dern bei der ubischen Priesterin Claudia Sacrata geweilt hatte. Amhellen Tage fuhren die Bataver mit den erbeuteten Schiffen vor denAugen der Römer zurück und brachten das Admiralschiff, einen stol-zen Dreiruderer, auf der Lippe der Priesterin Veleda zum Geschenk.
Aber dies war auch der letzte Sieg des Civilis. Er suchte eine Unter-redung mit Cerialis herbeizuführen. Auf einer Brücke, die in der Mittedurchbrochen war, kamen die Heerführer, jeder auf einem Brücken-kopf stehend, zusammen. Es kam ein Vertrag zustande, der den Bata-vern ihre alte Stellung sicherte. So war also der Zustand, wie er vordem Kriege geherrscht hatte, wieder hergestellt.
Das, was Civilis gewollt hatte, die Vernichtung der Römerherrschaftin Germanien und Gallien, ist nicht erreicht; aber doch sind die Folgendieses Krieges bedeutend. Civilis erschien den Römern als ein Feind,ebenbürtig wie Hannibal, nur mit dem Unterschiede, daß sie nicht mehrMacht genug hatten, diesen Mann gänzlich zu besiegen und zu Tode zuhetzen, ja daß sie ihn, obschon besiegt, nicht für ungefährlich hieltenund deshalb vorzogen, durch Milde ihn und seine Bataver zu gewinnen,was ihnen auch gelang.
Die wichtigste Folge des Krieges war die vollständige Aufgabe einerEroberung des rechtsrheinischen Germaniens. Alle Kriegszüge, die seit-dem in das Gebiet unternommen wurden, geschahen nur zu dem Zweck,die Stämme von einem Uebertreten des Rheines abzuhalten. Aus diesemGrunde fing man an, nachdem die Rheinfestungen neu erstanden waren,eine gewaltige Abwehrlinie, die von der Donau bis bei Neuwied sich er-streckte, Süddeutschland, das sogenannte Dekumatland, damals voll-ständig von den Römern provinzialisiert, von dem freien Germanienabzuschließen. Das ist der Limes. Eine weitere Folge des Krieges, ver-anlaßt durch den verminderten Druck auf das rechte Rheinufer, wardas Hereinströmen germanischer Volksteile aus dem Elbgebiet undWestfalen in das leere Sugambrer- und Ubiergebiet. Mit den Restender alten Bevölkerung verschmolzen diese bald zu einem Ganzen. Essind dies die Anfänge der Franken, deren Grabanlagen von der Wupperbis zur Sieg und Lahn wenigstens teilweise jetzt erkannt sind und dieeine gleiche Kultur von der Ruhr bis Gießen darstellen. Daß diese Ent-wicklung ungestört vor sich gehen konnte, ist ebenfalls eine der be-deutendsten Folgeerscheinungen des batavischen Krieges. Ein gewisserZeitraum mußte naturgemäß vergehen, ehe das neue germanische Grenz-volk in sich gefestigt war.
Die beiden linksrheinischen Provinzen, Germania superior und in-ferior, lange von Kriegen in dieser Zeit verschont, konnten sich jetztmit der römischen Herrschaft in die römische Kultur einleben, wiedies auch in den gallischen Provinzen derart geschah, daß nach demBataverkrieg niemals ein Aufstand oder eine Erhebung gallischerStämme gegen Rom erfolgte. Nie mehr ist eine Verbindung germanischerund gallischer Stämme zum Zwecke der Abschüttelung des römischenJoches erfolgt. Alles, was jenseits des Rheines lag, wurde von den Ger-manen als ein Land angesehen, auf das sie ein Recht zu haben glaub-ten, und in welches zu gelangen sie jahrhundertelang sich bestrebten,bis es ihnen endlich in Form der fränkischen Eroberung gelang. EinZustand kennzeichnet sofort den Unterschied der gallischen Provinzen
42