wandelt hat. Civilis und Veleda sollen unsere Schiedsrichter sein, siemögen den Vertrag bestätigen.“
Wirklich sandten die Agrippinenser Boten mit Geschenken an Civilisund Veleda, die berühmte Priesterin im Bructererlande zwischen Emsund Weser. Dort lebte Veleda in einem Turm; ihre Aussprüchewurden von den germanischen Stämmen wie göttliche Weisungen ver-ehrt. Schon gleich hatte die Priesterin die Erhebung des Civilis unter-stützt. Ihr mochte, wie auch dem kühnen Bataverherzog, ein allgemeinerKampf der germanischen und gallischen Stämme gegen Rom vor-schweben.
Als die Gesandten den Turm, welcher der Priesterin zur Wohnungdiente, erreicht hatten, vermittelte ein Verwandter der Veleda dieUnterredung; denn der Anblick der Priesterin war jedem verwehrt.Veleda bestätigte den Vertrag im Sinne der Agrippinenser, welchejetzt offen auf die Seite des Civilis traten; doch durfte kein Heer dieStadt besetzen.
Der Krieg nahm unterdessen seinen Fortgang, erhielt aber eine fürdie germanische Sache ungünstige Wendung. Ein römisches Heer unterdem Feldherrn Petilius Cerialis eilte aus Italien herbei, traf bei Trierdie gallisch-germanischen Truppen und schlug sie aufs Haupt. In dieserSchlacht hatten ubische Kohorten mitgekämpft auf seiten des Civilis.
Doch auf die Nachricht von der Trierer Niederlage verließen dieAgrippinenser sofort die Fahne des Batavers. Meuchlings überfielen siedie Germanen, welche in ihren Mauern weilten, und töteten sie; ja, sienahmen keinen Anstand, die Gattin und Schwester des Civilis, welchenach damaliger Sitte als Geiseln zur Sicherung des Vertrages denAgrippinensern übergeben worden waren, gefangenzunehmen, um siespäter dem siegreichen römischen Feldherrn auszuliefern. Um fürdiesen Verrat Rache zu nehmen, sandte Civilis eine Abteilung seinesHeeres in das Ubierland; doch die Agrippinenser wußten die Kriegerbei einem Gastmahl trunken zu machen und in ihrer Kaserne zu ver-brennen. Dies geschah zu Zülpich.
Der weitere Verlauf des batavischen Freiheitskrieges blieb fürCivilis unglücklich. Er wurde immer härter bedrängt, ja bis in seinStammland verfolgt. Ein Gau nach dem andern sagte sich von ihm los,so daß Civilis sich in Unterhandlungen mit Cerialis einließ. Erwähntsei noch, daß die Bataver noch einmal einen siegreichen Ueberfallauf das römische Heer und die Flotte machten. Cerialis war auf derRheinflotte, indes das Landheer ihn auf dem linken Ufer begleitete, vonNeuß nach Bonn, um dort das Lager wieder herzustellen. Wahrschein-lich an der Alteburg wurde Halt gemacht, die Flotte legte sich vor Anker.
Diese Nacht hatten die Germanen zu einem Ueberfall ausersehen.Alles war aufs beste vorbereitet, denn man plante nichts Geringeres,als den Feldherrn auf seinem Admiralschiffe gefangenzunehmen, umdadurch dem Kriege mit einem Schlag eine andere Wendung zu geben.Lager und Flotte wurden gleichzeitig überfallen, der erste Anprall gelang,die Schiffe wurden fortgezogen, viele im Lager niedergemacht, bis end-lich Cerialis das Aeußerste abwehrte. Mit dem Admiralschiffe wähntendie Germanen diesen gefangen zu haben, doch Cerialis war durchZufall gerettet, da er während dieser Zeit nicht auf dem Schiffe, son-
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