Gießener Gegend dieselben Grabfunde wie aus dem Kölner Gebiete vor-liegen. In letzterm war die Wuppermündung ein Ausgangspunkt fürdie Franken. Deshalb erbauten die Römer der Mündung gegenüber einCastrum, dessen Reste und Namen in dem linksrheinischen Orte Rhein-kassel sich erhalten haben. Unweit der Ruhrmündung liegt das Gräber-feld von Rheindorf auf dem Rosendalsberg, dicht dabei eine recht-eckige Wallanlage.
Auch die Siegmündung war ein solcher Ausgangspunkt, gestütztebenfalls durch eine größere Ansiedlung, in welcher das von Ptole-mäus erwähnte Oppidum Budoris zu suchen ist. Schon Cäsar erwähnt,daß jene 3000 Sugambrer, die zur Verwüstung des Eburonenlandesauf sein Geheiß herüberkamen, an einer Stelle den Uebergang überden Rhein bewerkstelligten, welcher der Siegmündung entspricht.
Mit den Sachsen im Bunde machten die Franken bald die Städte derProvinz Belgica am Meer unsicher. Maximus und Constantius Chloruskämpften gegen Ende des 3. Jahrhunderts gegen die niederrheinischenFranken, welche sich der Bataverinsel bemächtigt hatten.
Zu dieser Zeit war Köln die wichtigste Stadt der Provinz Germaniainferior, „Metropolis civitas Agrippinensium“ heißt sie. Als zweitbe-rühmteste Stadt galt Tongern, „civitas Tongrorum“. Eutrop nennt wegender stetigen Kriegsbereitschaft die Franken: „gens in armis“, ein Ge-schlecht in Waffen. Kaiser Constantius ließ gefangene Franken-fürsten am Triumphtag im Amphitheater zu Trier mit wilden Tierenkämpfen. Dieser Kaiser ist für die Geschichte Kölns besonders wichtig.Um schnell in das Herz des Frankenlandes zu gelangen, ließ er zu Kölneine feste Brücke bauen. Der Chronist sagt von diesem Werk: „Hocopus est difficile factu et usu futurum est sempiternum“, ein schwie-riges Werk für ewige Zeiten also nach dem Urteile der Zeitgenossen.Aus dem Panegyrikus (Lobgedicht) auf diesen Kaiser ist eine Charak-teristik der Franken bemerkenswert: „Trucem Francum, ferina solacarne distentum, qui vitam pro victus sui vilitate contemnat, quantaemoles sit superare vel capere!“ Den schrecklichen Franken, nur vomFleisch wilder Tiere aufgebläht, der für Fraß das Leben aus Gering-schätzung seiner selbst verachtet, welche Mühe, ihn zu besiegen odergar zu fangen!
Man sieht,, das Herunterreißen und Schlechtmachen des schwer nie-derzuringenden Gegners ist uralt. Die Römer haben diese „Kriegswaffe“mit großem Erfolge gegen ihre Feinde angewandt.
Zu des Constantius Zeit war Maternus Bischof von Köln. Er stand beimKaiser in hohem Ansehen, denn als man ihm die Schriften des Irr-lehrers Donatus vorlegte, rief er aus: „Et tarnen dati sunt judices,Maternus ex Agrippina civitate“ (Und doch sind uns Richter gegeben,Maternus aus Köln) und andere, darunter war auch der Bischof vonTrier. Zu der Synode von Arelatum, 314 n. Chr., wurde Maternus vonKöln berufen, und Maximus, ein Diakon.
Das Christentum hatte sich also um diese Zeit in den beiden ger-manischen Provinzen schon stark ausgebreitet. Die ersten Gemeindenerscheinen in den niederrheinischen Seestädten. Von dort gelangte dasChristentum durch Händler und Kaufleute, wie schon bemerkt, weiterins Land, besonders in die Städte.
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