Druckschrift 
Vor- und Frühgeschichte des Stadtgebietes Köln
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

durch das Verschwinden der Hügelgräber sich kund tut. Nur in derEcke nördlich von Rhein und Lippe sind noch die alten Hügelgräber,aber ein germanischer Einschlag läßt sich jetzt schon darin nachweisen.Im 6. Jahrhundert dringen die Germanen bis Duisburg vor, undkurz um 500 war der holländische Niederrhein und die ganze KölnerBucht von Kelten frei. Um diese Zeit hören die alten Grabfelder in demGebiete auf, während sie südlich, in Eifel und Hunsrück, noch zahl-reich sich vorfinden. Das Vordrängen erfolgte langsam, nicht ohne:Gegenmaßnahmen der Kelten, die sich durch starke Befestigungen desgermanischen Druckes, zu erwehren trachteten. Im Kölner Bezirk sindals solche zu erkennen der mit aufgedehnten Ringwällen befestigteLüderich, die mit einem dreifachen Wall umgebene Erdenburg bei Bens-berg, der Güldenberg an der Agger bei Troisdorf, mit seinem fast un-einnehmbaren Plateau und ganz besonders der Petersberg im Siebenge-birge, dessen aus Basaltblöcken errichteter mächtiger Ringwall 1 aufdem Gipfel des Berges und die vielen Sperrwälle am Hange der Land-seite sich bis in die neueste Zeit erhalten haben.

Eine weitere Sperrlinie bildete die Eifel von Gerolstein der Moselzu. Die Dietzenley trägt große, jetzt zusammengestürzte Wälle; von dahäufen sich die Befestigungen, besonders im Nettetal bis zur Mosel. Diedritte Linie bildete der Hunsrück. Große Wallanlagen auf dem Gebirgesind dort festgestellt, am bekanntesten ist der Ringwall von Otzen-hausen.

Während der letzten Keltenzeit erfolgte nochmals eine bedeutendeBeeinflussung der herrschenden Kultur, was sich aus der Aenderungder Grabbräuche (Skelettbestattung an Stelle der Verbrennung), aus derForm der Gefäße und den Metallbeigaben erkennen läßt. In der mitt-leren Stufe der zweiten Eisenzeit (Mittellatene, 300 v. Chr.) war dasGebiet um Koblenz germanisch, Eifel und Mosel verlieren ihre reichenHügelgräber viel später, noch später der Hunsrück. Im ganzen Gebietbis Mainz treten im zweiten und ersten Jahrhundert v. Chr. zahlreicheFunde auf, die das Vordringen der Germanen bis zum Main beweisen.

Für das Kölner Gebiet ergibt sich aus Vorgehendem die Begründung,warum keltische, der zweiten Eisenzeit (500 v. Chr.) angehörige Fundebisheran nicht zum Vorschein gekommen sind und auch niemals zumVorschein kommen werden, weil Kelten zu der Zeit das Gebiet nichtmehr bewohnten. Ueber diesen, in der Entwicklung des Nieder-rheins und des Stadtgebietes so überaus wichtigen Zeitabschnitt ist nurdeshalb unsere Erkenntnis noch immer mangelhaft, weil die germa-nischen Funde aus der Zeit bis jetzt sehr spärlich sind. Die Germanenbegruben nämlich ihre Toten nach der Verbrennung nicht in weithinsichtbaren und dem Forscher darum leicht zugänglichen Grabhügeln, diezu großen Friedhöfen vereinigt sind, sondern in kleinen ausgehobenenGruben, zu Urnenfriedhöfen vereinigt. Wohl mögen diese Gräber ehedemeine ähnliche Erhebung gezeigt haben, wie die unsrigen; aber längst sinddiese verschwunden, und nur der Zufall kann solche Urnenfriedhöfe,wie sie genannt werden, ans Tageslicht bringen. Tacitus berichtet vonden Germanen:Sepulcrum erigit caespes, d. h. der ausgestochene

1) Jetzt durch die Neubauten meist verschwunden.

28