In Köln hatten die Franken sich in ihrer Art festgesetzt. Sie ließendie alte Bevölkerung nach ihren Gesetzen leben, nahmen Land für sichund als Coloni, wie sie sich nannten, also als Bauern, hießen siedie Stadt C o 1 o n i a. Damit war die Bezeichnung „civitas Agrippinen-sium“, die bis dahin geherrscht hatte, für alle Zeit erledigt.
Es ist selbstverständlich, daß im fränkischen Köln, wo ja die alteBevölkerung seßhaft blieb, die römischen Häuser und Bauwerke zumTeil wenigstens weiter bestanden, so daß nur langsam sich das Aus-sehen der Stadt veränderte. Doch allmählich machte sich ein Um-schwung bemerkbar. Die Franken hatten, wie alle Germanenstümmeder Zeit, ihre besondere Baukunst, die sich des Holzes als Materialbediente. Nach dieser errichteten sie ihre Wohnungen. Da siehauptsächlich Ackerbauern waren, wurde jedem fränkischen Kriegerin dem eroberten Land ein Gebiet angewiesen, in dem er sein Gehöfterbaute: Wirtschaftsgebäude, Ställe, Speicher, Scheune, Bienenhausrings um das Hauptwohnhaus, alles von Holz, Fachwerkbau mit feinenHolzarbeiten und Schnitzereien geziert.
Auch in Köln selbst erhoben sich nach und nach solche fränkischeWohnungen, darunter mehrstöckige mit Treppe, hölzernem Söller undzahlreichen Räumlichkeiten.
Nach hundertfünfzig Jahren der Frankenherrschaft waren die Städteam Rhein, auch Köln, neu erblüht und hatten vollständig den ger-manisch-fränkischen Charakter angenommen, d. h. der Holzstil in demoben angedeuteten Sinne herrschte überall.
Im Jahre 560 besuchte Bischof Venantius Fortunatus von Poitiersviele Städte am Rhein, auch Köln. Die zierlichen Holzhäuser, welcheer überall sah, erregten seine Verwunderung, also daß er preisendfolgende Verse schrieb:
Weg mit euch, mit den Wänden von Quadersteinen! Viel höherScheint mir ein meisterlich Werk, hier der gezimmerte Bau.
Schützend verwahren vor Wetter und Wind uns getäfelte Stuben,Nirgends klaffender Spalt duldet des Zimmermanns Hand.
Sonst nur gewähren uns Schutz das Gestein und der Mörtel zusammen,Hier aber bietet ihn uns freundlich der heimische Wald.
Luftig umziehen den Bau im Geviert die stattlichen Lauben,
Reich von des Meisters Hand spielend und künstlich geschnitzt.“
In der Holzschnitzerei waren die Franken wie alle Germanen Meister.Wenn wir die Hausbeobachtungen des Bischofs mit anderen Zeugenfränkischer Kunstbetätigung, wie sie so zahlreich in den erhaltenenMetallarbeiten vorliegen, zu einem Bilde vereinigen, haben wir unsdas fränkische Köln mit einem ganz besonderen Reiz, was Bauwerkeund allgemeine Kunstbetätigung anlangt, ausgestattet zu denken; nichtals eine halb zerfallene Stadt mit einem eintönig rauhen Leben ohneVerschönerung durch Kunst. Köln war mit einem Wort aus einerrömischen eine germanische Stadt geworden.
Bedauerlich ist, daß aus diesem fränkischen Köln nichts von Bau-werken auf uns gekommen ist. Es hängt dies mit dem Baumaterial, demHolz zusammen, das leicht vergänglich, Bränden und Stilwandlungenzum Opfer fallen mußte. Als langsam der Steinbau, wenigstens fürmonumentale Bauten, einsetzte, haben die ersten fränkisch-mero-
Rademacher, Vor- und Frühgeschichte. 4
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