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Gesetzt nun, es würde diese Abkühlung dadurch bewirkt, daß die Dampfe mit Eis inBerührung kämen, und daß, um die 1700 Kubikfuß Dampfes auf einen KubikfußWasser zu reducircn, die Quantität a von Eis geschmolzen werden müßte; so besteht folgendesGesetz: Die Erwarmungsmittel, wodurch die Quantität a an Eis geschmolzen wird, sind diesel-ben, wodurch 1 Kubikfuß von ioo°Reaumur in 1700Kubikfuß Wasserdampfverwandelt wird.
Dieß scheint ein unläugbarer Beweis für die von den chemischen Physikern angenom-mene Materialität des Wärmestoffs zu seyn; denn dann ist es sehr natürlich, daß dieQuantität an Wärmestoff, welche aus den Dämpfen in das Eis tritt, und wobey die,700 Kubikfuß Dampfes zu Wasser werden, auch wieder im Stande seyn müsse, wennsie in den Kubikfuß Wasser tritt, denselben ganz in Wasserdampf zu verwandeln.
Allein durch die oben erklärte Erscheinung folgt nur, daß die Annahme des Wärme-sioffs als Materie, nichts Unsinniges in sich fasse; keineswegs aber, daß die Erscheinun-gen der Wärme einem materiellen Stoffe zugeschrieben werden müßen. Vielmehr mageö weit philosophischer seyn, einer Erscheinung keinen materiellen Stoff unterzulegen, wennman für das Daseyn dieses letzten gar keinen direkten Beweis hat. Wir haben bisherauf keine Weise, auch nicht durch die empfindlichste Waage, das Daseyn eines materiel-len Warmestoffes erweisen können; wir müssen daher trachten, die Erscheinungen derWärme ohne Annahme eines eigenen Warmestoffs zu erklären.
Noch weniger kann ich es rechtfertigen, wenn man (wie z. B. H. Davy) die Er-scheinungen der Wärme, als Bewegungen in den kleinsten Theilchen erklären will, da dochdie Wirkungen der Wärme, mit jener der Bewegung gar nichts gemein haben. Wielassen sich z. B. die ganz eigcnthümlichen Reize, die durch erwärmte Körper auf organi-sche Körper erfolgen, Reize, die sich nicht bloß als Gefühl, als Empfindung manifestiren,sondern zugleich auch als ganz eigene Entwicklungs-Vehikeln im vegetativen und animali-schen Leben; wie lassen sich, sage ich, diese wundervollen Erscheinungen als bloße Modifi-cationcn von Bewegungen erklären?
Mögen wir doch einmal aufhören, die Erscheinungen der Natur, die im höchstenGrade mannigfaltig sind, sammt und sonders auf eine einzige Erscheinung zu reduciren,und hicdurch die Natur, die verkörperte Darstellung des aus der höchsten Fülle der Phan-tasie entsprossenen Gedichtes, auf jene monotonen Erscheinungen zurückführen, welche ihrerEinsylbigkeit wegen, von unserem beschränkten Geiste, am klärsten aufgefaßt werden können,welche aber in dein Gefammtbildc der Natur, blos die Grundlinien ausmachen, und ohn-gsfähr das sind, was die perspektivischen Grundlinien in einem Gemälde sind. Die Per-spective kann als eine bloS technische Fertigkeit erlernt werden, und ist ein wesentlichesErforderniß des Gemäldes, ist aber nicht das am Gemälde, was das Genie des Künstlerö verkündigt; und das sich nicht in Regeln fassen läßt.