Rasen bildete das Grabmal, gerade wie heute. Auf dem Fliegenberg beiTroisdorf hat ein solches Frühgermanendorf der zweiten Eisenzeit be-standen (Früh- und Mittellatene), aber die Arbeiten zur Quarzitge-winnung haben die sämtlichen Gräber zerstört. Nur zwei, unter einemWege liegend, blieben von der Durchwühlung des Bodens bewahrt undwurden von dem Kölner Museum gehoben. Sie stammen aus der Mittel-latenezeit, also etwa um 300 v. Chr.
Es wurde schon darauf hingewiesen, daß die Germanen meist vor-handene ältere Siedelungen eingenommen und schon kurz nach Abzugder bisherigen Bevölkerung zu beiden Seiten des Rheins ihre Wohn-plätze auf keltischen Siedelstellen errichtet haben. Andeutungen dieserBesitznahme ergeben sich aus Grab- und Wohnplatzfunden des Stadt-gebietes. Bei Fühlingen kamen durch die oft erwähnten BaggerarbeitenGräber dieser Zeit zum Vorschein, die der ersten Eisenzeit entsprechen.Gräber sind bisheran im Kölner Stadtgebiet zwei nachgewiesen, einsin der Umgebung von Thurn-Delbrück, (vgl. Bild 19) und aus einernicht näher bezeichneten Stelle des Stadtgebietes. Es sind zwei Grab-gefäße. So wenig zahlreich diese Funde aber auch sein mögen, sie be-weisen dennoch den Fortbestand alter Siedelungen zur Germanenzeit.
Dies alles ergibt sich aus den Bodenfunden. Dazu liegt aus dem erstenJahrhundert v. Chr. die erste „geschriebene Urkunde“ über die Verhält-nisse am Rhein vor. Julius Cäsar behandelt im Gallischen Krieg dieVölkerstämme des rechten und linken Rheinufers, nennt ihre Namenund weist sie der germanischen Rasse zu. Nach Cäsar wohnten imjetzigen rechtsrheinischen Köln Sugambrer; das linksrheinische Stadt-gebiet war ein Teil des, von dem römischen Feldherrn und Schrift-steller als Eburonenland bezeichneten Gebietes. Die Eburonen nenntCaesar ausdrücklich „Germanen“. An die Sugambrer schlossen sich süd-lich im Lahngebiet die Ubier.
Wiederum in Fühlingen sind Gräber dieser späteren Germanenzeit,also des ersten Jahrhunderts v. Chr. (Spätlatene), bei Baggerarbeitenzum Vorschein gekommen. Der Gefäßstil hat sich im Verlauf der zwei-ten Eisenzeit gewandelt. An Stelle der hohen, bauchigen Urnen, meistmit schraffierten Dreiecken verziert, erscheinen jetzt flachere Schüsselnmit profiliertem Rand, oft mit Deckeln versehen, zur Aufnahme desLeichenbrandes (vgl. Bild 20). Beigaben, kleinere Gefäße und anderes,sind durch den Bagger in Fühlingen vernichtet. Das Vorhandene ge-nügt jedoch, die Uebereinstimmungen mit Grabfunden am Fliegenbergbei Troisdorf, von Neuwied, Andernach, Mayen, Cottenheim, Ettringen,St. Johann bei Mayen und Nauheim in Hessen zu beweisen. LetztereGrabfelder, systematisch untersucht, ergaben hohe Krüge mit flaschen-förmigem Hals, offene Schüsseln, kleine und größere zierliche Gefäßeund Schalen in Verbindung mit plumpen, kochtopfartigen Gefäßen.Dazu treten Eisen- und Bronzefibeln, eiserne Lanzenspitzen und Schild-buckel, die ihre Zugehörigkeit zum Ende der zweiten Eisenzeit, undzwar der germanischen Kultur, deutlich dartun. Die Funde zeigen, daßum diese Zeit germanische Stämme, was ja auch Cäsar angibt, rechts-und linksrheinisch gewohnt haben.
Bei aller Verschiedenheit treten jetzt, wie auch früher und späterimmer wieder, große Uebereinstimmungen bei den Germanenstämmen