Druckschrift 
Skizzen zu einem Gesetzbuch der Natur, zu einer sinnigen Auslegung desselben, und zu einer hieraus hervorgehenden Characteristik der Natur,
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

59

thode, darf man seiner Phantasie frey die Zügel schießen lassen, indem man hier nichcGefahr lauft, ans Irrwege zu gerathen, welche auf die ganze Lehre einen Einfluß haben;de,,-,, man kehrt ja allemal wieder zu den Erscheinungen zurück, welche mit dem schlichtenBeobachmngSgeiste, ohne vorgefaßte Meinung beschrieben werden. Ich sprach daher hiernicht vom einfallenden Strahle, vom gebrochenen Strahle, indem dicß schon eine Bewe-gung des Lichts, und zugleich eine Materialität des Lichts bedingt. Diese Ausdrückegehören nichc in d:e Beschreibung, sondern in die Erklärung der Erscheinung, manmag dann ein Emanations - oder Vibracionssystem annehmen, oder irgend eine andereHypothese, so haben die darinn liegenden Irrchümer wenigstens auf die Beschreibung desPhänomens keinen Einfluß.

§. 41. Alis ahnliche Art ließe sich das Phänomen der sogenannten doppelten Strah-lenbrechung, welches durch die sogenannte ordentliche und außerordentliche Strahlenbrechungerklärt wird, ohne alle hypothetischen Ausdrücke, ohne daß sich irgend eine vorgefaßteMeinung einschliche, vortragen. Allein ich übergehe diesen Gegenstand hier, da er imArtikel JmponderabiliSmus vorkommen wird.

§. 42. Wenn wir einen lichten Punkt wahrnehmen "), so erscheint er uns allemalin irgend einem Punkte einer von unserm Auge aus, nach einer gewissen Richtung einge-bildeten geraden Linie, und hiernach bestimmen wir den scheinbaren Standpunkt des lichtenPunktes. Besteht zwischen dem lichten Punkte und unserm Auge gar nichts Körperlichesoder ein durchsichtig Körperliches von durchaus gleicher Dichtigkeit und Dualität, so läuftdie vorerwähnte eingebildete gerade Linie von unserm Auge nach dem lichten Punkte hin.Befinden sich hingegen zwischen dem lichten Punkte und dem Auge eine Reihe von auf-einander folgenden durchfichtigen Körpern, jedoch so, daß sowohl in der geometrischen Lageder auf einander folgenden Schichten als in der Starke der Brechbarkeit '") an den auf

K 2

») Lichter Punkt heißt hier ein als Licht erscheinender Punkt; es sey nun dieser ein leuchtender oderbeleuchteter Punkt. Leuchteuder und beleuchteter Punkt heißt nach unsern Ansichten, wornach wirin nnsern Erklarungswciscn nie stillschweigend, eine Hypothese mit einschließen wollen, nicht der licht.'ausstrahlende und lichtzurückwerfcndc Punkt; sondern wir sagen: wenn unter zwey Punkten, welchebeyde als lichte erscheinen, jene Wechselwirkung besteht, daß durch Vernichtung des Punktes s, derPunkt k> zu leuchten aufhört; daß hingegen durch Vernichtung des Punktes b, der Punkt a nichtzu leuchten aufhört, so ist der Punkt a rückstchtlich der Wechselwirkung unter bei,'den Punkten deractivc, hingegen b der passive (obgleich rückstchtlich der Erscheinung des Lcuchtcno überhaupt, rück-stchtlich der Wechselwirkung zwischen dem lichten Punkte und dem Ich, beyde Punkte die Actio»des Leuchtens ausüben, folglich als actio hervortreten); oder nach der gewöhnlichen Sprache ist danna der leuchtende, b der beleuchtete Punkt.

Ich erinnere hier, daß ich unter Brcchbarkcit nicht Abweichung des bewegten Lichtthcils von seinerBahn verstehe, da ich bcy Beschreibung der Erscheinungen jene Ausdrücke vermeide, worin» diestillschweigende Voraussetzung einer Hypothese liegt. Brechbarkeit bezieht sich hier auf die Abwei-chung der Richtung jener eingebildeten Linie, wovon bcy Beschreibung des Phänomens der söge-