Köln nahm um diese Zeit einen gewaltigen Aufschwung. Das Kunst-gewerbe blühte in hervorragender Weise. Kaufleute aus allen Teilendes Römerreiches verkehrten in Köln. Sie und die Soldaten sind eswohl, welche die erste Verbindung der Bevölkerung mit dem Christen-tum herstellten.
IO. Köln und die Franken.
Schon vom 2. Jahrhundert n. Chr. an ist die römische Geschichte amRhein mit unaufhörlichen Angriffen der Franken aus ihrem Stamm-lande, das von den damaligen Geschichtschreibern auch Francia ge-nannt wird, angefüllt. Immer gefährlicher werden die Abwehrkriege,welche die Römer führen müssen. Viele Schriftsteller geben anschau-liche Bilder von den Abenteuern der Franken zu Wasser und zu Lande,aus denen der unbezwingliche Wagemut derselben hervorgeht.
Es ist dies jene Zeit, welche für den Kölner Bezirk lückenlos dieGrabfelder des rechten Rheinufers von der Wupper bis zur Sieg dartun,da eine gefundene Crispusmünze ein Grab in das 4. Jahrhundert n. Chr.setzt. Die Grabfunde lassen auch erkennen, wie schon bemerkt wurde,daß viele Beigaben, besonders die Bilderschüsseln, als Beutegut insFrankenland gekommen waren. Einige Grabfunde der rechtsrheinischenGermanen zeigt Bild 22. Wohl auch aus dieser Zeit hat sich eineSkulptur erhalten, die im Wallraf-Richartz-Museum, das bekannt-lich nur Kölner Funde aus der Römerzeit aufbewahrt, als eine Ger-manen-Darstellung 1 erkannt worden ist. Sie zeigt das charakte-ristische lange bärtige Gesicht eines Mannes mit dem Suebenknoten, wieandere Germanendarstellungen. Es ist römische Arbeit. Der Kopfstellt wahrscheinlich einen Frankenfürsten dar, der im Kriege getötetoder gefangen wurde und dessen Bild Haus oder Grab eines römischenFeldherrn schmückte. (Siehe Bild 24.)
Um 230 n. Chr. tritt der Name „Franken“ zuerst auf, zur Zeit desKaisers Galien. Dessen Feldherr Aurelianus tötete, wie Vopiscus be-richtet, 700 Franken und machte 300 zu Gefangenen, Teile eines Fran-kenschwarmes, der den Rhein überschritten hatte. Aurelianus erhieltdadurch den Beinamen: „Galliarum restitutor“, Wiederhersteller Gal-liens, ein Beweis für die Gefährlichkeit des Zuges in den Augen derRömer.
Die folgenden 150 Jahre sind eine Zeit fortwährender Kämpfe, beidenen Köln bisweilen eine Rolle spielte. Die Kaiser Probus und Dio-kletian kämpften am Rhein. Unter Probus waren Germanen in daslinksrheinische Gebiet eingebrochen, deren Führer Procolus und Ba-nauses sich fränkischer Herkunft rühmten. Sie wurden bei Köln ge-schlagen. Als Procolus darauf zu den Franken floh, vertrieben diese ihn.
Das Frankenland erstreckte sich bis zur Bataverinsel, der Kernjedoch war das Rhein-Ruhr-Sieggebiet. Somit umfaßte der Franken-bund die Stämme von der Bataverinsel bis zum Taunus, da aus der
1) Vergl. E. Rademacher, Chronologie der Germanengräber im Kölner Gebiet,Mannus, Kurt Kabitzsch, Leipzig 1922.
44