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Vor- und Frühgeschichte des Stadtgebietes Köln
Entstehung
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8. Die germanische Zeit im Kölner Stadtgebiet.

Als geschichtliche Tatsache ergeben die Bodenfunde des Kölner Stadt-gebietes, wie die des ganzen Niederrheins überhaupt, daß schon seit2000 v. Chr. hier eine Kultur geherrscht hat, die Zusammenhänge mitder südlichen, urkeltischen Kultur aufweist, von der nordischen, ger-manischen jedoch stark sich unterscheidet. Ein Eingehen auf dieseUnterschiede erübrigt sich hier, es ist in anderen Arbeiten geschehen. 1

Die Bevölkerung von Süddeutschland bis hinab zum Teutoburgerwaldsteht vom Ende der Steinzeit, die ganze Bronzezeit hindurch, im Gegensatzzum Norden, ja dieser Gegensatz scheint während der Zeit sich erstrecht ausgeprägt zu haben. Man pflegt die Bevölkerung des Süden Ur-kelten zu nennen, weil sich erst am Ende der Bronzezeit durch dieEinwirkung der alpinen Urnenfelderleute das eigentliche Keltentumherausgebildet hat. Also erst von etwa 1000 v. Chr. kann man von eigent-lichen Kelten reden, im Gegensatz zu den Germanen. Beide Völker, oderbesser Völkerzusammenhänge sind indogermanischen Ursprungs, habenalso einstmals mit vielen anderen Völkern ein einheitliches Ganze ge-bildet. Es ist dies die urindogermanische Zeit. Nach der Trennung, d. h.nach der Loslösung der einzelnen indogermanischen Volksteile ent-wickelte sich jedes Volk auf der indogermanischen Urform weiter, be-einflußt durch geographische und klimatologische Verhältnisse der neuenHeimat, sowie durch nachbarvölkische Einwirkungen. Gegen Ende derjüngeren Steinzeit, um 2000 v. Chr., hat sich im Großen und Ganzen einUnterschied der nördlichen und südlichen Indogermanen herausgebildet,also Germanen und Urkelten, der sich durch den nicht indogermanischenalpinen und Mittelmeer-Einfluß noch verstärkte. Die Grenze zwischenbeiden Kulturen geht um diese Zeit vom Zuidersee nach Münster zumTeutoburgerwald. Doch ist mit diesen Bildungen die Entwicklung nichtabgeschlossen. Wie vorher das Urindogermanentum sich in eine An-zahl Völker teilte, die neue Sitze suchten, ebenso geschah es auch mitden indogermanischen Einzelvölkern. Die nordischen Indogermanen,noch nichtGermanen in unserem Sinne, sandten zur Steinzeit bereitsgroße Züge nach Osten und Süden. Das besagt nichts anderes, als daß beiden Germanen schon zur Steinzeit jene Bewegung einsetzte, die erst inder geschichtlichen Völkerwanderung ihr Ende erreichte. Germanen-züge nach Rußland und nach dem Süden sind von Kossina und anderenfür die Steinzeit nachgewiesen. Diese Abwanderungen taten jedoch dereigentlich nordischen Kulturentwicklung keinen Abbruch. Vom Endeder Steinzeit, die Bronzezeit hindurch, dauerte für das Germanentumdie eigentlich urgermanische Zeit, die gegen Ende der Bronzezeit auf-hörte, als immer größere Züge südwärts sich vorschoben und besondersder Rhein Zielpunkt der Wanderungen bildete. Westfalen wurde zuerstbesetzt; um 800 v. Chr. ist es bis zur Lippe germanisiert, was äußerlich

1) Vergl. C. Rademacher, Chronologie der Hallstattzeit zwischen Sieg undWupper, Mannus 1912. C. Rademacher, Ueber einige Steingeräte aus nieder-rheinischen Grabhügeln, Mannus 1825. E. Rademacher, Die Germanengräberim Kölner Bezirk, Mannus 1923. E. Rademacher, Die niederrheinische Hügel-gräberkultur, Mannus 1925. Nils Aberg, Die Steinzeit in den Niederlanden.Schumacher, Siedelungsgeschichte des Rheinlandes.

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