihrer Entwicklung zu der aufrechten Pflanze verhalten wurde.
Es waren kaum zwey Tage verflossen, so bemerkte ich schon, daß jene Thcile, auswelchen der Blüthenstengel sproßt, sich merklich aufwärts gekrümmt hatten. Die Krüm-mung nahm nun sehr schnell zu, und war am 3. Tage schon dahin gekommen, daß dasEnde des Stengels, welcher indessen schon einen Knopf erhalten hatte, welcher sich zumKnospen vorbereitete, eine auf den Horizont vertikale Richtung erhalten harre, so daß am 4.Tage diese beginnende Knospe schon an den Boden des Garrenropfes stieß. Die Pflanzeließ sich durch dieses Hindernis; in der Entwicklung ihrer vegetativen Aetion nicht irremachen, und es war höchst interessant zu bemerken, wie die KnoSpe ailmählig längs desBodens hinschlich, und mit einem ächt geometrischen Augenmaße den kürzesten Weg wählte,um so bald wie möglich von ihren Fesseln befreyt, sich frcy und ungehindert ihrem Stre-ben nach der Höhe überlassen zu können. Als die Knospe an der Peripherie des Gefä-ßes angekommen war, bog sie sich sogleich auswärts, ohne jedoch einen scharfen Winkel zumachen und hicdurch den Plasticismus des Organischen zu verläugnen. Sie wuchs nunüppig fort; die Knospe entfaltete sich, überging in Blüthe und Saamen; kurz, es waran ihrer Entwicklung kein Unterschied mit der neben ihr stehenden Pflanze gleicher Art zubemerken; außer daß sie in allem etwas spater eintraf; allein sie hatte auch eine beträcht-liche Zeit im Kampfe gegen ihre freye Entwicklung verloren. (IAg. X.)
V. Versuch. July 1816.
Im Höchstelt Grade überrascht über das interessante Resultat des IV. Versuchs, überdie Intelligenz der beobachteten Pflanze in ihrer vegetativen Aktion; ja begeistert durchdie unbestochene Stimme der lebenden Natur welche ich hier auf eine so deutliche Weisezu vernehmen vermochte; wagce ich es, noch eine Frage an die Natur zu thun, und warddafür mit dem genügendsten Resultate belohnt.