Druckschrift 
Der Stifter der noch bluehenden Neuhaeuser Linie Christian Ludwig von Eberstein und seine Nachkommen
Entstehung
Seite
775
Einzelbild herunterladen
 

— 773 —

werden sehr, und sehr lange krank bleiben!" Und dies war in der That der Fall, bisgegen Ende des Jahres 1830 lag Gustav an erschrecklichen Magen- und Darmschinerzendarnieder, so das; oft sein Stöhnen bis in weite Entfernung vom Krankenlager ver-nommen werden konnte. Wahrend dieser Zeit lieh sich der Sekretär Zimmermann niebei seinem Prinzipale sehen, kam nur alle Morgen zu dein Bedienten desselben ge-schlichen und frug: „Was macht der Major?" Als auf diese übliche Frage einstmalsder Bediente antwortete: „Nun, diese Nacht ist es etwas besser gewesen", verräth ersich und erwidert darauf: „Ah, der Major wird nicht wieder!" und ändert dann oftseine morgendliche Frage in die: „Nun, ist der Major noch nicht tot?"

Gustav's gute Natur überwand aber die schwere Vergiftung, und nachdem er sichwieder etwas gekräftigt fühlte, lieh er sich öfters aus der Amtsstube Akten holen.Schon gleich im Anfange stöht ihm manches auf, was ihm nicht in Ordnung zu seinscheint, er läht sich daher nach und nach immer mehr Akten auf das Bett kommen undfindet dann zu seinem Schrecken die erstaunlichsten Dinge. Schließlich lassen ihm dieschrecklichen Entdeckungen keine Ruhe, er läht sich ankleiden und hinauf auf das Amts-zimmer führen. Schon bei Gustav's Erscheinen merkt Zimmermann, was die Glockegeschlagen hat, fängt, als Gustav sagt, er wünsche Auskunft über dies und das, anam ganzen Körper zu zittern, spricht konfuses Zeug, und als dann Gustav zu ihmsagt: „Nun, ich sehe, wie die Sachen stehen, es bleibt mir nichts übrig, als Ihnen dieVollmacht gerichtlich abnehmen zu lassen, Gott sei Ihnen, Sünder, gnädig und barm-herzig!" saht er mit der linken Hand Gustav an der Brust und will mit der rechtenHand nach einem Gewehrschranke langen, in dem eine Anzahl stets geladener Jagd-gewehre und Pistolen hingen. Da hat denn Gustav noch so viel Kraft, dah er denVerbrecher von sich stöht, nach dem Fenster eilt und über den Schlohhof hinüber denDreschern zuruft. Glücklicherweise rührt sich auch im Nebenzimmer des Sekretärs Be-dienter. Gustav geht nun wieder in das Parterre des Schlosses hinunter und schicktsofort zu seinem Vetter, dem Hauptmann Ernst v. Eberstein, und bestimmt diesen,dah er sich in den Wagen setzt,' nach Sangerhausen fährt und dem Jnguisitoriat per-sönlich Anzeige erstattet.

Der entlarvte Bösewicht schickt unter einem Vorwande seinen Bedienten fort;dieser sieht aber noch im Weggehen, dah Zinnnermann nach dein Gewehrschranke greift,von da etwas herausnimmt und schnell in die Brusttasche steckt. Abends Ahrgeht Gustav's Kutscher hinauf zu Zimmermann's Wohnräumen, findet aber alle Thörenverschlossen. In der Nacht gegen 2 Uhr hört man an der Thüre (welche von demhöher gelegenen Garten aus, und zwar von der über einen gemauerten Wallgrabennach der breiten inneren Steintreppe führenden Brücke den Hinteren Zugang zu demHauptflügel des Schlosses bildete) ein starkes Klopfen. Selbstverständlich wird nichtgeöffnet; denn wäre dies geschehen, so würde Zimmermann erst den ihn? Öffnendenniedergeschossen haben, darauf zu seines Herrn Bette gedrungen sein und auch diese??getötet haben. Den andern Marge?? nun gegen Uhr hören Horla'sche Schulkinder(welche während der damals gerade ii? Rötha eingetretene?? Pfarrvakanz nach Leinungenin de?? Konfirmandenunterricht gehe??) oben in? Holze über dem sogenannten Gemeinde-kopfe nicht iveit abseits von? Wege einen Schuh fallen, sie gehen nach der Richtunghin — und finden da den Selbstmörder entseelt liegen!

Nach den? so jäh erfolgten Tode dieses durch seine Verirrungen in Verzweiflunggetriebenen, ursprünglich wohl nicht eigentlich verworfenen und mit vorzüglichen geistigenFähigkeiten begabten Mannes, welcher verheirathet war und mehrere erwachsene Kinderhatte, deren Mutter aber in der Gegend von Halle wohnhaft war, stellte sich's nunheraus, dah die von ihm bei seiner Meldung zur Stelle produzirten glänzenden gericht-lichen Zeugnisse sämtlich gefälscht waren. Nach solchen Enthüllungen konnte man sichnun auch nicht weiter wundern, dah, ivie sich gleich nach seinen? Tode ergab, Zimmer-mann auch ii? seiner Geschäftsführung während der Krankheit seines Prinzipals sicharger Fälschungen und Betrügereien schuldig gemacht hatte.