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„Jahrbücher der freien deutschen Akademie" beschlassen worden war, ging die Ab-handlung an Prof. Noack in Gießen, der die Redaktion usurpirte, um zunächst seinealten Reste aus der eingegangenen philosophischen Zeitschrift zu verwerthen; da nunmit dem 2. Hefte das Erscheinen wieder ein Ende hatte, vermittelte dann mehrereJahre darauf Moriz Esnidrö (der im April 1851 Moriz in Berlin besucht und ihmdaselbst die interessante Bekanntschaft des ebenfalls gerade in Berlin anwesendenTragvdiendichters Friedrich Hebbel vermittelt hatte) die Rücksendung des Manuskriptsunter Beischlnß eines Briefes ä. ä. Gießen, 21. Juni 1851, in welchem es heißt:
„Es ist mir ein erfreulicher Gedanke, daß Sie so eifrig Batnrstndien treiben, die Brückezwischen der idealistischen Philosophie und der Empirie muß doch jetzt geschlagen werden, und dasgeht nur, wenn von den zwei Pfeilern aus die Bauleute die Gewölbe einander zuneigen."
Em zweites Exemplar von Manzens erstem Entwürfe seines Systems hatte 1850der Professor Steinhart von Berlin mit nach Psorta genommen. In einem aus-führlichen Briefe schrieb ihm Steinhart u. a. Folgendes:
„Ihr Merk hat mich in einem hohen Grade gefesselt und erfreut: ich erkenne in demselbenjenes von Parmcnides dein jungen Sokrates so dringend empfohlene Streben nach der reinen,unverfälschten Wahrheit, das sich nicht mit Phrasen und hohlen Meinungen abfindet, sondern indas wesentliche Sein der Sache einzudringen sucht. Nur ans den reinen Höhen einer solchenSpekulation entspringen die Vnellen, die dereinst das dürre Land bewässern und zu grünen Auennmschaffen können: "»d unser politisch, religiös und philosophisch ausgedörrtes, vergeblich nachfrischem Masser lechzendes deutsches Vaterland bedarf dringend solcher Erquickung ans dein Bornedes sich selbst wissenden und erkennenden Geistes. Ihre Erörterung geht den festen und lückenlosenGang des platonischen Parmenidcs, an den sie mich vielfach erinnerte, der Fichtcschen Wissenschaft-lehre'und der Uegelschen Logik, und schwerlich dürfte ihr in dem sich freilich immer mehr verengen-den Kreise der Jünger echter Wissenschaft freudiger Anklang und Beistimmung versagt bleiben:sie wird sich ihre Bahn brechen und für viele eine Anregung zu nochmaliger tieferer Erwägunguralter Probleme werden. Ich glaube, daß Sie mit der Aufstellung Ihres sich selbst als Seien-des habenden und wissenden Ich, als höchster, voraussetznngsloser Einheit, als des ewigen,frei sich selbst bestimmenden Grundes und Zweckes alles Wissens, der platonischen höchsten Einheitganz nahe gekommen sind, ohne doch in die ncnplatonische Spaltung und Degradation des gött-lichen Wesens zu verfallen; Sie haben gegen Hegel die lebendige, nicht in den Unterschied ein-gehende, sondern ihr ewiges unerkanntes Wesen über dem Unterschiede behauptende Einheit zuretten gesucht, ohne deshalb mit Schölling in das alberne Märchen von einem blinden, unvor-denklichen Sein des Einen zu verfallen; auch daß Sic nicht alles mit Schopenhauer in dembewußtlosen Willen aufgehen lassen, sondern, wie sich gebührt, das Wissen als den ursprünglichstenund reinsten Akt des Ich setzen, ist ein vielversprechender Ansang eines neuen Lebens, das Siegewiß, da Sie es zugleich nicht verschmähen, in die Geheimnisse der vergleichenden Sprachforschungeinzudringen und in der Sprache selbst die ursprüngliche Philosophie aufzusuchen, statt sich mitanderen, — und nicht gerade den schlechtesten — Philosophen in abenteuernden Etymologien zuergehen, in der Philosophie entzünden und mit einem neuen, frischen Geiste durchdringen Helsenwerden. Mit Ihren Grundprinzipien bin ich durchaus einverstanden. Leider muß ich — da meinMitplatoniker, der alternde und jetzt, seitdem er emcritirt ist, doppelt ungeduldige Müller unbarni-herzig zum unaufhaltsamen Fortschritt in nnserm gemeinschaftlichen Wer'ke drängt — für jetzt anseine gründliche Besprechung Ihrer vortrefflichen und Bahn zu Beuern brechenden Arbeit für dies-mal verzichten, werde indessen, sowie sie im Drucke erschienen ist, dies nachzuholen bemüht sein.
Mein Plato ist seit Weihnachten im zweiten Bande gedruckt; der dritte wird, so Gottwill, zu Michaelis folgen, er enthält die vier dialektischen Dialoge, Theätct, Parmcnides, Sophist,Staatsmann.
Erhalten Sie mir, verehrter Freund, Ihr mir so schätzbares Wohlwollen; wollen Sie einmalvon Ihrer Arbeit ausruhen, so kommen Sie ans einige Zeit zu unserer stillen Pforte, ich werdemit Ihnen glückliche Tage verleben, da Sie nur bei ihrem reinen und schönen Wahrheitsstreben,ein lieber und hochverehrter Genosse und Freund geworden sind.
Die Philosophenznsaminenknnft in Kösen wünsche auch ich in diesem Jahre nicht, da derTod aller unserer Hoffnungen und der schmachvolle Untergang (oder Winterschlaf?) unseres deutschenund preußischen Vaterlandes kein fröhliches Gesellschaftsleben gestattet; M52 bringt vielleicht einenUmschwung. Mit wahrer Hochachtung verbleibe ich Ihr treu ergebener C» Steinhart.
Psorta, t6. Mai löst-
Zu der Drucklegung von Manzens Schrift kam es nun vor der Hand nicht.Manzens Vater war im Sommer 1851 bedenklich erkrankt. Und als diese Erkrankungin schweres Siechthum übergegangen war, hatte Moriz dein Vater Tag und Nacht bei-zustehen. Nach des Vaters Tode war er nicht sofort in der Verfassung, seine wissen-schaftliche Beschäftigung wieder aufnehmen zu können. Nachdem er sich eine Zeit lang