LZ4
ihn sogar berechnen, wenn man z. B. vorläufig durch Versuche bestimme hätte, welchedie größte Geschwindigkeit des SaucrstoffgaseS scy, bey welcher derselbe, über Kalium strei-chend, sich noch mit demselben verbinden möchte; hier ließe sich berechnen, wie steh dieAffinität vom durchsichtigen Körper und Lichtstoffe zur Affinität von Oxygcn und Kaliumverhalte. Dicß ließe sich berechnen, d. h. es ließe sich eine Zahl dafür finden, da es jakeine Zahl gibt, die als die größte oder kleinste erklärt werden kann. Aber jene Zahlmüßte einen Grad von Größe erreichen, wobcy wahrlich eine gute Portion Glaubens ge-hört, um nicht darin das Unstatthafte einer sehr allgemein angenommenen, und seitherdurch Formeln reichlich verzierten Hypothese anzuerkennen.
Wir haben Bcyspicle von leuchtenden Körpern (der Sonne, der Firsterne), welcheseit undenklichen Zeiten her leuchten, ohne an ihrer Masse auch nur das Geringste verloh-ren zu haben. Wenn ihr Leuchten im Aussondern einer Materie besteht, wie ist es be-greiflich, daß nicht endlich eine Verminderung der Masse entstehen sollte; da sich doch keinReservoir von Lichtstoff bemerken läßt, aus welchem der Abgang immer wieder ersehtwürde. So unmöglich es wird, diesen Einwurf auf eine Weise zu beantworten, welchedem unbefangenen Geiste ein Genüge leistet, so leicht wird es, anzunehmen, daß dieAction des Leuchtens, bloß als Action betrachtet, in Ewigkeit fortgeseht werden könne, sowie die räumliche Actio», die Darstellung einer Forin, sich ins Unendliche fortsehen kann.
Wir thun wohl daran, wenn wir in allen Erscheinungen eine Materie annehmen';und bloß die Uncmpfindlichkeit unserer Sinne anklagen, wenn uns eingeworfen wird, daßja von dieser Materie, auch nicht das 'Allergeringste wahrgenommen werden könne; wirthun wohl daran, wenn es uns bloß darum zu thun ist, Erklärungsarten der Erscheinun-gen aufzufinden, bey denen uns keine absolute Jnconsequenz erwiesen werden kann; dennes bleibt uns dann allemal eine Ausflucht übrig, da wir ja diese Materie ins Unendlichefort verdünnen können, denn es gibt ja Bruchcheilc ohne Ende, durch welche die Dichtedieser Materie ausgedrückt werden kann.
Legen wir aber bey unfern Erkläruugsweisen der Erscheinungen der Natur, einigenWerth darauf, soviel möglich, nur dasjenige anzunehmen, was uns die Erscheinung un-mittelbar darbietet; und Alles zu vermeiden, was unglaublich scheint, wenn es gleich nichtals unsinnig erklärt werden kann, so müssen wir in manchen Erklärungen von der atonn-stischen Ansicht abweichen, wobey wir streben mögen, im Geiste Newton's zu untersuchen,wem; wir gleich von seinen ersten Ansichten hie und da abweichen.
Zu einem solchen Streben in der Naturphilosophie soll uns Newton's Lehre leiten;sollen wir dem seltenen Manne wahrhaft huldigen, und soll seine Lehre fruchtbar in unskeimen; da hingegen bloße blinde Anhänglichkeit an das bisher Gesagte das AndenkenNewton's entheiligen müßte.