Nur einzelne Steinsärge aus christlich-fränkischer Zeit konnten demBoden abgerungen werden.
So mußte es kommen, daß der Boden von Kölns Altstadt uns fastganz im Stiche läßt zur Aufhellung der vielfach in ihren Einzelheitennoch so dunklen Frühzeit der Stadt. Allerdings hat noch ein Umstandgeradezu verheerend gewirkt. Die römischen Töpfe, Gläser, Bronzenund Skulpturen fanden sehr viel früher liebendes und betreuendes Ver-ständnis als die auf den ersten Augenblick unscheinbaren Grabbeigabender heidnischen Franken.
Auf die römischen Altertümer erstreckte sich lange Zeit allein derprivate und museal-wissenschaftliche Sammeleifer.
So ist der Boden des alten, ursprünglichen Stadtgebietes Köln nicht inder Lage, uns über die verschiedenen Entwicklungsstufen des eigenenWachstums aufzuklären, die einzige römische Periode ausgenommen.
Da der Beginn Kölns, d. h. der Altstadt, mit Gründung des ubischenOppidums, 38 vor Christus, also um die Wende der christlichen Zeit-rechnung, anhebt, so ist natürlich aus den vielen Jahrtausenden der vor-geschichtlichen Zeit erst recht nichts an Bodenfunden erhalten und auchfür alle Zukunft nicht mehr zu erwarten. Die Vor- und Frühgeschichteder Stadt Köln wäre also, mit Ausnahme der römischen Jahrhunderte,schnell und mit einigen allgemeinen Worten erledigt.
Nun aber erstreckt sich das Stadtgebiet von Köln jetzt linksrheinischvon der Rondorfer Gemarkung bis über Worringen hinaus, rechtsrhei-nisch vom Königsforst fast bis zur Wupper. In diesem großen weit-läufigen Gebiete liegen die Verhältnisse zur Erhaltung von Bodenalter-tümern aus der Vor- und Frühzeit sehr viel günstiger. Hier wurde derBoden nicht immer wieder durchwühlt, es lösten sich hier nicht Bau-werke der verschiedenen Perioden an derselben Stelle ab.
Darum ist die Frage berechtigt, ob Zeugen der Vor- und Frühzeit aufdiesem Gebiete zu verzeichnen sind. Und weiter, ob sich aus ihnenSchlüsse auf die Besiedelung des Stadt-Gebietes während der Vorzeitmachen lassen, auf die hier wechselnden Kulturen und ihre Träger,auf die Beziehungen derselben zur rheinischen, noch weiter gefaßt, zurdeutschen Heimat.
2. Die Kölner Bodenfunde und ihre chronologische
Einordnung.
Leider hat nicht allein die planmäßige Erforschung der vorgeschicht-lichen Vergangenheit unseres Gebietes, sondern sogar die Sammlung derbei Bauten und Erdarbeiten zu Tage tretenden Zufall- und Einzelfunde,soweit es sich nicht um römische Dinge handelt, erst eingesetzt mit derGründung des Städtischen Museums für Vor - und Früh-geschichte, dessen Anfänge in das Jahr 1903 fallen. Alle bis dahinim Stadtgebiet Köln gemachten Zufallsfunde sind verschollen undschalten darum bei der Beurteilung vollständig aus. Es kommen infolge-dessen nur die Ergebnisse der Bodenforschung dieses Museums und