Druckschrift 
Vor- und Frühgeschichte des Stadtgebietes Köln
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

Stadtgebietes bei Worringen gefunden, so daß also auch hier Anhalts-punkte für Siedelungen während der Grabhügelzeit gegeben sind.

Eine Reihe vorgermanischer Dörfer der ersten Eisenzeit läßt sich alsoauf dem hochwasserfreien Gelände des Kölner linksrheinischen Stadt-gebietes jetzt noch nachweisen, von Rodenkirchen bis nach Worringen,die mit den jetzigen Siedelungsnamen Rodenkirchen, Marienburg, alterbotanischer Garten, Altstadt, Fühlingen, Hackenbroich bei Worringenzu bezeichnen wären.

Die Hügelfelder im rechtsrheinischen Kölner Stadtgebiet entsprechenfünf größeren Dörfern und einer Anzahl Einzelsiedelungen Nach Größeder Grabplätze sind für erstere 3040 Häuser 1 in der mittleren erstenEisenzeit anzunehmen, als die Bevölkerung am zahlreichsten war. Diesentspricht einer Einwohnerzahl von mindestens 800 Seelen. Die Grab-felder des linksrheinischen Kölner Stadtgebietes ergebenetwa sechs Siedelungen, mit etwa 100 Häusern und über 500 Personen.Für das jetzige ganze Stadtgebiet ist demgemäß um die Zeit von 600v. Chr. eine Bevölkerung von über 1000 Seelen anzunehmen, wahr-scheinlich jedoch, daß die Bevölkerungszahl noch größer war, da vieleHügelfelder, weil eingeebnet, nicht aufgefunden worden sind, (vgl. Füh-lingen, das erst durch Baggerarbeiten als Begräbnisplatz erschlossenwurde). Für die Zeit von 900600 v. Chr. über, hat das jetzige Stadt-gebiet also über 1000 Bewohner gehabt, die sich fast gleichmäßig aufdas rechtsrheinische und linksrheinische Stadtgebiet verteilten, aberzwei gesonderten Stämmen angehörten. Um das Jahr 1000 v. Chr. betrugdie Einwohnerzahl etwa 500, während der Bronzezeit 300; ebensovielauch zu der Zeit um 2000 v. Chr. (Ende der Steinzeit, Kupferzeit).

Ethnologisch demselben nicht germanischen Kulturkreise angehörig,bildete das rechtsrheinischevorgeschichtliche Köln ein bedeutsamesGlied des Sieg-Wupper-Stammes, das linksrheinischevorgeschicht-liche Köln ein Glied des Stammes, der von den Ausgängen der Eifel zubeiden Seiten des Vorgebirges dem Niederrhein zu sich erstreckte. Diegenauen Grenzen dieses Stammes sind noch nicht genügend erkannt, ausMangel an Funden.

Die Friedhöfe der Hallstattzeit, an alten Verbindungs- und Handels-wegen gelegen, haben auf ihrem Gelände einst besondere Wege gehabt.Durch Absperrung mögen die Plätze erkenntlich gewesen sein. Wie dieBelegung eines Platzes erfolgte, ob jeder Sippe ein besonderer Teildes Platzes zugewiesen war, läßt sich noch nicht erkennen.

Alle Begräbnisplätze des Kölner Stadtgebietes liegen auf der Mittel-terrasse, meist auf einem Gelände, das eine gewisse Fernsicht gewährt.Besonders bei der Iddelsfelder Hardt tritt dies in die Erscheinung. DieBeobachtung läßt sich auch im ganzen Hügelgräberbezirk des Nieder-

1) Eingehende Begründung der im folgenden aufgestellten Angaben überGröße der Siedelungen und Einwohnerzahl im Kölner Gebiet gibt die Arbeitdes VerfassersDer Volksstamm zwischen Sieg-Wupper-Rhein zur erstenEisenzeit, Größe und Lage der Siedelungen, Bevöfkerungszahl und allgemeineKultur. Vortrag, gehalten auf der Hauptversammlung der Gesellschaft fürDeutsche Vorgeschichte, Braunschweig, 1926. Vergl. Mannus, Zeitschrift fürDeutsche Vorgeschichte, herausgegeben von Prof. Kossinna 1926 und Nachrichten-blatt der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft 1926, 1. Heft.

25