in einem Briefe an Wilhelm's Enkel L. Ferdinand ck. cl, Kesselstadt 14. April 1868in Parallele stellt zu Polonius' Abschied van seinem Sohne Laörtes in Hamlet und zueinem weltklug weisen, schönen Briefe des Grafen Eberhard v. Erbach an seinen SahnGeorg bei dessen Eintritt in die Welt im 16. Jahrhundert.
Aber auch noch bis in sein letztes Lebensjahr wurde dieser allen seinen Nach-kommen zum Vorbilde dienende charaktervolle Mann nicht müde, seinem Sohne wahr-haft väterliche Ermahnungen und Weisungen angedeihen zu lassen. Beispielsweise seienaus seinen Briefen hier folgende Stellen ausgehoben:
„Deine Mutter und Geschwister grüßen Dich . . . S. KY2 . . . bis .Gott gebe Segen undGnade zu allem, was zu Deinem Besten gereichet'".
„— .— Dich würde solches nicht wundern, wann Du die Welt kanntest. Man muß vouder Freundschaft heutigen Tages nicht zu viel fordern, sondern in allen Sachen Diskretion haben.Genug, wenn wir es so weit bringen, daß uns niemand übel will. Es ist jetzt alles, was manhoffen kann und wornach mau sich nur bemühen soll."
„ Halte Dich an den Herrn aller Herren, bleibe ihm getreu, so wird es Dir allzeit
wohl gehen, und er wird Dich zeitlich und ewig belohnen."
„Dein verstand, Deine Sitten, Deine Gelehrsamkeit und rechtschaffene Denkungsweisc, vonTugend und Geschicklichkeit begleitet, sind die (Duellen, die uns Achtung, Freundschaft und Liebebei rechtschaffenen Leuten zufließen lassen. Prahle ja nicht und bilde Dir nicht zu hohe Dinge ein. S. sys bis .gerne hören und adoptireu wirst'."
„ Ich sollte hieraus urtheilen, . . . S. 702 ... bis .ohne daß Ihr Ursache hättet,
unzufrieden zu sein'."
„Es scheint mir, daß mein letztes Schreiben Dir zu empfindlich gewesen. Salomen sagt inseinen Sprüchen Aap. (Z. v ,Lin weiser Sohn lasset sich den Vater züchtigen' . . . S. ?(( . . .bis .wozu Dir auch Gott Einsicht und verstand genug gegeben hat.'"
„Nun will ich mich in etwas über eine andere Materie, deren Du erwähnest ff. . . . S. 7tZ . -
Nachdem Wilhelm über zwei Jahre (zum Theil mit etwas übertriebenemFleiße, da er meist des Nachts nur 4 Stunden schlief) die Universität Leipzig besuchthatte und sich nun in dein fünften Semester befand, lag es ihm nah, über seinenkünftigen Beruf einen festen Plan zu entwerfen und zu solchem die Billigung seinesVaters einzuholen. Auf seine Anfrage über diesen Punkt schreibt ihm sein Vater unterdem 21. Febr. 1775:
„Was nun den Artikel Deines künftigen Fortkommens . . . S. 70-D"
Ferner unter dem 5. Mai 1775:
„Was nun hiernächst Dein künftiges Unterkommen betrifft, so habe ich darüber meineMeinung bereits gesagt. Soviel in meinen Kräften stehet, will ich gern zu Deiner Unterstützunghergeben rc., allein ich sehe auch, daß Geld dazu nöthig ist, wann man Höfe aufs Geradcwohlbereisen will rc. Der Major v. Kracht kennet die Höfe nicht und kümmert sich darum wenig rc.,jedoch ist das auswärtige Fach platterdings vor keinen unvermögenden Mann :c. Im Pr. Iustizfachbat man Brod bis an sein Ende des Lebens, wann man nur erst einmal pluoirt ist, welches inetwas mehr als einem Jahr gewiß geschehen könnte, doch hast Du Deine Freiheit, ich will Dichzu nichts zwingen, nur wäge alles nach Deinen Umständen ab" (s. oben S. 767).
Vgl. auch S. 769: „Da nun endlich Deine Studienjahre rc." und S. 716: „Tilse,28. Nov. M. l. S. Dein Schreiben vom 2Z. Vct. :c. ic."
Wie aus mehrfachen, in obigen Briefen enthaltenen Stellen hervorgeht, hegteWilhelm den Wunsch, in die diplomatische Laufbahn eintreten zu können. Zu diesemZwecke unternahm er, um sich einigermaßen zu orientiren, eine Reise nach Mainz,Mannheim und Straßburg durch das „Reich". In Mannheim ließ er sich demKurfürsten Karl Theodor vorstellen und erlangte nach vieler Mühe die Erlaubnis,seinen vom Kurfürsten wegen eines unglücklichen Vorfalles als gestörten Gemüths be-handelten und im Kloster Weinheim eingesperrt gehaltenen Oheim Karl Christianbesuchen und sprechen zu dürfen, — jedoch nur in Gegenwart des Priors und imBeisein der Frau geb. Freiin von Dalberg. Wilhelm sagt in seiner Niederschriftüber diesen Punkt nur andeutungsweise: „und seiner Frau Gemahlin war freilichwenig an seiner Freiheit gelegen".
Um sich nun den Eintritt nicht nur in sächsischen, sondern auch in preußischenStaatsdienst offen zu halteu, ließ Wilhelm sich auch in Halle einschreiben, miethete