— 785 —
ursprünglichen Plan, Mathematik und Naturwissenschaft zu studiren, in den,sich der Wissenschaft überhaupt zu widmen. Dieserhalb trat er, iiu Griechischenund Lateinischen van dein Gymnasial-Oberlehrer (späteren Gymnasial-Direktorin Nenstettin und Abgeordneten zu dem Frankfurter Parlamente) vr. Röder(Schüler des alten Krafft und des jungen Reißig) vorbereitet, von Johanni 1843an zuerst nur für die griechischen Lektionen, dann mit dem 2. Januar 1844voll in den Unterricht in der Prima des durch Friedrich August Wolf berühmtgewordenen Gymnasiums zu Nordhausen ein. Bevor er das selbständige Studiumseiner wissenschaftlichen Laufbahn antreten konnte, machte eine Erkrankung seinerursprünglich ausgezeichneten Sehkraft eine Unterbrechung der gelehrten Beschäftigungund eine Erholung nothwendig. Da am 17. Nov. 1845 die Güter Lcinungeu undHorla an den Besitzer von Morungen verkauft worden waren und au diese Um-änderung in den gemeinschaftlichen Familienangelegenheiten sich die nothwendig gewordeneRegelung vieler einzelner Verhältnisse anschloß, so willfahrte Moriz gern dem Wunschedes Seniors der Familie, des Obersten Karl v. E. in Naumburg a. S., undunterstützte diesen bei jener Regelung.
Ende Sept. 1846 begab sich Moriz nach Berlin. Hier au der Universität horteer bei Schlemm Anatomie (neben einem Privat-Kursus in Sezir-Übungen), bei JohannesMüller Physiologie, bei Dovc Experiinental-Physik und Meteorologie, bei MitscherlichChemie, ferner bei Stahl Rechtsphilosophie und Verfassungsgeschichte des preußischenStaates, bei Neander Kirchengeschichte, bei Trendelenburg Geschichte der Philosophie,vor allem aber mit Eifer bei Jakob Grimm deutsche Grammatik, bei Franz Boppund Albrecht Weber Sanskrit, vergleichende Grammatik und indische Literaturgeschichte.Auf der Orientalisten-Versammlung 1850 wurde er auf Bopp's und seines altenFreundes, des Portenser Professors Steinhart (des PlatonikerS), Vorschlag als ordent-liches Mitglied in die deutsche Morgenländische Gesellschaft aufgenommen,wobei der ihm durch den alten Zeune persönlich bekannte Alexander v. Humboldtmitstimmte und unter freundlichem Händedrucke ihn persönlich als solches bewillkommnete.Die Beschäftigung mit Wilhclm's v. Humboldt sprachwissenschaftlichen Schriftengaben ihm fünf Jahre darauf Veranlassung, sich eine Zeit lang bei dessen zweiten:Sohne Hermann in Friedrichseck aufzuhalten.
In: Jahre 1847 hatte auf Ende September Immanuel Hermann Fichte eineVersammlung deutscher Philosophen nach Gotha ausgeschrieben. Auf dieser erschienMoriz mit einer Abhandlung: „Aufforderung zu Gründung eines freien Vereinesfür das gesellige Schaffen des Wissens." Die Theilnehiuer der Versammlung, unterwelchen sich auch der bekannte ehemalige württembergische Bundestagsgesandte MinisterFrhr. v. Wangeuheim befand, wurden von den: Minister Frhrn. v. Stein zu einerAbendgesellschaft, von dem Herzog Ernst von Koburg zur Tafel gezogen. Iii: folgen-den Jahre Ende August nahm Moriz Theil an dem „Kongresse zur Gründung einerfreien deutschen Akademie" zu Frankfurt a. M.; auf dieser Versammlung machte ernicht nur die persönliche Bekanntschaft von dem Mathematiker Adolf Peters, GottfriedKinkel, Ludwig Feuerbach, F. Bischer, H. Hettner, K. Grün, dem altenGymnasial-Direktor Fr. Kapp (Moriz Eurviävö kannte er schon von Gotha her), undwar, so oft es anging, in der Paulskirche, sondern er ließ die Gelegenheit auch nichtunbenutzt, Arthur Schopenhauer aufzusuchen, mit welchen: er dann bis an dessenEnde in freundlichen: Konnex blieb.
Schon 1844 hatte Moriz begonnen, seine au: 28. Aug. 1342 koncipirte Welt-auffassuug systematisch zu begründen, und alle von da an betriebenen Studien warenihm Mittel zu diesen: Zwecke. In: Winterquartale Januar bis März 1847 war dererste Entwurf zun: Abschlüsse gediehen, sodaß er denselben unter dem Titel: „DasWissen und die Wissen-Schaft" den: Professor Hermann Ulrici in Halle persönlichfür dessen und Fichte's Zeitschrift überbrachte; dieselbe lag aber damals fast in denletzten Zügen, Ulrici war sehr cntinuthigt und glaubte kaum ein neues Heft erscheinenlassen zu können. Als dann das Jahr darauf in Frankfurt die Herausgabe der
50