eine eindringliche Rede. Als darauf Agrippina, mit ihren Söhnen an derHand, gefolgt von den Dienerinnen, die Gassen des Lagers durchschritt,weinend und klagend, daß sie, des Aprippa Tochter, bei römischen Le-gionen keine Sicherheit mehr finde, und sie sich deshalb in das Gebietder Treverer flüchten müsse, wurden die Soldaten umgewandelt. Miterhobenen Händen umringten sie den Feldherrn und seine Gemahlin,baten flehentlich um Vergebung.
Beim Verweilen der Agrippina im Ubierlande wurde Germanikus eineTochter geboren (14 n. Chr.), nach der Mutter ebenfalls Agrippina ge-nannt, zum Unterschiede von ihr später „die Jüngere“ genannt. Ihreersten Lebensjahre verlebte sie im Ubierland und bewahrte deshalbdiesem eine dauernde Zuneigung.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß Kaiser Tiberius den Ger-manikus abrief, weil eine neue Politik gegen die Germanen des rechtenRheinufers in Rom zur Geltung gekommen war. Rom begnügte sich all-mählich mit einer Defensive gegen das rechtsrheinische Germanien, vondem schon durch Tiberius ausgesprochenen Grundsatz ausgehend, in derZwietracht der germanischen Stämme den besten Verbündeten gegenGermanien zu besitzen. Nach Tiberius setzte Kaiser Claudius diesePolitik fort. Es galt, die linksrheinischen Germanen vollständig derrömischen Kultur einzuverleiben. Nicht nur neue Kastelle, auch Städtesollten angelegt werden, um dieses Ziel zu erreichen. Kaiser Claudiushatte Agrippina die Jüngere zur Gemahlin, und diese konnte jetzt, ganzim Einvernehmen mit der römischen Politik, dafür eintreten, daß ausdem ubischen oppidum eine römische Kolonie wurde. Im Jahre 50n. Chr. geschah dies, und die neue Stadt Colonia, d. h. Pflanzstadt, er-hielt nach Abzug der Legionen den Namen: „Colonia Claudia AraAgrippinensium“. Es war eine Militärkolonie, aber mit bürgerlicherSelbständigkeit.
9. Das römische Köln.
Die neue römische Stadt umgab eine Mauer mit zahlreichen Türmenund Toren, in welche zunächst das ubische Oppidum noch nicht ein-gezogen war. Sie lag auf dem hochwasserfreien Gelände, deshalb dehntesich ein freier Platz von der Nordost-Mauer bis zum Rhein. Derrömische Hafen begann hier. Vieles von den ersten Befestigungsanlagenhat sich bis in unsere Zeit erhalten, sowohl von dem Mauerbering wievon den Türmen. Da jedoch später, wahrscheinlich unter Kaiser Gallien,die Stadtmauer bis zum Duffesbach vorgeschoben wurde, welche die alteubische Siedlung ganz in die Stadt einbezog, ist das Alter der einzelnenMauerreste nicht festzustellen, um so mehr, da auch in der fränkischenZeit an der römischen Stadtmauer noch gebaut wurde. Der sogenannteRömerturm mit seinem musivischen Schmuck wird ja von vielenForschern als fränkisch angesehen.
Die Größe der römischen Stadt umfaßte nach dem festgestelltenMauerbering 96,8 ha. Das heutige Straßennetz Altkölns hat in der Haupt-sache die römischen Straßenzüge bewahrt. Nach und nach entstanden
36