— 787 —
in Bad Kösen und in der Kaltwasserheilanstalt Elgersburg aufgehalten und in dieserZeit mit dem ihm seit 1853 persönlich befreundeten Emil Palleske und dessen Ge-mahlin die Wartburg und den nordwestlichen Theil des Thüringer Waldes besuchthatte, zog er Ende September 1854 nach Tempelhof bei Berlin.
Im Sommer des folgenden Jahres gewann er bei Gelegenheit persönlicher An-wesenheit in GeHofen einen Einblick in die dortigen, der Regelung dringend bedürftigenlokalen Zustände und hielt in Anbetracht dessen, daß Vetter Ernst auf sein fern ab-liegendes, neuerwvrbenes Gut Buhla bei Sollstedt übergesiedelt war und die Führungder Familiengeschäfte niederzulegen wünschte, es für im Familieninteresse geboten, seinenWohnsitz nach GeHofen zu verlegen, damit zugleich dem Wunsche des Onkels Karlnachkommend, der schon früher gewünscht hatte, daß jener die gemeinsamen Angelegen-heiten in die Hand nehmen möchte.
Hier in GeHofen half er die nach geschehener, seine Zustimmung bezweckenderAnfrage eines maßgebenden Gemeindemitgliedes durch diesen beantragte Gemeinheits-theiluug unter der umsichtigen Leitung des späteren Regierungsrathes Stephandurchzuführen. Zu gleicher Zeit kam die große Melioration des untern Unstrut-thales von Bretleben bis Nebra auf Grund des Projektes des Regierungs- undBauraths Wurffbain zur Ausführung. Moriz wurde in den Vorstand gewählt undWurffbain nutzte seine eifrige Hingabe an die Sache und seine thätige Mithülfe vollaus; zu öfteren Malen übertrug der königliche Kommissar seine Vollmacht auf Morizbehufs Abhaltung von Terminen zur Verhandlung mit verschiedenen Gemeinden. DerName „Frhr. v. Eberstein" ist, in Erz gegossen, an den Gedenktafeln der großenGrund-Entlastungs-Schleuse am Ausflüsse des Fluth-Entlastungs-Kanals aus der Ünstrutunterhalb Bretleben zu lesen.
Während dieser Zeit verursachte Morizen viel Arbeit die Regelung der wüstenkommunalen Verhältnisse, zu welcher ihn der Kreislandrath mit den Worten antrieb:„Sie müssen sich aber darauf gefaßt machen, in ein Wespennest zu stechen!" Durch diethatkräftige, initiative Unterstützung des weitsichtigen Regierungspräsidenten v. Wedelt,sowie durch Beirath seitens des ihm befreundeten tüchtigsten preußischen Landraths desNachbarkreises Eckardsberga und Vorsitzenden der thüringischen Ritterschaft v. Münch-hausen wurden indessen durchgreifende, die Abstellung der Übelstände bewirkende Maß-regeln getroffen.
Da der Neubau der uralten, lange vor 1309 erbauten Kirche zu GeHofenbereits im vorigen Jahrhundert ventilirt worden war, und da die geistlichen Behördendie Angelegenheit nicht länger mehr hinzögern lassen wollten, so reichte Moriz im I.1857 der k. Negierung in Merseburg einen Entwurf zu einer in rein gothischcm Stylemassiv in Nebraer Sandstein zu erbauenden Kirche ein. Diesen schönen, später in denJahren 1866 bis 1868 zur wirklichen, dem ganzen Unstrutthale zur Zierde gereichendenAusführung gekommenen Entwurf war er so glücklich durch die innige Freundschaft zuerlangen, welche ihn mit dem Architekten Sr. Majestät des Königs Geh. Ober-BaurathStiller verband. Aber nicht etwa erbat er sich solchen von dem berühmtesten Kirchen-baumeister des Jahrhunderts, sondern Stiller erbot sich aus freien Stücken und inzuvorkommendster Weise zur Anfertigung, nahm es sogar übel, daß Moriz bereits mitdein später durch seine mit Ende in Berlin ausgeführten Bauten bekannt gewordenendamaligen Bauführer Böckmanu in Unterhandlung getreten und denselben dazu ge-wonnen hatte. Stiller beauftragte zunächst den damals für ihn die Restauration desPortals der Schulpforta leitenden Bauführer Ende mit den Vorarbeiten der Aufnahmeder alten Kirche und des Situntionsplanes. Da indessen Ende infolge einer Mahnungder Akademie, mir ein als Preis gewonnenes Reisestipendium nicht verfallen zu lassen,nach Italien reisen mußte, so beauftragte mit jenen Vorarbeiten Stüter nunmehr denjetzigen Ober-Hofbaurath Persius (den Vollender der Burg Hohenzollern), der dannauch spater im I. 1858 den Anschlag fertigte. Nach dem am l. Febr. 1859 be-gonnenen Abbruche der alten Kirche, Aushebung der Überreste mehrerer EbersteinischerVorfahren (Philipp's, des ersten Erwerbers von GeHofen, des Feldmarschalls Ernst
50*