gegen Germanien trat ein. Man wollte, nach der Meinung des Tiberius,die germanischen Stämme ihrer eigenen Zwietracht überlassen, einerZwietracht, die sich bis dahin noch stets als der beste Verbündete Romsbewiesen hatte, wie dies Tacitus ausdrückt, wenn er sagt:
„Da der Tag (gemeint ist der Untergang) des römischen Reichesherannaht, konnten die Götter den Römern kein besseres Geschenkmachen als die Zwietracht der Germanen. Möge sie bleiben unddauern!“ ruft der Geschichtsschreiber aus, „solange wird das Reichunversehrt bestehen.“
Germanikus ward zurückgerufen.
Sicherung der Rheingrenzen war jetzt Neuaufgabe der römischenKriegskunst gegen die Germanen. So wurden nicht nur die schon amRhein vorhandenen Kastelle bedeutend verstärkt, sondern noch eine An-zahl neue angelegt, also daß von Mainz bis zu den Grenzen des Nieder-rheins fast 80 solcher Kastelle sich erhoben, eine schier unbezwinglicheSperrmauer gegen die Germanen. Der fast ganz menschenleere Streifen,dicht am Rhein, auf der rechten Seite von der Lippe bis über die Lahnwurde als Grenzstreifen aufrecht erhalten und als solcher von demsogenannten „limes Tiberii“ markiert. Jede Niederlassung in diesemGrenzgebiet war verboten; als Weideland für die Römer sollte es dienenund um von hier aus ungehindert die Heere gegen das Innere Germaniensführen zu können.
Kehren wir jetzt zum oppidum Ubiorum und dem in unmittel-barer Nähe befindlichen römischen Standquartier der beidenLegionen zurück, so sind aus der frühem Römerzeit einige Ereignissenachzutragen. Bereits wurde das Verhalten der Ubier im Freiheits-kampfe der Sugambrer erwähnt; ebenso ablehnend verhielten sie sichim Varuskrieg und auch nach der Schlacht im Teutoburgerwalde. EinZusammenschluß aller germanischen Stämme, also eine Teilnahme ander Erhebung unmittelbar nach der Niederlage hätte die Römerherr-schaft am ganzen Rheine gefährdet, aber die Ubier verharrten in ihremVerhältnisse zu Rom. Im Cheruskerlande zeigten sich schon bald Feind-seligkeiten gegen Arminius. Segest war immer Freund der Landesfeindegewesen, und so sahen die Bewohner der Ubierstadt, daß bald wiedereinzelne Cheruskerfürsten im Römerlager erschienen, um Germanikus,dem neuen Feldherrn zu huldigen, und Verzeihung für ihre Teilnahmeam Aufstande zu erstreben. Germanikus hatte von Rom die Aufgabeerhalten, die Niederlage des Varus zu rächen. Zuerst aber galt es, dieunzufriedenen Legionen in Germanien zurückzubringen. Nachdem inMainz dies Ziel erreicht war, zog er ins Ubierland, wo die beiden Legi-onen ebenfalls Schwierigkeiten machten. Mit Frau und Kindern bezogGermanikus das Standquartier. Seine Gemahlin war Agrippina, dieTochter des Agrippa, unter dem die Unterführung der Ubier in dasEburonenland und die Erbauung des oppidums erfolgt waren. Schonhatte Germanikus den Legionen Zugeständnisse gemacht, als eine Bot-schaft aus Rom ankam. Die Soldaten hielten die Gesandten für Ueber-bringer einer absagenden Mitteilung des Kaisers. Sie erhoben sich inder Nacht, bemächtigten sich der Fahnen, beleidigten die Ankömmlingeund bedrohten sie mit dem Tod. Am folgenden Morgen ließ GermanikusGeneralappell schlagen. Die Soldaten erschienen, und nun hielt er ihnen
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