Druckschrift 
Der Stifter der noch bluehenden Neuhaeuser Linie Christian Ludwig von Eberstein und seine Nachkommen
Entstehung
Seite
704
Einzelbild herunterladen
 

704

welche niemand weiß als der .-^rellivarius Klunger? Gewiß ist es indessen, daßwann der Unmündige des Grafen Antheil erben will, er auch die daraus haftendenSchulden bezahlen muß.

„Was nun den Artikel Deines künftigen Fortkommens betrifft, so setze ich Dirdie Gedanken eines sehr vernünftigen Riannes und guten Freundes hierher; derselbehat gar solide Ansichten und stehet in großer Konnexion. Gr schreibt Folgendes:,. . das Beste würde sein, wenn der Herr Sohn resolvirt, sich in der praxi unsererLandesrechte zu habilitiren, und zu dem Gnde entweder hier in Berlin beim Kammer-gericht oder auch bei der Regierung in Königsberg ein paar Jahre als Re-fercndarius in Droekksnalibus arbeitete, dann dies ist jetzt in unseren Landen die rechtepflanzschule für junge Herren, aus welcher sie hiernächst in hohe Kollegin als wirklicheRäthe mit einem ziemlichen Gehalt versetzt werden, und könnte der Herr Sohn nachbestandener Kapaeität alsdann bei der Riagdcburger oder Halberstätter Regierungals Regierungsrath placirt werden, um von denen dortigen Gütern nicht zu weitentfernt zu sein. Dieser Plan ist solide in aller Absicht, wenn nur der Herr Sohnnicht zu sehr zu Millionen allnirss neiget, worzu große Ruttel und reiche Familiengehören, außer man ist mit dem Runister oder denn Fürsten und dessen pause sehrwohl bekannt und kann viel Dienste thunä — Nun will ich noch dies dazusetzen; ichlasse Dir völlige Freiheit, in der großen Zuversicht, daß wann Du mit Gott DeineSache ansängst und denselben um seinen Gnadenbeistand bittest, Du schon in der Weltfortkommen wirst, nur bitte ich, trachte nicht nach hohen Dingen. Kannst Du derFührung Dich in wahrem Zutrauen überlassen, wirst Du allemal sicherer und besserfahren. — Hier im Lande kann man sein Glück auch machen, wer nur etwas gelernthat; es ist ein großer Unterschied an einem kleinen Hofe in einem so weitläufigenReich; doch hast Du völlige Freiheit, Gott öffne Dir eine Thür. Beim Kannner-gericht in Wetzlar ist nicht das liebe Brod, beim Rcichshosrath, der kann mehrsein, allein wie wäre da hinein zu kommen? Rut der Zeit läßt sich alles machen.Wenn man nur erst den Ansang im Kleinen gemacht hat, hernach findet sich allesWeitere fast von selbst, der erste Grundstein muß nur mit Fürsichtigkeit gelegt werden.Ziehe vernünftige Leute, welche die Welt gut studirt haben und solide denken, zuRathe: es kann Dir dorten an solchen Leuten nicht fehlen, nur vertraue Dich nichtder Zugend, worzu junge Leute mehr Vertrauen haben, als zu alten erfahrenen.Hast Du niemalen Gelegenheit gehabt, mit klugen Leuten darüber zu sprechen? odermit solchen, welche die Höfe kennen. Allein es ist doch auch Vorsichtigkeit dabei nöthig,denn selten ist der RIensch ganz affektenlos, er kann viele Privatursachen, auch Ab-sichten haben, von diesem Gutes und von jenem Böses ki vies versn zu sprechen.Soviel sage ich nur nocb, wann Du willst im Brandenburgschen emploirt sein, mußtDu Dich eine Zeit lang in ilnlls aus der Akademie ausgehalten haben, oder deinVorwurf ausgesetzt sein. —- Wie viel glaubst Du wohl nöthig zu haben, ein ZahrDich etwas umzusehen, und Dich an einigen Höfen, als z. G. Dresden oderWeimar, Gotha, Kassel, Baden bekannt zu machen? selbst in Wetzlar würdestDu die dasige Verfassung kennen lernen können, wann Du bei einem kurzen Auf-enthalte Dich um den Löhnberger Prozeß erkundigest bei einem gewissen RathRnälatk daselbst, welches ein sehr kluger Riann ist und große Gonnaissance hat. —-Zch sehe aus Gott, welcher alles vermag, und wann es zu Deinem Besten, wirdGott schon auch hier Rath schaffen, sowie Gr bisher gethan, oft ganz wunderbar.

Wie steht denn die alte Schuldsache in Dresden? Der Runister v. iZorole istins Vireoiorimn gekommen rc. Was habe ich wohl Brauern gethan, er mußböse auf mich sein. Zeh habe ihme vorm Zahre und vorher geschrieben, er möchtemir schreiben, ob es wohl gethan wäre in der Wertherschen Sache, wann ichmich an den Rimstwk v. Fürst, welchen ich kennen gelernt hätte, wendete, und ichkönnte nur gerechte Hülfe versprechen. Als ich auf diese und andere in eben dieserRiaterie und meine Leinungschen ntimren einschlagende Briese in acht Rionatenund länger keine Antwort erhalten, so wollte doch gern die Lage der Sache wissen